Montag, 27. Juni 2022

Erosita im Sicherheitsmodus
Das Aus für das deutsch-russische Röntgenteleskop

Die Sanktionen gegen Russland nach der Invasion der Ukraine betreffen auch viele Forschungsprojekte. So hat die Max-Planck-Gesellschaft das Röntgenteleskop Erosita in einen Schlafmodus versetzt. Es ist 2019 als Teil des russischen Satelliten Spektrum-Röntgen-Gamma gestartet.

Von Dirk Lorenzen | 02.05.2022

Derzeit im All nicht im Einsatz: das Erosita-Teleskop (hier vor dem Start in der Montagehalle)
Derzeit im All nicht im Einsatz: das Erosita-Teleskop (hier vor dem Start in der Montagehalle) (MPE)
Die Fachleute am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching können nun noch die bereits erhaltenen Daten auswerten – neue Beobachtungen wird es auf absehbare Zeit nicht geben, womöglich nie mehr.
Bis zum Angriff von Putins Truppen hatte die Zusammenarbeit bestens funktioniert: Das Gerät war mit einer russischen Proton-Rakete gestartet. Die Fachleute in Deutschland und Russland teilten sich den Himmel auf und werteten die Daten aus.

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Erosita, so groß wie ein Bierfass, hat bereits vier Himmelsdurchmusterungen im Röntgenbereich beendet. Es sieht den Himmel so detailliert wie kein Röntgen-Instrument zuvor. Die Astronomen hatten gehofft, den Himmel mindestens achtmal zu durchmustern und dabei hunderttausend Galaxienhaufen zu erfassen.
Der Satellit Spektrum-Röntgen-Gamma befindet sich im Lagrange-Punkt 2, anderthalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Dort ist das James Webb-Weltraumteleskop sein neuer Nachbar.
Im Sicherheitsmodus hat der Satellit alle nicht notwendigen Funktionen abgeschaltet. Wissenschaftliche Beobachtungen finden nicht mehr statt – doch das Teleskop lässt sich jederzeit wieder in Betrieb nehmen, sofern es die politische Lage zulässt.