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StartseiteWirtschaftsgespräch"Beim Aufsichtsrat liegen die Nerven blank"07.11.2019

Deutsche Bahn "Beim Aufsichtsrat liegen die Nerven blank"

Die Deutsche Bahn soll 20 Milliarden Euro erhalten – so steht es im Klimapaket der Regierung. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch der Konzern bekomme seine Probleme nicht in den Griff, meint Dlf-Wirtschaftsredakteur Klemens Kindermann. Der Gewinn 2019 breche ein und die DB Cargo schreibe seit Jahren Verluste.

Klemens Kindermann im Gespräch mit Sarah Zerback

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Zugbegleiterin der Deutschen Bahn Fernverkehr fertigt einen abfahrbereiten ICE im Hauptbahnhof Frankfurt ab (imago / Ralph Peters)
Aus einem Zwischenbericht für den Aufsichtsrat geht hervor, dass die Gewinne der Bahn 2019 bereits eingebrochen sind (imago / Ralph Peters)
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Sarah Zerback: Gestern sind bei der Deutschen Bahn zahlreiche Fahrkartenautomaten ausgefallen. Dieses Problem hat die Bahn immerhin inzwischen in den Griff bekommen, aber es gibt noch jede Menge andere. Heute tagt der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Klemens Kindermann aus unserer Wirtschaftsredaktion: Was ist da heute zu erwarten?

Klemens Kindermann: Also eigentlich könnten sich heute im Bahn-Tower alle Aufsichtsräte ein kleines Fläschchen Rotkäppchen Sekt aus der aktuellen Bordgastronomie gönnen – wegen des gerade beschlossenen Klimapakets der Großen Koalition:

"Gewinner dieses Pakets ist die Bahn", sagt Verkehrsminister Andreas Scheuer. Und Umweltministerin Svenja Schulze gerät sogar ins Schwärmen: "Wir werden Milliarden in die Attraktivität der Bahn investieren, wir werden billigere Tickets sehen, ein massiv ausgebautes Angebot …"

Die Bahn soll 20 Milliarden Euro bekommen. Die Mehrwertsteuer auf Tickets im Fernverkehr soll von 19 auf sieben Prozent sinken. Also eigentlich Grund für eine Party.

Zerback: Jetzt kommt das Aber: Mit guter Stimmung ist trotz dieser guten Nachrichten aus der Politik bei der Bahn nicht zu rechnen – warum nicht?

Kindermann: Der Konzern kriegt seine eigenen Probleme einfach nicht in den Griff. Der Gewinn im Jahr 2019 bricht offenbar ein, das Ergebnis liegt um knapp 30 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, geht aus dem Zwischenbericht für den Aufsichtsrat hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Das ist für die Bahn eine mittelschwere Katastrophe, denn das heißt, es werden Fehler im Unternehmen gemacht. Heute Morgen berichtet die Nachrichtenagentur Reuters, der Finanzvorstand der Bahn, Alexander Doll, soll gestern - noch vor der heutigen Aufsichtsratssitzung - ins Verkehrsministerium einbestellt worden sein.

Zerback: Welches sind die Hauptprobleme der Bahn?

Kindermann: Ein Riesenproblem ist die Güterverkehrstochter DB Cargo, die seit Jahren Verluste schreibt und die Bahn kriegt das nicht in den Griff. Es könnte sein, dass heute in der Aufsichtsratssitzung schon Sigrid Nikutta, die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, zum neuen Vorstandsmitglied für den Güterverkehr berufen wird. Die soll dann nichts anderes machen als die Probleme beim Güterverkehr lösen.

Noch peinlicher: der Verkauf der Auslandstochter Arriva sollte vier Milliarden Euro in die klammen Kassen der Bahn spülen. Jetzt soll er weniger Geld bringen, was die Finanzplanung der Bahn – so es denn eine gibt - durcheinander bringen dürfte. Und der Verkauf soll wohl nicht mehr, wie gedacht, in diesem, sondern erst im nächsten Jahr kommen. Warum? Das wollen die Aufsichtsräte heute auch wissen – da liegen die Nerven blank.

Zerback: Am Wochenende ist bekanntgeworden, dass für Teile des Bahn-Vorstandes das Gehalt von 400.000 Euro auf 585.000 Euro pro Jahr steigen soll. Ist das heute auch noch einmal ein Thema?

Kindermann: Das ist nun angeblich in letzter Minute von der Tagesordnung genommen worden. Insgesamt sollten die Gehälter der Bahn-Spitzenmanager offenbar um 1,5 Millionen Euro pro Jahr angehoben werden. Das entspräche einem Plus von 33 Prozent. Wofür, wüsste ich jetzt auch nicht zu sagen. Das kennt man sonst nur aus der Bankenbranche, dass die Gewinne einbrechen und die Managergehälter trotzdem steigen.

Jedenfalls hat Verkehrsminister Scheuer dem Bahn-Vorstand ein Ultimatum gestellt, damit der Konzern seine Probleme schneller und effizienter löst. Der kann das: der Bund ist Eigentümer der Deutschen Bahn. Da wird die Zeit allerdings knapp: dieses Ultimatum läuft heute in einer Woche aus.

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