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StartseiteWirtschaftsgesprächFusion mit der Commerzbank zweifelhaft01.02.2019

Deutsche BankFusion mit der Commerzbank zweifelhaft

Über das Zusammengehen der beiden größten deutschen Banken wurde schon oft spekuliert. Und der deutsche Finanzminister hat großes Interesse hat an einem nationalen Banken-Champion, der international wettbewerbsfähig ist. Doch eine Fusion mit der Commerzbank wäre nicht unbedingt sinnvoll.

Eva Bahner im Gespräch mit Christoph Heinemann

Gebäude der "Deutsche Bank" und Commerzbank-Zentrale in Frankfurt  (Arne Dedert/dpa)
Offiziell gibt es keine Fusionsverhandlungen, aber der Druck aus Berlin wächst (Arne Dedert/dpa)
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Christoph Heinemann: Die Deutsche Bank schreibt wieder schwarze Zahlen nach drei Verlustjahren – ist das nun schon die Trendwende?

Eva Bahner: Also, als Trendwende würde ich die Jahresbilanz jetzt noch nicht bezeichnen, zumal die Deutsche Bank im vergangenen Quartal einen Verlust gemacht hat, im November gab es die Großrazzia, dann ging es an den Börsen insgesamt bergab, das macht sich dann offensichtlich negativ beim Investmentbanking bemerkbar.

Aber immerhin: Unterm Strich steht für 2018 ein Gewinn von 341 Millionen, auch wenn dieser verglichen mit den Gewinnen der amerikanischen Banken natürlich sehr mickrig aussieht. Und: Die meisten großen Rechtsstreitigkeiten sind erst mal beigelegt - erst mal, weil es gibt ja auch wieder neue Geldwäsche-Vorwürfe. Christian Sewing, der seit einem dreiviertel Jahr die Deutsche Bank führt, hat es tatsächlich geschafft, die Kosten zu senken. Aber die Baustellen der Deutschen Bank, die gibt es nach wie vor, die Erträge sind zu niedrig, und sie sind 2018 nochmals zurückgegangen. Der Aktienkurs sinkt weiter, allein unter Sewing hat die Aktie noch mal um ein Drittel an Wert verloren, das heißt, das Vertrauen in das Geschäftsmodell der Bank schwindet – und die Angst ist groß, dass diese Abwärtsspirale nicht rechtzeitig gestoppt werden kann. Deshalb halten sich auch so hartnäckig die Gerüchte über eine Fusion mit der Commerzbank.

Deutscher Finanzminister an Großbank interessiert

Heinemann: Über das Zusammengehen der beiden größten deutschen Banken wurde in der Vergangenheit ja schon öfter spekuliert – was ist da dran?

Bahner: Also offiziell gibt es nicht mal Verhandlungen und Christian Sewing, der Deutsche-Bank-Chef hat immer wieder betont, dass die Deutsche Bank erst mal ihre Hausaufgaben machen müsse, bevor eine solche Fusion in Frage käme. Allerdings wird nun heftig darüber spekuliert, ob die Deutsche Bank überhaupt noch genug Zeit hat, vorher ihre Hausaufgaben zu erledigen. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt heute, dass die Überlegungen über eine Fusion schon so weit sind, das bereits die Bankenaufsicht der EZB mit eingebunden sei, die beiden Häusern Bedingungen gestellt habe für eine Fusion. Eine Bestätigung dafür gibt es aber auch nicht.

Was ziemlich offensichtlich ist, ist, dass der deutsche Finanzminister ein großes Interesse hat an einem nationalen Banken-Champion, der international wettbewerbsfähig ist, der Exportunternehmen begleitet auf dem Weltmarkt. Diesen Wunsch hat er bereits im Herbst geäußert und seitdem steigt der Druck aus Berlin. Es ist bekannt geworden, dass es 2018 insgesamt 23 Gesprächstermine zwischen dem Finanzministerium und der Deutschen Bank gab, auch auf höchster Ebene. Und mit Jörg Kukies hat Scholz auch einen Staatssekretär, der als ehemaliger Goldman-Sachs-Banker in Frankfurt auch bestens verdrahtet ist. Dazu muss man wissen: Der Bund ist immer noch mit einem Anteil von 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank, das heißt, es gibt da tatsächlich einen gewissen Gestaltungsspielraum, auch wenn Fusionsentscheidungen natürlich in den Vorstandsetagen der Banken getroffen werden.  

"Fusion mit der Commerzbank wäre eher eine Notlösung"

Heinemann: Würde eine Fusion Sinn ergeben?

Bahner: Also es gibt da schon erhebliche Zweifel, weil die Deutsche Bank und die Commerzbank sich ja schon sehr ähnlich sind, auch was ihre Probleme angeht. Zu hohe Kosten, ein zu hoher Personalstand, marode IT-Systeme, zu geringe Erträge. Die Kosten könnten in einer neuen deutschen Großbank zwar schon gesenkt werden, das wäre ein Vorteil, aber das hätte natürlich Filialschließungen und einen massiven Stellenabbau zur Folge. Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, hat deshalb auch schon auf die Bremse getreten. Dazu kommt, dass die Deutsche Bank ja auch noch mit der Integration der Postbank beschäftigt ist. Das wäre ein enormer Kraftakt. Aus meiner Sicht wäre das eher eine Notlösung und alles andere als ein Garant dafür, dass eine deutsche Großbank wieder in der Weltliga mitspielt – dafür ist der Börsenwert selbst beider Banken zusammen noch immer zu gering. Die Commerzbank kämpft ja selbst gegen einen Bedeutungsverlust, ist ja mittlerweile nicht mal mehr im Dax notiert.  

Für die Deutsche Bank wäre aus meiner Sicht ein Zusammengehen mit einer stark aufgestellt Bank sinnvoller, mit der Schweizer UBS zum Beispiel, auch dieses Szenario wurde wohl schon durchgespielt, aber bei der Lösung wäre die Deutsche Bank allein aufgrund ihres niedrigen Börsenwerts nur ein Juniorpartner - und das würde dem deutschen Finanzminister gar nicht gefallen.

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