Mittwoch, 30. November 2022

Archiv

Deutsche Bank
Millionenschwerer Vergleich in Geldwäsche-Affäre

Im Zusammenhang mit einer Geldwäscheaffäre muss die Deutsche Bank mal wieder eine Strafe in Millionenhöhe zahlen. Zwei Dinge daran sind aber positiv: Die Strafe ist niedriger als befürchtet und ein weiterer Rechtsstreit ist beigelegt – zumindest beinahe.

Von Michael Braun | 31.01.2017

    John Cryan, bisher Co-Vorstand, wird zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank auf der Hauptversammlung 2016 ernannt
    John Cryan, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat die Beilegung der Rechtsstreitigkeiten zur Priorität erklärt. (picture-alliance/dpa/Arne Dedert)
    Analysten hatten mit mehr gerechnet, mit Strafen von 1,2 Milliarden Euro. Jetzt ist es nur etwa die Hälfte geworden. Umgerechnet rund 580 Millionen Euro muss die Deutsche Bank an zwei Aufsichtsbehörden in Amerika und in Großbritannien zahlen. Beobachter der Bank sind erleichtert:
    "Das Problem bei dem Rechtsstreit in Moskau war, dass es keine vergleichbaren Fälle gab, sodass es schwierig war, abschätzen zu können, wie hoch das Strafmaß ist. Dass es jetzt von den bisherigen Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten gedeckt ist, ist deutlich positiv für die Deutsche Bank-Aktie."
    So Markus Rießelmann, Bankanalyst bei Independent Research. Es ging zwar nicht um Eigengeschäfte der Bank, sondern um solche von Kunden, die die Bank nicht durchschauen wollte. Die Kunden verkauften Aktien über die Deutsche Bank an der Moskauer Börse. Und in London kauften sie die Papiere zur gleichen Zeit, ebenfalls über die Deutsche Bank. Das war mindestens Beihilfe zur Kapitalflucht. Gewichtig auch die Fälle, bei denen in London Aktien gegen Dollar verkauft wurden und zum selben Pries in Russland gegen Rubel gekauft wurden. So kam der Vorwurf der Geldwäsche hinzu, dem Vernehmen nach im Umfang von zehn Milliarden Dollar.
    Vergleich mit US-Justizministerium steht noch aus
    Die Bank hat ihr Kontrollpersonal voriges Jahr um 30 Prozent aufgestockt und will es dieses Jahr um weitere 50 Prozent auf dann 1.150 Mitarbeiter erhöhen. Sie muss, das ist Teil des Vergleichs, trotzdem einen externen Aufpasser über diese Abteilung akzeptieren. Aber die Behörden haben das Engagement der Bank auch anerkannt. Die britische Finanzaufsicht habe deshalb ihre geplante Strafe um 30 Prozent reduziert, berichtete die Deutsche Bank. John Cryan, der Vorstandsvorsitzende, ist damit fast am Ziel, das er vor drei Monaten ausgab, bis zur Bilanzvorlage für 2016 die Rechtsrisiken weitgehend abgearbeitet zu haben. Das habe hohe Priorität. "This remains our and my top priority."
    Ganz vorbei dürfte das Zittern aber noch nicht sein. Denn das amerikanische Justizministerium gehört nicht zu den Behörden, die sich wegen der Moskauer Geldwäsche- und Kapitalfluchthilfe mit der Bank verglichen hat. Ein Sprecher sagte: "Da kommt noch was."
    Wenn es nichts Großes wird, bleibt Cryan gleichwohl unter Druck. Denn spätestens dann muss er zeigen, dass er nicht nur Altlasten beiseite räumen, sondern auch die Bank neu ausrichten kann. Das vierte Quartal 2016 wird noch nicht davon künden. Es wird Verluste aufweisen, ist Analyst Rießelmann gewiss:
    "Es wird im Vergleich zum Vorjahr, Q4 2015, eine Ergebnisverbesserung geben. Dennoch rechnen wir mit einem negativen Ergebnis in Q4 2016."
    Genaues weiß man übermorgen, wenn die vorläufigen Zahlen für das Jahr 2016 vorgelegt und erläutert werden. Mit Spannung wird auch erwartet, ob die Deutsche Bank die Postbank immer noch verkaufen oder doch lieber behalten will.