Mittwoch, 17. April 2024

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Deutscher Tennis-Verband
Vorwürfe sexualisierter und körperlicher Gewalt gegen Vizepräsidenten

Der Deutsche Tennisbund steht unter Druck. Ein ehemaliger und ein aktueller Tennisprofi erheben schwere Vorwürfe gegen den Vizepräsidenten des Verbands: Dirk Hordorff wird der sexualisierten und körperlichen Gewalt beschuldigt.

Von Andrea Schültke | 23.03.2023
Bildnummer: 13595156  Datum: 03.05.2013  Copyright: imago/LackovicDirk Hordorff, Trainer von Janko Tipsarevic / Tennis / BMW Open 2013 / München / 03.05.2013 / ; Tennis xsp x1x 2013 quer Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennisturnier BMW Open 2013 München Dirk Hordorff Trainer Janko Tipsarevic Porträt Image number 13595156 date 03 05 2013 Copyright imago Lackovic Dirk Hordorff team manager from Janko Tipsarevic Tennis BMW Open 2013 Munich 03 05 2013 Tennis  x1x 2013 horizontal Tennis Dirk Hordorff Aumeister Iphitos ATP Tennis tournament BMW Open 2013 Munich Dirk Hordorff team manager Janko Tipsarevic Portrait
Dirk Hordorff, Vize-Präsident des Deutschen Tennis-Bundes, dementiert über eine Anwaltskanzlei die Vorwürfe. (imago sportfotodienst)
Triggerwarnung: Der Beitrag enthält Schilderungen von sexualisierter und körperlicher Gewalt, die belastend und retraumatisierend sein können.
Der ehemalige Tennisprofi Maximilian Abel war Ende der 90er-Jahre einer der besten Juniorenspieler der Welt. Der heute 41-jährige wirft dem Vizepräsidenten des Deutschen Tennisbunds, Dirk Hordorff, vor, ihm über Jahre sexualisierte und körperliche Gewalt angetan zu haben. Im Interview mit NDR, Sportschau und Süddeutscher Zeitung schildert er etwa einen angeblichen Übergriff in einem Hamburger Hotel. Als Strafmaßnahme, weil er gelogen habe, habe Hordorff von ihm verlangt:
"Zieh dich aus, komplett, und geh in Hunde-Position auf das Bett. Auf allen Vieren. Dann hat er angefangen, seinen Gürtel auszupacken. Und hat dann noch gesagt: Erhöhung auf 20 Hiebe. Auf den nackten Arsch. Und dann hat er 20 mal durchgezogen, volles Brett. Dann habe ich nach hinten geguckt. Und dann war der auch erregt."
Abel verbüßt aktuell eine Haftstrafe wegen Kreditkartenbetrugs. Im Gefängis habe er angefangen, sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen, sagt er. Die ersten sexualisierten Übergriffe hätten schon begonnen, als er noch ein Kind gewesen sei, sagt Abel. Aus dem Gefängnis heraus hat er sich auch an den Deutschen Tennisbund gewandt. Sein früherer Trainer Dirk Hordorff ist dort nicht nur Vize-Präsident, er gilt auch als einer der mächtigsten Männer im Deutschen Tennis.

Auch Balaji beschreibt angebliche Übergriffe

Auch der aktuelle indische Tennisprofi Sriram Balaji schildert im Interview mit NDR, Sportschau und SZ angebliche Übergriffe durch Dirk Hordorff. Im Jahr 2010 sei Balaji mit einem Stipendium seines Verbandes nach Deutschland gekommen. Der damals 20-jährige habe in einer Gästewohnung des hessischen Tennisverbandes übernachtet. Dort – so sagt Balaji – habe er wiederholt unangekündigten Besuch von Dirk Hordorff bekommen:
"Er hat mich darum gebeten, meine Kleidung auszuziehen – um meine Muskeln zu begutachten. Also hab ich mich ausgezogen, bis auf meine Unterhose. Aber dann meinte er, ich soll auch die Unterhose ausziehen. Er hat gesagt: Er würde gerne alle Muskeln von meinem Körper sehen."
Hordorff habe ihn am ganzen Körper angefasst, nur nicht an den Genitalien. Balaj sagt, er habe angenommen, so ein Verhalten sei in Deutschland normal.

DTB: Vorwurf könnte nicht sicher nachgewiesen werden

Dass Maximilian Abel den DTB informiert hat, ist ein Jahr her. Einige Monate später beauftragte der Verband eine Kanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe gegen seinen Vizepräsidenten Dirk Hordorff. Der ehemalige Wimbledon-Sieger Michael Stich fordert auch Konsequenzen.
"So jemand hat für mich im Deutschen Tennisbund keine Position, der kann dort nicht sein. Da kann kein Vertrauen entstehen. Und da muss aus meiner Wahrnehmung heraus der Deutsche Tennisbund auch absolut einen klaren Schnitt machen und muss sein ganzes System infrage stellen. Und wie sie dagagen vorgehen können und das auch verhindern können, dass sowas in der Zukunft wieder passiert."
Auf Anfrage von NDR, Sportschau und SZ teilte der DTB mit, die Untersuchung komme zu dem Ergebnis, dass der erhobene Vorwurf eines Fehlverhaltens nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden könne. Das Präsidiumsmitglied übe aber sein Amt bis auf Weiteres nicht aus.
Dirk Hordorff selbst hat sich auf Anfrage nicht persönlich geäußert. Eine von ihm beauftragte Anwaltskanzlei teilte jedoch mit, die Vorwürfe seien „schlicht unzutreffend“. Die geschilderten Sachverhalte hätten nicht stattgefunden.