Mittwoch, 20.01.2021
 
StartseiteInterviewIntendant Raue: "Ein Thema in alle Richtungen aufblättern"04.01.2021

Deutschlandradio-Denkfabrik 2021Intendant Raue: "Ein Thema in alle Richtungen aufblättern"

"Auf der Suche nach dem Wir" - unter dieser Überschrift steht die diesjährige Denkfabrik des Deutschlandradios. Man wolle sich dem Thema programmübergreifend von vielen Seiten nähern, sagte Intendant Stefan Raue - angefangen von den grundsätzlichen bis hin zu gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen.

Stefan Raue im Gespräch mit Sandra Schulz

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Bildcollage aus unterschiedlichen Bildern: Menschen bei Abendstimmung, altes Ehepaar in traditioneller Kleidung, Demonstranten mit Flaggen, junge Menschen am Tisch, Beine von Menschen in bayrischer Tracht und Hände, die sich halten
Die Hörerinnen und Nutzer des Deutschlandradios haben über das neue Thema abgestimmt
Mehr zum Thema

Gesellschaft und Corona "Gerade Pandemien haben zu sozialen Veränderungen geführt"

Corona-Demonstrationen Wer marschiert da zusammen?

Politik und Emotionen Ute Frevert beschreibt die Gefühlswelten der Deutschen

Viel ist gesagt und geschrieben worden über eine wachsende Polarisierung in unserem Land. Bröckelt die gesellschaftliche Basis, schwindet die Bereitschaft, vielleicht auch die Fähigkeit, Gegenargumente zu hören, oder kann man so eine Polarisierung auch herbeireden? Unter anderem das sind Fragen, mit denen sich der Deutschlandfunk in seiner diesjährigen Denkfabrik auseinandersetzen will. Für das Thema, "Auf der Suche nach dem Wir", haben sich die Hörerinnen und Hörer aller drei Programme sowie die Nutzerinnen und Nutzer der digitalen Angebote des Deutschlandradios mehrheitlich entschieden.

Sandra Schulz: "Auf der Suche nach dem Wir", was genau hat die Denkfabrik da in diesem Jahr vor?

Stefan Raue: Es gibt da kein Programm bis jetzt, wir haben jetzt Anfang Januar, sondern wir haben uns etwas vorgenommen. Wir haben uns vorgenommen, ein Thema in alle Richtungen aufzublättern. Also das geht von dem Punkt aus, in welchem Verhältnis steht eigentlich unser Ich zu dem Wir, welche Zumutung bedeutet ein Wir zu dem Ich.

Aber es geht auch zu den Themen, die Sie eben angesprochen haben. Wir haben das Gefühl, dass alles auseinanderfällt, wir haben das Gefühl, dass die Menschen sich nicht mehr zuhören, nicht mehr zu gemeinsamen Entscheidungen kommen, gemeinsame Entscheidungen nicht mehr akzeptieren nach einer gewissen Zeit. Sie haben eben intensiv über das Thema Corona gesprochen, auch diese Corona-Pandemie macht etwas mit unserer Gesellschaft.

Stefan Raue im Porträt (imago/epd)Der Intendant des Deutschlandradio, Stefan Raue (imago/epd)

Das sind alles Dinge, die wir uns in den nächsten Monaten anschauen wollen, und das in unterschiedlichen Programmen, in unterschiedlichen Bereichen – von der Kultur bis zur Musik bis zur Politik, bis zur klassischen wissenschaftlichen Information. Wir fangen beispielsweise jetzt im Januar an, in der Sendung "Kulturfragen", bestimmte Dinge zu hinterfragen. Also, was macht eine solche gefühlt zersplitterte Gesellschaft mit unserem Verhältnis zur Wissenschaft, zu unseren Vorurteilen, zu unseren Ressentiments. Die Kollegen in Berlin im Deutschlandfunk Kultur beschäftigen sich mit dem Thema, "Wir-Gefühl": Was hängt da eigentlich alles dran? Ist das bedrohlich oder ist das ein gutes Gefühl? Was verbindet uns, was verknüpft uns in diesem Jahr 2021? Also es ist eine breite Palette von Themen.

Schulz: Wo kann ich mir denn einen Überblick verschaffen darüber, was bei uns alles gemacht wird, geplant wird, eben unter dieser Überschrift "Auf der Suche nach dem Wir"?

Raue: Zunächst mal würde ich flapsig sagen, viel Radio hören, viel Deutschlandradio-Programme hören, da wird man immer wieder darauf stoßen.

Bildcollage aus unterschiedlichen Bildern: Menschen bei Abendstimmung, altes Ehepaar in traditioneller Kleidung, Demonstranten mit Flaggen, junge Menschen am Tisch, Beine von Menschen in bayrischer Tracht und Hände, die sich halten „Auf der Suche nach dem 'Wir'"
Sie haben "Wir" gewählt: Im nächsten Jahr widmet sich die "Denkfabrik" dem Thema "Auf der Suche nach dem ‚Wir‘". Entschieden haben darüber rund 24.000 Nutzerinnen und Hörer in einer Online-Abstimmung.

Schulz: Das mussten Sie jetzt sagen.

Raue: Logisch, da wäre ich ja falsch am Platz, wenn ich das nicht machen würde. Wir haben natürlich ein Portal in der digitalen Welt, das Denkfabrik-Portal, deutschlandradio.de/denkfabrik, wir werden aber auch in unserer Audiothek natürlich mit dem Themenband immer wieder auf diese Themen hinweisen. Wir werden versuchen, wenn die Pandemie mal einigermaßen überstanden ist, auch wieder in die Ursprungsidee der Denkfabrik zu kommen, nämlich über unser Programm hinaus mit Kooperationspartnern, mit Kulturveranstaltern, mit den Hörerinnen und Hörern ins Gespräch zu kommen. Das hat sich in den letzten Jahren ja als sehr fruchtbar erwiesen.

Schulz: Denn es ist nicht die erste Ausgabe der Deutschlandradio-Denkfabrik, sondern schon die dritte. Wo kann man sich denn einen Überblick verschaffen, wo kann man noch mal nachhalten, was die bisherigen Denkfabriken zutage gefördert haben?

Raue: Im vergangenen Jahr haben wir ein etwas überraschendes Thema, zumindest für uns als Programmmacher, gehabt, "Eine Welt 2.0 – Dekolonisiert euch!", auch das war eine Mehrheitsentscheidung der Hörerinnen und Hörer, also unser Verhältnis zur sogenannten Dritten Welt, zur kolonialen Geschichte. Das hat sehr viele Menschen bewegt. Wir haben aus den vielen Veranstaltungen, die wir im letzten Jahr gemacht haben, und den vielen Angeboten eine kleine Broschüre zusammengefasst, die ist abrufbar auch natürlich unter unserem Denkfabrik-Portal, das ich eben schon erwähnt habe. In dem Jahr vorher hatten wir zwei Themen, das war einmal das Thema, unsere Verfassung hatte Jubiläum, das haben wir aufgenommen, auch das gibt es in Form einer Broschüre, aber auch unter diesem Portal natürlich.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk