Donnerstag, 06. Oktober 2022

Mögliche DFB-Vizepräsidentin Silke Sinning
"Die Wahl wird eine Richtungsentscheidung"

DFB-Präsidentschaftskandidat Peter Peters will überraschend Silke Sinning, Professorin für Sportwissenschaft, zu seiner Vizepräsidentin machen. Sinning wolle dabei nicht nur als Quotenfrau ins Präsidium, sagte sie im Dlf-Sportgespräch. "Wir Frauen sind auch kompetent."

Silke Sinning im Gespräch mit Matthias Friebe | 19.12.2021

Ein Schild mit dem Logo des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hängt vor dem Eingang zur DFB-Zentrale (Aufnahme mit Dreheffekt). Der Deutsche Fußball-Bund muss sich neu aufstellen. Erneut wird nach der Rücktrittsankündigung von Fritz Keller ein Präsident gesucht.
Krise beim DFB (picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst)
Beim DFB-Bundestag vor einem Jahr lernten sich Silke Sinning und Peter Peters kennen. Auch wenn sie sich seitdem immer wieder über DFB und DFL und die Situation des Fußballs austauschten, eine Überraschung war der Anruf von Peters schon, ob sie in seinem Team mitmachen möchte, mit dem er sich um die Nachfolge von Fritz Keller bewerben möchte. Silke Sinning hat Ja gesagt, obwohl sie sich vor allem angesichts der Dauerkrise im DFB selbst die Frage stellte, ob sie sich das überhaupt antun will.
"Die habe ich tatsächlich auch lange mit mir rumgetragen und überlegt, ob ich den Schritt gehen soll", erzählt Sportwissenschaftlerin Sinning im D eutschlandfunk-Sportgespräch. Seit vielen Jahren engagiert sie sich auch im Hessischen Fußball-Verband im Ausschuss für Mädchen- und Frauenfußball. Ob sie aber wirklich Vizepräsidentin werden kann, ist mehr als fraglich. "Es sieht ja derzeit überhaupt nicht danach aus, weil die Vornominierungen sind ja getroffen worden von den Regionalverbänden und da bin ich definitiv nicht berücksichtigt."
Silke Sinning (r.) im Jahr 2013.
Silke Sinning (r.) im Jahr 2013. (imago/foto2press)

Süddeutscher Fußball-Verband nominiert Koch und Zimmermann

Der Süddeutsche Fußballverband, zu dem Sinning gehört, nominierte die bisherigen Vizepräsidenten Rainer Koch und Ronny Zimmermann. Auch für Peter Peters, den aktuellen Interims-DFB-Präsidenten sieht es nicht gut aus. Die Landes- und Regionalverbände favorisieren mit breiter Mehrheit den zweiten Kandidaten: Bernd Neuendorf, Präsident des Fußballverbands Mittelrhein. Für Peters und sein Team um Silke Sinning bleibt nur dafür zu werben, dass sich jedes stimmberechtigte Mitglied selbst ein Bild macht.
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"Ein demokratischer Prozess besteht daraus, dass man sich die Menschen anschaut, mit Ihnen diskutiert und dass man individuell entscheiden darf und dass man sich keinem Zwang aussetzen muss, ob man nun aus dem oder dem Landesverband kommt oder den oder den Präsidenten hat.“

Geheime Wahl soll für Changengleichheit sorgen

Deshalb fordert Sinning auch eine geheime Abstimmung auf dem Bundestag mit Gerät oder Wahlzettel und nicht öffentlich mit Stimmkarte. Es werde eine Richtungsentscheidung, sagt sie. Favorit Bernd Neuendorf wird öffentlich bereits kritisiert, weil er den inzwischen massiv in die Kritik geratenen zweiten Interimschef Rainer Koch weiter dabei haben möchte. Aber Silke Sinning findet, auch er müsse jetzt die Chance bekommen, ohne Vorverurteilung "sein Programm vorzustellen und deutlich zu machen, mit wem er zusammenarbeiten will, ob für ihn Rainer Koch ein wichtiger Verbündeter ist, wie er sich das vorstellt."
Sowohl Neuendorf und Peters werben in ihren Programmen, die beide dem Deutschlandfunk vorliegen, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Diese zurückzugewinnen ist die wichtigste Aufgabe für den neuen DFB-Chef nach den kurzen Amtszeiten und Rücktritten der letzten Präsidenten Niersbach, Grindel und Keller. Vor allem die großen in der Öffentlichkeit bekannten Krisen, die Steuerrazzien und noch mehr die Affäre um die möglicherweise gekaufte Heim-WM 2006 müssen aufgearbeitet werden.
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"Dann muss man aber auch in der Konsequenz sagen, das machen wir auch transparent, selbst wenn man das nicht bis ins kleinste Detail alles nachträglich aufdecken. Aber man muss es glaubwürdig, offen und mit Transparenz zur Verfügung stellen."

Sinning will keine Quoten-Frau im Team Peters sein

Und bisher sei der Umgang im DFB alles andere als transparent gewesen, beklagt Sinning. Zum Präsidium und das schon seit vielen Jahren gehört aber auch Peter Peters. Warum sollte gerade er für einen Neuanfang stehen? "Das ist eine gute Frage und das war auch eine meiner ersten Fragen an Peter selbst."
Er habe ihr dann geantwortet, dass er vieles versucht habe anzustoßen und zu kritisieren, dafür aber häufig auch keine Mehrheiten gefunden habe im Präsidium. Im Sportgespräch macht Silke Sinning auch klar, dass sie auf keinen Fall nur als Quotenfrau ins Team Peters gegangen sei, sie wolle mitdiskutieren und etwas bewegen im DFB. Frauen in Führungspositionen sucht man fast vergeblich. Kein Landesverband wird von einer Frau geführt, im Präsidium sitzt von 18 Personen nur eine Frau.

"Es gibt sachlich und fachlich genügend Frauen, die mitarbeiten können"

"Es gibt sachlich und fachlich genügend Frauen, die in bestimmten Positionen mitarbeiten können, sei es im Präsidium, sei es irgendwo im wirtschaftlichen Bereich." Deshalb ist Sinning auch der im Frühling von mehreren prominenten Frauen gegründeten Initiative „Fußball kann mehr“ dankbar, dass Diversität präsenter werde und man darüber diskutiert.
Angesprochen auf die Frage, ob Frauen beim DFB schlicht nicht gewollt sind, sagte sie: "Es ist nicht gewollt, wenn Sie das jetzt so sagen. Oder vielleicht besser: es scheint so, als wäre es nicht gewollt, als wäre die Zeit noch nicht reif."

"Wir Frauen sind doch auch kompetent"

Und deshalb müsse der DFB neben den Glaubwürdigkeitsproblemen auch ernsthaft Gleichstellung, Diversität und Nachhaltigkeit angehen. Mit Konzeptpapieren, Kommissionen und Leadership-Schulungen für Frauen sei es nicht getan. "Wir Frauen, wir sind doch auch kompetent. Wir müssen doch nicht immer erst geschult werden im Ehrenamt, um dann ein Ehrenamt oder ein wirtschaftliches Amt zu übernehmen. Wir können das!"