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StartseiteSonntagsspaziergangDurch Naturschutzgebiet und Nebelwald hinauf zum Vulkan07.01.2018

Die Insel Ometepe am NicaraguaseeDurch Naturschutzgebiet und Nebelwald hinauf zum Vulkan

Zwischen saftig grünen Landschaften und antike Keramikscherben im Boden: Ometepe ist nicht nur ein Ort inmitten von Geschichte und der Schönheit der Natur sondern auch ein ganz besonderer Ort für Vulkanwanderer und Ruhesuchende.

Von Erika Harzer

Fährhafen Moyogalpa auf der Insel Ometepe mit dem Vulkan Concepcion, Nicaragua-See (Lago Cocibolca), Nicaragua, Mittelamerika Copyright: imageBROKER/OliverxGerhard ibloge04537315.jpg Ferry port Moyogalpa on the Island Ometepe with the Volcano Concepcion Nicaragua Lake Lago Cocibolca Nicaragua Central America Copyright image broker OliverxGerhard ibloge04537315 JPG Bitte beachten Sie die gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Urheberrechtes hinsichtlich der Namensnennung des Fotografen im direkten Umfeld der Veröffentlichung! (imago stock&people)
Fährhafen Moyogalpa auf der Insel Ometepe mit dem Vulkan Concepcion Nicaragua See Lago Cocibolca (imago stock&people)
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Wir sind in Nicaragua unterwegs, dem Land der tausend Vulkane. Das es in Wirklichkeit nur um die 40 sind, ist eigentlich egal. Jeder einzelne dieser zum Teil noch aktiven Vulkane beeindruckt uns in seiner Schönheit.

Zwei dieser Vulkane haben wir uns als Ziel auserkoren. Sie ragen aus dem Lago Cocibolca, dem Nicaraguasee, mit ihren Spitzen gen Himmel. Der Concepción mit 1.610 Metern ist noch immer aktiv und zuletzt 2010 ausgebrochen. Der mit knapp 1.400 Metern etwas kleinere Vulkan Maderas ist schon vor langer Zeit erloschen. Es sind die Vulkane der Insel Ometepe. In Nahuatl, der Sprache der Ureinwohner, heißt Ome Tepetl: zwei Berge.

Eine schmale Landbrücke hat die beiden Vulkane zu einer Insel verbunden. Diese landschaftliche Perle gilt als größte Vulkaninsel innerhalb eines Süßwassersees weltweit und wurde 2010 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. 

Am Hafen von Moyogalpa, einer der großen Städte der Insel, herrscht viel Trubel, wenn die Fähre anlegt. Vollbeladene Laster mit Tabak oder Kochbananen warten auf ihren Platz auf der Fähre zum Festland. Wir treffen uns mit Cipriano Quiroga, der uns zur Punta Jesus Maria bringt. Eine sich weit in den See hinausziehende schmale Sandbank. In Trockenzeiten misst sie mehr als einen Kilometer, erzählt Cipriano.

Maderas als heiliger Platz der Sonne

Beidseitig umspült von den Wellen des Nicaraguasees, wächst in uns das Gefühl, direkt auf dem Wasser zu laufen. Die Aussicht ist fantastisch, sowohl Richtung Festland, wie auch auf beide Vulkane. Cipriano erzählt uns, dass Ometepe als verheißenes Land der ehemaligen indianischen Bevölkerung gegolten habe. Sie sahen den Maderas als heiligen Platz der Sonne und den Concepción als Bruder des Mondes. Und er erzählt uns weitere Legenden, die sich um den Sandstreifen, aber auch um die Vulkane ranken.

"Diesen Weg nahmen die Indios mit den Prinzessinnen, die sie lebend in den Vulkan warfen, um ihn zu beruhigen, wenn er Feuer spukte. Entlang des Weges findest du viele antike Keramikscherben. Diese Spitze ist dem Festland am nächsten und die Indios kamen hier auf der Insel an", erzählt Cipriano.

Das laute Plätschern der Wellen trägt Ciprianos unsägliche Legende mit sich fort und auch wenn es in der von ihm erzählten Form eher Produkt der fantasievollen Überlieferungen späterer Generationen ist, so hallt die Essenz der Geschichte doch in uns nach. Die Frau als Opfergabe der Mächtigen hat auch in der jüngsten Geschichte des Landes eine Rolle gespielt, als, um an die Macht zu kommen, die jetzige Regierungspartei einem Gesetz des absoluten Schwangerschaftsabbruches zustimmte.

Ometepe ist auch bekannt für seine Petroglyphen, der in Stein gemeißelten Bilder aus der präkolumbianischen Geschichte der Insel. Überall auf der Insel sind sie zu finden. Felskunst spielte in der Geschichte der Insel eine große Rolle.

Kochbananen, Tabak, Wassermelonen 

Mit einem gemieteten Roller erkunden wir die Insel, deren Bewohner hauptsächlich von Landwirtschaft leben. Kochbananen, aber auch Tabak und Wassermelonen wachsen auf den von der Vulkanasche gut gedüngten Böden. Auch Viehzucht ist eine Einnahmequelle und plötzlich müssen wir mit dem Roller an den Straßenrand, um einer vorbeiziehenden Herde auszuweichen.

Der Hütehund streitet sich noch ein wenig mit den Brüllaffen, bevor er seiner Herde folgt. 

Von der Hauptverbindungsstraße von West nach Ost sehen wir in einer offenen Scheune Frauen Tabakblätter auffädeln. Wir halten an, wollen mehr von dieser Arbeit erfahren. Der Tabakbauer Juan Hernandez lädt uns ein, auf seine Finca zu kommen. 

Er sei Tabakproduzent und beschäftige mehr als 20 Leute, erzählt er. Tabak und Kochbananen baue er auf Ometepe an.  

In einer offenen Scheune fädeln auf dem Boden sitzende Frauen die saftig grünen Tabakblättern auf lange Schnüre, die dann später, in der Scheune zum Trocknen aufgehangen werden. Es riecht gut, auch für uns als Nichtrauchende. 

Insgesamt braucht der Tabak 22 Tage zum Trocknen. Danach liefert Juan Hernandez die Blätter in die Zigarrenfabrik. Es ist das Rohmaterial für die bekannten Zigarren aus Nicaragua.

Nicht ganz glücklich mit der Tourismusentwicklung

Ob er auch raucht, fragen wir ihn? Nein, nein, er rauche nicht, antwortet Juan Hernandez, er baue lediglich an. Der 66-Jährige liebt seine Insel über alles. Den Betrieb wird sein ältester Sohn übernehmen, der heute 36-jährige Roger. 

Roger verdient neben der Arbeit auf der Finca als Tourismusführer noch etwas Geld dazu. Doch ganz glücklich ist er mit der Tourismusentwicklung nicht. 

"Fast alle der vielen neuen Betriebe gehören Ausländern. Die Einheimischen haben das Nachsehen. Ihre wirtschaftliche Lage wird schwieriger. Sie bekommen selten Kredite und können nicht mit den Ausländern konkurrieren. Von hundert neuen Geschäften gehören zwischen 90 und 95 Ausländern."

Noch eine weitere Geschichte macht Roger Hernández Sorge. Als Konkurrenz zum Panamakanal plant Präsident Ortega gemeinsam mit einem chinesischen Hauptinvestor eine künstliche Wasserstraße quer durch Nicaragua hindurch. Knapp 300 Kilometer lang, vom Atlantik zum Pazifik und bis zu 530 Meter breit. Quer durch den Regenwald und Feuchtgebiete und den Nicaraguasee. Für Umweltschützer eine unfassbare Zerstörung.

Ein obskures Gesetz

Ob der Kanal jemals gebaut wird, bleibt jedoch die große Frage. Nach anfänglichen Paukenschlägen und der Verabschiedung des Kanalgesetzes wurde es erstmal wieder ruhig. Doch Roger Hernandez kann der Sache auch in diesem Zustand nichts Gutes abgewinnen:

"Ich glaube nicht an den Bau. Aber das Gesetz ist gültig und ich gehe davon aus, dass sie damit enteignen werden. Es ist ein obskures Gesetz und keiner kannte es, als es verabschiedet wurde. Nun ist es zu spät und es kann nicht geändert werden. Mit diesem Gesetz kann nun jeder Investor kommen und dir sagen: Für mein Projekt brauche ich dein Land. Hier ist mein Angebot. Wenn Du nicht mitspielst, wirst du enteignet."

Das Gesetz schütze die Investoren, erzählt Hernández weiter, die lokale Bevölkerung sei dagegen schutzlos.

Wir fahren weiter Richtung Balgüe, wollen zur Finca Magdalena, die wie etliche andere alte Bauernhöfe auf nachhaltigen Öko-Tourismus setzt. Sie liegt am Fuße des Maderas Vulkans und über einen holprigen Feldweg.

Inmitten saftig grüner Landschaft erreichen wir den alten Bauernhof. Hier finden Vulkanwanderer rustikale Unterkünfte. Einfache Zimmer, Schlafsäle oder Zeltplatz. Ohne großen Komfort wird auf der überdachten Terrasse gute Hausmannskost serviert. Von hier aus führt ein Wanderweg vorbei an Kaffeeplantagen, durch Naturschutzgebiet und Nebelwald hinauf zum Vulkan und seinem Kratersee.

Zertifizierter Biokaffee ist die Haupteinnahmequelle der Finca. Doch durch ihre abgeschiedene Lage und das Angebot wächst auch der Ökotourismus. Mit ihrer Ruhe, dem traumhaften Blick auf die Vulkane und den See und die vielen zu beobachtenden Tiere lockt die Finca immer mehr Gäste an, vor allem auch junge Menschen. Sie besteigen von dort aus den Maderas und baden in dessen Kratersee. Wegen der tropischen Hitze ist diese Tour nicht einfach. 

Doch auch ohne Vulkantour ist die Finca eine Oase der Erholung, wie so viele Plätze auf dieser Vulkaninsel inmitten des Nicaraguasees.

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