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StartseiteTag für Tag"Da gab es auf Facebook Todesdrohungen gegen Erzbischof Schick"10.11.2016

Die Kirchen und die AfD"Da gab es auf Facebook Todesdrohungen gegen Erzbischof Schick"

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick würde einen demokratisch gewählten islamischen Bundespräsidenten akzeptieren. Für diese Aussage wurde er auf der Facebook-Seite der AfD heftig attackiert. Als "Gegner von rechtspopulistischen Thesen" sei er für die Rechten eine Hassfigur, erklärte der bayerische Landeskorrespondent Michael Watzke im DLF.

Michael Watzke im Gespräch mit Gerald Beyrodt

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick  (dpa)
Ein ausgesprochener Gegner von rechtspopulistischen und rassistischen Thesen: Bambergs Erzbischof Ludwig Schick (dpa)
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Gerald Beyrodt: Michael Watzke, unser Landeskorrespondent in Bayern, dass man einen demokratisch gewählten Präsidenten akzeptieren muss, egal welcher Religion er angehört - das hört sich nicht sehr revolutionär an. Worüber regt sich die AfD so auf?

Michael Watzke: Nun, also wenn Sie das behauptet hätte, die AfD, was tatsächlich passiert ist. Sie haben es ja schon beschrieben, was Schick tatsächlich gesagt hätte. Dann wäre es auch kein Aufreger gewesen. Deshalb hat die AfD in einem Posting das Ganze dramatisiert. Sie hat den Eindruck erweckt, als habe Erzbischof Ludwig Schick tatsächlich geradezu gefordert, dass der nächste Bundespräsident muslimisch sein müsse.

Sie hat dann auch noch einen Stempel auf dieses Posting gemacht mit dem Ausdruck Halal, als hätte er sozusagen ein islamisches Gütesiegel. Das ist natürlich eine Verzerrung. Über diese Verzerrung hat sich das Erzbistum Bamberg aufgeregt, Pressesprecher Harry Luck dazu:

"Den Clown erschießen - das sind zum Teil sehr drastische Äußerungen, wo zum Teil auch aufgerufen wird, in Deutschland den Schalter umzulegen. Und man werde dann gründlich sein. Das sind schon Äußerungen, wo wir sagen, das geht über die übliche Shitstorm-Hetze, die man aushalten muss, hinaus."

Bei der Frage, warum die AfD sich so aufregt und über was genau, da muss man, glaube ich, ein bisschen in die Geschichte schauen. Zwischen AfD und Ludwig Schick - das hat schon 2014 angefangen. Das gab es auf Facebook und in gefälschten Emails Todesdrohungen gegen Ludwig Schick. Er habe nämlich damals angeblich gesagt, wer bei Pegida mitmacht, den erwarte das Höllenfeuer. Stimmte so auch nicht.

Aber Ludwig Schick ist ein ausgesprochener Gegner von rechtspopulistischen und rassistischen Thesen. Und damit hat ihn die AfD und andere Rechtskonservative oder eben auch rechtsextreme Parteien wie die NPD, die haben ihn dafür auf dem Kieker.

Beyrodt: Das heißt, er ist noch mal sehr viel stärker als andere Kirchenleute für die Rechten eine Hassfigur eigentlich?

Watzke: Das kann man sagen. Richtig.

"Die Schreiber solcher Postings ausfinding machen" 

Beyrodt: Das Erzbistum möchte ja auch strafrechtlich gegen die Verfasser von Hasskommentaren vorgehen - gegen die Verfasser dieser Hasskommentare. Wie aussichtsreich ist das?

Watzke: Wenn man sich mal anschaut, dass vorgestern erst das Amtsgericht Ebersberg einen 74 Jahre alten Mann zu zehn Monaten Haftstrafe auf Bewährung verurteilt hat, weil der Todesdrohungen an einen Pfarrer aus Zorneding in Bayern verschickt hatte, einen Pfarrer, der aus dem Kongo stammt, dann sieht man, das kann durchaus auch erfolgversprechend sein, wenn man denn die Macher oder die Schreiber solcher Postings ausfindig machen kann.

Beyrodt: Das ist ja wohl doch ein Problem bei Facebook auch, oder?

Watzke: Das ist ein Problem. Die Staatsanwaltschaft in Bamberg hat sich dieses Problems angenommen. Sie hat Facebook angeschrieben und will das herausfinden. Wenn die da erfolgreich ist, dann ist durchaus möglich, dass sich hier das Erzbistum durchsetzt, das mit der Klage gedroht hat, sie allerdings bis jetzt noch nicht umgesetzt hat. Harry Luck, der Pressesprecher von Ludwig Schick, sagt, dass zumindest die AfD sich schon mal bewegt habe:

"Wir haben die schlimmsten Postings, die besagte Todesdrohungen enthalten, gefordert, dass sie entfernt werden. Und das ist bei der AfD auf der Bundesseite auch passiert."

Allerdings dieses Posting mit der Behauptung des Erzbischofs, dass er den muslimischen Bundespräsidenten geradezu gefordert habe, das blieb auf der Homepage der AfD in Bamberg viele Tage drauf und ist erst jetzt entfernt worden.

"In der CSU hat Schick tatsächlich viele Unterstützer"

Beyrodt: Wie sieht es denn aus mit Unterstützern? Gibt es in der Kirche und in der Politik Menschen, die hinter Bischof Schick stehen?

Watzke: Ich glaube, man muss es anders sagen. Ich kenne niemanden, der gegen ihn steht in der Kirche und auch in kirchennahen Kreisen. In der CSU beispielsweise, wenn man mit Alois Glück spricht oder anderen katholischen oder evangelischen Christen in der CSU, dann hat er da Unterstützung. Und die CSU ist ja auch keine Partei, die mit den Kirchen immer perfekt zusammenarbeitet und klar kommt. Aber ich glaube, da hat Ludwig Schick tatsächlich viele Unterstützer.

Beyrodt: Und das, obwohl er auch schon Äußerungen von CSU-Politikern zur Flüchtlingspolitik kritisiert hat.

Watzke: Ja, natürlich. Und die CSU hat auch Schick schon mal dafür kritisiert, dass er sich zu sehr einmischt. Aber wenn es um solche Todesdrohungen geht oder wenn es darum geht, dass er grundsätzlich ein rechtstaatliches Verhalten einfordert und ein nicht rassistisches Verhalten, dann - glaube ich - widerspricht ihm niemand, nicht in der CSU und auch in keinen anderen Kreisen.

"AfD und die Kirchen werden nie wirklich miteinander klarkommen"

Beyrodt: Die katholische Kirche hatte ja die AfD beim Katholikentag ziemlich klar ausgeladen und die evangelische Kirche möchte die AfD beim Kirchentag im nächsten Jahr auch nicht so richtig dabei haben. Heißt das, das ist eigentlich ein Konflikt zwischen Kirchen und Rechtspopulisten, der jetzt weit über Bischof Schick hinausgeht?

Watzke: Ja, das kann man sagen. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich diese beiden Seiten aneinander reiben. Das müssen sie. Die Kirche kann mit den Positionen der AfD, zumindest mit diesen Positionen, die eindeutig über demokratische Richtlinien hinausgehen, nichts anfangen. Es gibt auch Probleme zwischen CSU und den Kirchen, manchmal auch zwischen CDU und Kirchen. Aber das ist schon noch eine andere Qualität, denn in der CSU und auch in der CDU gibt es eben viele kirchlich engagierte Menschen.

Ich habe darüber vor Kurzem erst mit Alois Glück von der CSU gesprochen. Er sagt, das nimmt auch in der CSU oder auch in der CDU ab, aber da gibt es noch Menschen, die kirchlich engagiert sind. Das ist bei der AfD so gut wie nicht mehr der Fall. Deswegen werden diese beiden Seiten, AfD, später weiter rechts auch noch NPD und die Kirchen miteinander nie wirklich richtig klarkommen.

Beyrodt: Bislang sind die Kirchen ja daran gewöhnt, Volkskirche zu sein und sich eher allgemein in die Politik einzumischen. Und von der Politik werden sie gemeinhin auch recht freundlich behandelt. Herr Watzke, jetzt gibt es Morddrohungen. Wie gut sind die Kirchen darauf vorbereitet, mit so harten Bandagen angefasst zu werden?

Watzke: Nicht gut. Denn die katholische und auch die evangelische Kirche kann nicht mit denselben Mitteln zurückschlagen, mit denen die AfD sich auseinandersetzt. Das ist halt schwierig für die Kirchen.

Beyrodt: Müssen wir uns also darauf einstellen, dass der Konflikt Kirchen versus AfD ein Dauerbrenner wird?

Watzke: Das muss man, ja.

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