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StartseiteCampus & KarriereDie Schummel-Königin der Diplom-Fabrik10.05.2012

Die Schummel-Königin der Diplom-Fabrik

Rumänische Hochschulrektorin in der Kritik

Corina Dumitrescu war als neue rumänische Bildungsministerin designiert, bekommen hat sie den Posten jedoch nicht. Der Grund: Der Rektorin der privaten Dimtri-Cantemir-Universität wird unter anderem vorgeworfen, Diplome gegen Geld zu vergeben.

Von Thomas Wagner

Das rumänische Hochschulsystem steht in der Kritik.  (AP)
Das rumänische Hochschulsystem steht in der Kritik. (AP)

"Also zunächst einmal muss gesagt werden, dass die Dame Rektorin einer privaten Hochschule ist, die in den vergangenen Jahren immer wieder kritisiert und abgestempelt wurde als eine Art Diplomfabrik, wo man sich eben das Diplom erkaufen konnte. Und die Dame ist Rektorin dieser privaten Universität."

Die Dame - damit meint Dan Caramidariu, Jurastudent an der West-Universität Temeswar, die designierte Bildungsministerin Corina Dumitrescu, Rektorin der privaten rumänischen Universität Dimtri Cantemir. Und die steht in dem Ruf, Diplome eher gegen Cash denn gegen profunde wissenschaftliche Leistungen auszugeben. Rumänische Medien berichten regelmäßig darüber.

Dass ausgerechnet die Rektorin einer solchen Hochschule Bildungsministerin werden soll, schlägt nicht nur nach Ansicht von Dan Caramidariu dem Fass den Boden aus. 20 rumänische Hochschulprofessoren haben sich in einem offenen Brief gegen die Berufung der 48-jährigen Rechtswissenschaftlerin ausgesprochen. Dass die einer sogenannten Diplom-Fabrik als Rektorin vorsteht, ist dabei nur einer von mehreren Vorwürfen: Ihr Lebenslauf, den sie selbst im Internet veröffentlichte, strotze nur so vor Rechtschreibfehlern - nicht eben die beste Qualifikation für eine Bildungsministerin.

Vor allem aber stößt die Behauptung auf Widerspruch, einen akademischen Abschluss an der renommierten US-amerikanischen Standford-University in Internationalem Recht gemacht zu haben. Zu dumm nur, dass ihr das einige Journalisten partout nicht glauben wollten.

"In einer Talkshow eines rumänischen Privatsenders hat der Moderator in Amerika an der Standford-Universität angerufen. Und die Person, mit der er dort gesprochen hat, teilt mit, in den Papieren der Universität taucht der Name dieser Universität nicht auf","

erinnert sich Dan Caramidariu an jene turbulente Fernsehsendung in den vergangenen Tagen, die für die designierte Bildungsministerin so etwas wie die 'totale Enttarnung' bedeutete. Dann wenig später dementierte die Stanford-University auch noch schriftlich, dass der Name Corina Dumitrescu jemals in den Absolventenlisten aufgetaucht sei.

Doch damit nicht genug: Die betroffene Hochschulrektorin mit Ministerambitionen sieht sich zusätzlich auch noch mit massiven Plagiatsvorwürfen konfrontiert - und das bereits seit Jahren. Ein renommierter Bukarester Professor der Rechtswissenschaften wirft ihr vor, Teile eines von ihm verfassten Buchs in ihren eigenen Veröffentlichungen übernommen zu haben, ohne Quellenangabe, immerhin aber in korrekter Rechtschreibung - der Plagiatsklassiker mit rumänischem Einschlag. Studierende wie Dan Caramidariu sind fassungslos.

""In erster Linie möchte ich sagen, dass das eine grobe Peinlichkeit der Regierungskoalition war und des designierten Premierministers, eine solche Person für dieses Amt aufzustellen."

Denn die Schlagzeilen dieser Tage werfen ein schräges Licht auf das rumänische Hochschulsystem insgesamt. Und daran leiden Studierende wie Dan Caramidariu, die auf ehrlichem Weg zu ihrem Abschluss kommen wollen, so ganz ohne Copy and Paste und ohne Bakschisch. Allerdings: Die meisten können sich über den jüngsten Skandal schon nicht mehr aufregen. Marius und Bogdan, zwei Informatikstudierende:

"Die eigentliche Überraschung ist, dass wir überhaupt von diesem Skandal erfahren. Solche Geschichten ereignen sich bei uns ja sehr häufig. Und meistens kriegen wir überhaupt nichts davon mit." - "Ja, und solche Schummeleien ereignen sich täglich. Daran sind wir mittlerweile gewöhnt."

Dan Caramidariu kann das nur bestätigen: Gerade wenn es um das unrechtmäßige Kopieren von ganzen Textsegmenten gehe, fehle es im rumänischen Wissenschaftsbetrieb an Unrechtsbewusstsein.

"Niemand in diesem Land hat es geschafft, das Bildungsministerium plagt sich damit seit Jahren, klare Kriterien und klare Möglichkeiten aufzuzeigen, um von Anfang an solchen Plagiaten vorzubeugen. In einem Fach wie Jura - das kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Man benutzt eine Quelle, zitiert sie ganz gerecht und so, wie sich das auch gehört, und findet dann später andere Bücher, andere Lehrwerke, wo genau dasselbe steht. Und dann fragt man sich: Wer hat von wem abgeschrieben?"

Immerhin: Für die designierte rumänische Bildungsministerin Corina Dumitescu haben sich Abschreiben und offenkundige Falschangaben im Lebenslauf nicht ausgezahlt. In letzter Minute vor der Präsentation seines neuen Kabinetts hat Ministerpräsident Victor Ponta die umstrittene Kandidatin von seiner Ministerliste gestrichen - und durch den 54-jährigen Ion Mang ersetzt, Professor für Ingenieurwissenschaften an der Universität Oradea.

Ende gut, alles gut? Mang ist gerade mal drei Tage im Amt - und schon liegen auch gegen ihn die ersten Plagiatsvorwürfe vor: Die Tageszeitung "Romania libera" will ihm nachgewiesen haben, dass er zwei Fachartikel nahezu wörtlich bei japanischen Kollegen abgekupfert haben soll.

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