
Die niedersächsische Kultusministerin Hamburg teilte dem "Spiegel" mit, der Bildungsanspruch werde durch die Maßnahme nicht gesenkt, sondern - im Gegenteil - durch eine "didaktische zeitliche Verschiebung" sogar "qualitativ erhöht". Die Grünen-Politikerin betonte, in der weiterführenden Schule stehe die schriftliche Division weiterhin auf dem Lehrplan. Das Ministerium erklärte dem Magazin zufolge, wenn das schriftliche Dividieren zu früh gelehrt werde, bestehe die Gefahr, dass Kinder nicht verstünden, was sie tun, und das Gelernte schnell wieder vergäßen.
Landeselternrat dafür, Schulleitungen skeptisch
Der Landeselternrat unterstützt das Vorgehen laut "Spiegel". Kritik komme aber vom niedersächsischen Schulleitungsverband. Dessen Vorständin Tank wird mit den Worten zitiert, einige Grundschullehrer seien angesichts des geringen Zahlenverständnisses vieler Schüler zum Zeitpunkt der Einschulung skeptisch, ob es sinnvoll sei, ausgerechnet das schriftliche Dividieren vom Lehrplan zu streichen. Ihr Kollege Brandes ergänzte, das "stark regelgeleitete Verfahren" der schriftlichen Division stelle für Kinder, die sonst im Mathematikunterricht eher Probleme hätten, häufig ein Erfolgserlebnis dar.
"Die kognitive Entwicklung verflacht"
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Düll, warnte in der "Bild"-Zeitung, der Schritt in Niedersachsen könne sich auf der weiterführenden Schule rächen. Zum einen stehe das schriftliche Dividieren dort wieder auf dem Lehrplan, zum anderen würden Problemlösungskompetenzen verlangt, die "in den Grundschulen nun noch einmal weniger geübt werden".
Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Lin-Klitzing, erklärte: "Das ist der falsche Weg." Allein durch das Untereinanderschreiben beim schriftlichen Dividieren erlernten Kinder sauberes, formales Arbeiten. "Leistungsstarke Schüler werden vorsätzlich um Kompetenzerlebnisse gebracht, die kognitive Entwicklung verflacht", kritisierte Lin-Klitzing.
Nur noch "halbschriftlich" dividieren
In Niedersachsen sollen Grundschüler, die zum Schuljahr 2026/2027 eingeschult werden, kein schriftliches Dividieren mehr lernen. Stattdessen soll eine "halbschriftliche" Methode gelehrt werden. Dabei werden größere Zahlen zunächst in leichter zu teilende Schritte zerlegt. Die Ergebnisse werden anschließend addiert.
Diese Nachricht wurde am 12.01.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.



