Kommentar zum EinreisestreitNur ein Pyrrhussieg für Djokovic

Novak Djokovic darf vorerst in Australien bleiben. Das hat ein Gericht entschieden. Der Tennis-Profi trainiert bereits wieder. Das Hickhack um seine Einreise hat bei vielen aber das Bild eines sportlich erfolgreichen, aber verantwortungslosen Unsympathen verfestigt, kommentiert Maximilian Rieger.

Ein Kommentar von Maximilian Rieger | 10.01.2022

Das Bild zeigt den Tennis-Profi Novak Djokovic. Er schlägt eine Rückhand
Das ist der Tennis-Profi Novak Djokovic. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS)
Wäre der Fall Djokovic ein Theaterstück, es wäre eine griechische Tragikomödie. In der Hauptrolle einer der besten Tennisspieler der Welt, der gegen eine bürokratische Hydra, einen vielköpfigen Regierungsapparat, kämpft, daran scheitert, bis ihn ein heldenhaftes Team von Anwälten doch ans Ziel führt – und der am Ende trotzdem irgendwie verliert.

Vernunft ist keine Tugend, die Djokovic auszeichnet

Dieses Theaterstück wäre natürlich nie zur Aufführung gebracht worden, wenn Djokovic das getan hätte, was praktisch alle anderen Spieler gemacht haben: sich impfen lassen. Aber Djokovic glaubt auch, mit Gedanken Wasser von Gift befreien zu können, und er trinkt Kaffee mit serbischen Politikern, die den Völkermord von Srebrenica leugnen. Vernunft ist also keine Tugend, die Djokovic auszeichnet. Und deswegen hat er eben versucht, nicht vollständig geimpft nach Australien einzureisen.

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Auftritt australische Regierung. Deren Haltung: Nur geimpfte Personen sollen einreisen dürfen. Eine Corona-Infektion in den vergangenen sechs Monaten reicht nicht. Das schreibt der Gesundheitsminister im November an den Veranstalter.
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Ein anderer Kopf der Regierungs-Hydra schreibt aber, dass eine Infektion sehr wohl ausreicht, um eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen. Und so eine Ausnahmegenehmigung bekommt Djokovic dann auch, nachdem zwei Kommissionen, darunter eine vom Bundesstaat Victoria, seine Angaben überprüft haben.

Die eigenen Regeln nicht richtig kommuniziert

Dass Djokovic da glaubt, auch ins Land zu dürfen, dass kann man ihm schwer vorwerfen. Es ist ein Versäumnis der australischen Behörden, die eigenen Regeln nicht richtig kommunizieren zu können. Und auch Veranstalter Tennis Australia hat offenbar irgendwann aufgehört, zu versuchen, die Widersprüche aufzuklären – und ist stattdessen von der günstigeren Option ausgegangen, dass die Nummer 1 der Welt schon irgendwie ins Land gelassen wird.

Gut, dass Gericht Entscheidung korrigiert hat

Vielleicht hätte es die Regierung angesichts der unklaren Regeln sogar schaffen können, Djokovic an der Einreise zu hindern. Wenn die Grenzbeamten im nächsten Akt nicht auch noch Verfahrensfehler begangen hätten: Djokovic erst zu sagen, er habe bis 8:30 Uhr Zeit, weitere Belege zu organisieren, dann aber schon um kurz nach 6:00 Uhr das Verfahren zu beenden – das ist behördliche Willkür, und es ist gut, dass ein Gericht diese Entscheidung der Exekutive korrigiert hat.

Djokovic darf sich wieder als Held fühlen

Am Ende darf sich Djokovic also wie ein Held fühlen, der eine Schlacht gewonnen hat – und genauso wird er in Serbien auch gerade gefeiert. Obwohl sich der Weltranglisten-Erste in den Tagen nach seinem positiven Corona-Test nicht in Quarantäne begibt, sondern ohne Mundschutz diverse öffentliche Termine absolviert, unter anderem mit Dutzenden Kindern.

Sportlich erfolgreich, aber verantwortunglos

Und so hat Djokovic nur einen Pyrrhussieg errungen. Denn selbst, wenn er jetzt in Australien seinen 21. Grand-Slam-Titel holen und er damit an Rafael Nadal und Roger Federer vorbeiziehen sollte, – bei vielen hat sich völlig zurecht ein Bild von Djokovic verfestigt: das Bild eines sportlich erfolgreichen, aber verantwortungslosen Unsympathen.