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StartseiteForschung aktuell"Über 270 Kilogramm Gemüse"15.01.2019

DLR-Gewächshaus in der Antarktis"Über 270 Kilogramm Gemüse"

Ein Jahr lang hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der Antarktis ein Gewächshaus betrieben, um Erkenntnisse für eine Gemüsezucht im All zu gewinnen. Die meisten Pflanzen wuchsen gut, aber es gab technische Probleme, sagte Paul Zabel im Dlf, der das Experiment vor Ort betreute.

Paul Zabel im Gespräch mit Lennart Pyritz

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Die Pflanzen in der EDEN-ISS wachsen ohne Erde in Substrat-Containern mit geschlossenem Wasserkreislauf. (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) )
DLR-Ingenieur Paul Zabel präsentiert den ersten geernteten Antarktis-Salat. (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) )
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Lennart Pyritz: Aus Großbritannien in eine Weltregion, in der es so gut wie keine Bestäuber oder Pflanzen gibt – die Antarktis. Mitten in der Eiswüste, in der Nähe der Polarstation Neumayer III grünte es allerdings im vergangenen Jahr: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat dort versuchsweise ein Gewächshaus betrieben, um letztendlich Informationen für eine künftige Gemüsezucht auf Mond und Mars zu gewinnen. Zuständiger Gärtner vor Ort war der Luft- und Raumfahrtingenieur Paul Zabel, der nach einem Jahr in der Antarktis gerade nach Deutschland zurückgekehrt ist. Ich habe vorhin mit ihm telefoniert und gefragt, ob es nach einem Jahr im ewigen Eis nicht schöner gewesen wäre, hier im Sommer zu landen?

Paul Zabel: Ja, das wäre sicherlich besser gewesen, hier im Sommer anzukommen. Allerdings ist es auch schön, so ein bisschen Regen zu fühlen auf der Haut und im Gesicht. Das hatte ich ja in der Antarktis auch eine Weile nicht.

"Die Wurzeln hängen in der Luft"

Pyritz: Sie waren ja wie gesagt ein Jahr in der Antarktis, haben dort Paprika, Gurken, Tomaten, Salat, Kräuter im sogenannten Eden-ISS-Gewächshaus herangepäppelt. Nur kurz, wie funktioniert dieses Gewächshaus, und wie sah ein typischer Arbeitstag für Sie dort aus?

Zabel: Unser Gewächshaus in der Antarktis sieht erst mal gar nicht aus wie ein normales Gewächshaus, denn die Pflanzen wachsen bei uns in zwei umgebauten Schiffscontainern, komplett unabhängig von den äußeren Umweltbedingungen. Das heißt, wir versorgen die Pflanzen mit künstlichem Licht aus LED-Lampen. Die Pflanzen stehen nicht in Erde, sondern die Wurzeln hängen in der Luft und werden regelmäßig mit Wasser und Nährstoffen angesprüht. Und wir können natürlich auch komplett das ganze Klima in dem Gewächshaus steuern.

"Nach dem Mittagessen zum Gewächshaus"

Pyritz: Vielleicht können Sie gleich anschließen sozusagen, wie dann Ihr Arbeitsalltag tatsächlich aussah. Sie sind dann immer rübergestapft von der Neumeyer-Station zu diesen Containern?

Zabel: Genau. Mein Arbeitsalltag war quasi so: Ich war vormittags im Labor in der Station und habe dort Aufgaben erledigt, und bin dann nach dem Mittagessen zum Gewächshaus gegangen, das 400 Meter entfernt von der Station steht, und habe dann den ganzen Nachmittag quasi im Gewächshaus gearbeitet und Pflanzen ausgesät, oder habe [...] geerntet und eben auch unsere Experimente durchgeführt.

Pyritz: Wenn man jetzt ein vorläufiges Fazit nach diesem Jahr zieht, erst mal, wie groß war die Ernte? Was haben Sie alles geerntet und wie viel.

Zabel: Ich habe über 270 Kilogramm Gemüse insgesamt geerntet. Der Großteil davon waren Salate und Blattgemüse, gefolgt dann von Gurken und Tomaten.

"Keine Früchte bei den Erdbeeren"

Pyritz: Auch ein Teil des Fazits: An welchen Stellen gab es denn noch Probleme mit dem Gewächshausbetrieb, die Sie jetzt auswerten und in Zukunft dann angehen müssen?

Zabel: Wir hatten bei den Pflanzen eigentlich nur zwei kleine Probleme. Zum einen bei den Paprika und bei den Erdbeerpflanzen. Die Pflanzen sind zwar super gewachsen und haben Blüten gebildet, aber leider keine Früchte bei den Erdbeeren, und die Paprika nur ganz wenig Früchte. Da müssen wir noch mal schauen, woran das da genau gelegen hat. Die meisten Probleme sind eher im technischen Bereich gewesen, dass wir eben wirklich Systemausfälle hatten oder dass uns einzelne Komponenten kaputt gegangen sind, wo wir nicht damit gerechnet haben, dass das passiert.

Pyritz: Haben Sie da schon vorläufige Erklärungsansätze dafür?

Zabel: Nein, noch nicht ganz. Wir sind da wirklich noch in der Auswertung mit drin, sodass wir uns das genau anschauen wollen, damit wir eben auch dann zum einen Rückschlüsse ziehen können für unser eigenes Gewächshaus in der Antarktis, wie wir das verbessern können. Und dann natürlich auch in weiterem Umfang für ein Mond- oder Marsgewächshaus.

"Zuverlässig arbeiten für ein Weltraumgewächshaus"

Pyritz: Das bringt mich zur nächsten Frage: Diese Gärtnerei in der Antarktis soll ja letztendlich Informationen liefern, wie irgendwann einmal Gemüse im All gezogen werden könnte. Was sind da jetzt die nächsten Schritte auf dem Weg dorthin?

Zabel: Was man bedenken muss, ist, wenn ein Gewächshaus mit in einem Raumschiff ist, dann soll es ja auch Sauerstoff für die Menschen produzieren, und dann sind natürlich alle technischen Ausfälle, die irgendwie passieren und die Pflanzen beeinflussen, ja nicht wünschenswert, und die muss man eigentlich möglichst vermeiden. Das heißt, wir werden jetzt wirklich genau schauen, welche einzelnen Komponenten sind bei uns ausgefallen, und wie kann man die so bauen, dass die zuverlässig arbeiten für ein Weltraumgewächshaus.

Pyritz: Gibt es da eine Zeitperspektive, wann das ungefähr geplant oder abgeschätzt ist? Wann könnte zum ersten Mal mit so einer Art von Gewächshaus Gemüse im All angebaut werden.

Zabel: Es gibt da momentan leider noch keine konkreten Pläne. Ich denke, man könnte schon innerhalb von zehn Jahren so ein Gewächshaus für Mond oder Mars funktionsfähig bekommen.

Pyritz: Abmoderation

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