Samstag, 28. Mai 2022

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Doper und Kronzeuge
Das Doppelleben des Johannes Dürr

Der Ski-Langläufer und Kronzeuge Johannes Dürr hatten nach seinem positiven Dopingtest 2014 mit dem Betrug weitergemacht. "Mit dem positiven Dopingtest bin ich kurz vor meiner Blütezeit aus dem Leistungssport rausgerissen worden und damit konnte ich nicht umgehen", sagte Dürr in der ARD.

Von Josef Opfermann | 07.03.2019

Der Österreichische Langläufer Johannes Duerr während einer Pressekonferenz bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014
Gestanden und weiter gedopt: Skilangläufer Johannes Dürr (imago / GEPA pictures)
Johannes Dürr hat ein weiteres Mal alle Welt belogen. Der Mann, der in der ARD ausführlich über seinen Sportbetrug ausgepackt und mehrere Dopingrazzien ausgelöst hat. Nur: An einer entscheidenden Stelle hatte er die Wahrheit für sich behalten.
"Nach 2014 hab ich mir weiterhin Blut abnehmen lassen, um sozusagen ein Depot, einen Vorrat für die Zeit nach der Dopingsperre zu haben. Das Blut lagerte in einem Kühlschrank in Erfurt."
Und nicht nur das. Als ihm der Erfurter Sportmediziner Mark S. damals angekündigt hatte, aussteigen zu wollen, erwog Dürr ernsthaft die Geschäfte selbst zu übernehmen.
"Ich war davon überzeugt, dass wenn Mark es quasi nicht mir übergibt, dann gibt es niemanden anders und dann habe ich vielleicht keinen Zugang mehr."
Blutdoping bis 2018 betrieben
Johannes Dürr führte ein Doppelleben – in dem er nach seinem positiven Dopingtest 2014 bei den Olympischen Spielen in Sotschi einfach mit dem Betrug weitergemacht hatte.
"Da war der Leistungssportler Johannes und da war der Mensch Johannes. Und der Johannes als Mensch hat ganz klar gesagt, das ist ein Scheiß. Das darf man nicht machen. Und auf der anderen Seite ist der Leistungssportler, der sagt: Ja, es gehört dazu."
Eine Blutprobe wird am 30.10.2013 bei einem Journalisten-Workshop der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) in Bonn (Nordrhein-Westfalen) in einen speziellen Transportzylinder verpackt. 
Doping-Ermittlungen nach ARD-Doku
In einer ARD-Doku hatte Ski-Langläufer Johannes Dürr auf Blutdoping in Deutschland hingewiesen. Die Münchener Staatsanwaltschaft nahm daraufhin Ermittlungen auf. Laut Staatsanwalt Kai Gräber dringen aus der Sportszene normalerweise keine Informationen nach außen.
Während der Dreharbeiten zur ARD-Dokumentation hatte Dürr mehrfach gesagt, Doping abzulehnen. Er hatte versichert die Wahrheit zu sagen. Dass er noch bis Ende 2018 weiter Blutdoping betrieb, ließ er dabei aus.
"Mit dem positiven Dopingtest mitten in meiner oder kurz vor meiner richtigen Blütezeit bin ich aus dem Leistungssport rausgerissen worden und damit konnte ich irgendwie nicht umgehen."
Er dopte in Österreich, der Schweiz und Deutschland.
Engste Vertraute nicht eingeweiht
"In Irschenberg, an demselben Rasthof wie immer. Während eines Trainingslagers in der Ramsau auf einem Parktplatz in Pichl bei Schladming, haben wir uns getroffen und im Auto das Blut zurückgeführt."
Selbst seine engsten Vertrauten hatte er nicht eingeweiht, sagt er.
"Wie die Vernehmung zu Ende war, war der erste Weg nach Hause zu meiner Freundin und dann hab ich ihr das sagen müssen, was ich gemacht hab. Sie wusste genauso nix wie niemand anderer."
Dürr beteuert, dass er nun endgültig die Wahrheit gesagt habe.