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StartseiteSport am WochenendeErfurt fährt mit16.03.2019

Doping im RadsportErfurt fährt mit

Mit Georg Preidler und Stefan Denifl haben zwei Radprofis zugegeben, gedopt zu haben und Teil des Erfurter Dopingsystems gewesen zu sein. Die Radsportszene ist geschockt von der Entwicklung und glaubt, dass es noch weitere Fälle gibt.

Von Tom Mustroph

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Die 8. Etappe der Tour de France (AP)
Die Radsportszene gibt sich geschockt von der Entwicklung des Dopingskandals rund um einen Erfurter Arzt. (AP)
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"Es ist schon etwas, worüber man sich unterhält, gerade auch mit den deutschen und den österreichischen Fahrern. Das Thema ist einem noch einmal viel mehr ins Gewissen gerufen worden als es sowieso der Fall war", sagt John Degenkolb, gegenwärtig beim Rennen Paris – Nizza im Einsatz. An den deutschen Radprofi rückte die Affäre besonders nah heran: Er war einige Jahre im Erfurter Team Thüringer Energie.

Degenkolb kannte den Dopingarzt nicht

In Erfurt praktizierte auch der Arzt, der jetzt im Zentrum der Doping-Ermittlungen steht. Welche Verbindung hat Degenkolb zu ihm? "Ich kannte Mark S. nicht. Vom Namen her ist er mir natürlich ein Begriff gewesen, auch von der Gerolsteiner –Affäre damals, weil er da auch involviert war. Es ist ein großer Schock, nicht nur für mich, sondern für uns alle, weil man das in keinster Weise so erwartet hätte", so Degenkolb.

Die Affäre hat viele geschockt. Aber dass es zumindest den einen oder anderen Doper im Feld gibt, überrascht auch nicht. Lakonischer Kommentar von Tom Dumoulin, Rundfahrtsieger bei Team Sunweb, während des Ausrollens nach einer Etappe beim Tirreno Adriatico: "Die erste Schlussfolgerung, die man daraus ziehen kann, ist: Es wird immer noch gedopt im Radsport. Vielleicht nicht mehr so wie früher. Aber es gibt es weiter und man muss weiter dagegen kämpfen."

Hat er Zweifel, was die Leistungen einiger Rennfahrer angeht? "Ich weiß nicht. Ich habe den Giro d’Italia 2017 gewonnen. Es ist nicht an mir zu urteilen, wenn jemand anderes gewinnt, und zu sagen: ‚Oh, das ist aber nicht möglich’. Ich gewinne auch Rennen auf hohem Niveau. Und dann: Georg Preidler hat ja keine Rennen gewonnen, und es trotzdem getan."

Niklas Arndt: "Es hat mich wirklich sehr getroffen"

Der österreichische Radprofi Georg Preidler war lange bei Team Sunweb und den Vorgängerrennställen. Das Team kam ganz offensiv mit einer Antidopingphilosophie in den Sport. Jetzt aber gab auch Preidler zu, Kunde des Dopingarztes gewesen zu sein. Preidler, ein Fahrer, der eigentlich von der Teamphilosophie hätte geprägt sein müssen. Wem soll man noch glauben? Fahrer Nikias Arndt, ebenfalls bei Team Sunweb: "Es hat mich wie gesagt sehr getroffen, vor allem, weil es ein Fahrer aus der neuen Generation ist. Gerade wir in unserem Team arbeiten wirklich sehr, sehr hart daran, den Sport sehr einsichtig zu machen. Wir arbeiten, wir stehen für einen sauberen Sport. Und dass es einen Sportler, der mal bei uns gefahren ist, der gerade auch aus unserem Jahrgang kommt, trifft, das hat mich absolut überrascht, sehr sehr enttäuscht, aber es wird leider immer schwarze Schafe geben."

Dass die geständigen Radprofis Georg Preidler und Stefan Denifl die einzigen schwarzen Schafe sind, mag so recht auch niemand glauben. Gespannte Blicke gehen daher nach München. Dort wurde in dieser Woche der Arzt aus Erfurt verhört. Sein Anwalt hatte die Kooperation seines Mandanten angekündigt, vielleicht hat der Arzt nun Namen genannt. DNA-Analysen der Blutbeutel wurden in Auftrag gegeben. Neue Erkenntnisse sollen kommende Woche in München bekannt gegeben werden. Nikias Arndt: "Die Ermittlungen laufen. Von daher hoffe ich auch, dass der Fall komplett lückenlos aufgedeckt wird. Da muss man gucken, welche Sportarten, welche Sportler und dass eventuell auch noch weitere Radsportler involviert sind."

Antidopingprogramme waren bislang nicht erfolgreich

Ein Problem ist, dass die bisher bekannten Fälle nicht durch die Antidopingprogramme der Verbände entdeckt wurden, sondern durch polizeiliche Ermittlungen. Das Antidopingsystem, das auf Tests basiert, weist also Lücken auf. Ist die Schlussfolgerung aus den Razzien von Seefeld und Erfurt, dass man jetzt doch dopen kann? "Nö, das würde ich auf keinen Fall sagen. Der Fall wird momentan aufgedeckt. Ich hoffe, dass er wirklich lückenlos aufgedeckt wird, dass alle Betroffenen auch ihre dementsprechende Strafe kriegen. Und dass das dann auch ein Zeichen ist, gerade für junge Sportler noch einmal zu zeigen: So geht es nicht, und dass auch eine gewisse Abschreckung davor besteht", so Arndt.

Für die Abschreckung gegen Doping braucht es die Polizei, und ein Antidopinggesetz, das ihren Einsatz rechtlich abdeckt. Das ist die wichtigste Konsequenz aus Erfurt.

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