Dienstag, 16. August 2022

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Doping in Russland
"Die Athleten sind nur noch Mittel zum Zweck"

Die Ergebnisse des zweiten McLaren-Berichts sind nach Ansicht des Sportsoziologen Eike Emrich keine Überraschung. So etwas passiere, wenn Athleten nur noch Mittel zur Demonstration nationaler Repräsentanz seien, sagte Emrich im DLF. Diesen Trend könne man mittlerweile aber auch in Deutschland beobachten.

Eike Emrich im Gespräch mit Jürgen Zurheide | 09.12.2016

    Der Sportökonom Eike Emrich aspricht bei einer Veranstaltung am 9. April 2013.
    Doping generell zu legalisieren ist für den Sportsoziologen und Sportökonom Eike Emrich keine Option. (imago sportfotodienst)
    Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse des zweiten McLaren-Berichts ist die Erschütterung in der Welt des Sports groß. WADA-Chefermittler Richard McLaren zu Folge soll die Sportnation Russland mindestens zwischen 2011 und 2015 systematisch betrogen haben. "So was passiert, wenn Athleten nur noch Mittel zum Zweck der nationalen Selbstdarstellung sind und im Medaillenspiegel aufsummiert Leistungen bringen sollen", so der Sportökonom.
    Man könne in Russland beobachten, dass Athleten als Mittel zur Demonstration nationaler Repräsentanz benutzt würden. Das wirke vor allem im Inneren des Landes und sichere die Loyalität der Bevölkerung. In der Sportförderung und in den Wettkämpfen gehe es nicht mehr um die Athleten. "Das ist echte Instrumentalisierung."
    Diesen Trend könne man international beobachten – allerdings in unterschiedlicher Intensität. Der Kampf um nationale Repräsentanz im Medaillenspiegel sei zu einem weltweiten Phänomen geworden, entsprechend verdichteten sich die internationalen Anstrengungen zur Sportförderung. Auch in Deutschland beobachte man das Phänomen: "Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat 30 Prozent mehr Medaillen bei gleichen Mitteln gefordert." Der Medaillenspiegel gelte immer noch als Nachweis nationaler Leistungstüchtigkeit.
    Mehr Kontrolle, mehr Transparenz
    Emrich kritisierte in diesem Zusammenhang auch die Arbeit des Internationalen Olympischen Komitees. Da IOC investiere "in den Anschein eines sauberen Sports". Offensichtlich lohne sich das mehr als die Ehrlichkeit selbst. "Ich glaube nicht, dass das IOC in der Spitze diese Problematiken im vollen Umfang mitbekommt."
    Doping generell zu legalisieren ist für den Sportsoziologen und Sportökonom keine Option. Das wäre zulasten der ehrlichen, hochbegabten Sportler und bedeute den Verlust der Idee des Sports. "Das wäre das Ende des Sports, wie wir ihn kennen, weil er damit sein Anrecht auf öffentliche Würdigung und Förderung verloren hätte." Stattdessen fordert Emrich mehr externe Kontrolle und mehr Transparenz. Das IOC könne man nicht wie einen Schweizer Kaninchenzüchterverein führen.