Sport Aktuell 25.01.2021

DopingNeues Whistleblowing-Portal mit großen AmbitionenVon Hendrik Maaßen

Beitrag hören Dopingkontrolle bei der Tour of the Alps 2017. (imago sportfotodienst)Dopingkontrolle bei der Tour of the Alps 2017. (imago sportfotodienst)

Dopingsünder oder gar Netzwerke zu finden ist für Kontrolleure bislang die berühmte Nadel im Heuhaufen. Die größten Dopingskandale wurde durch Aussagen von Hinweisgebern und nicht durch Tests bekannt. Um Menschen zu ermutigen, ihre Hinweise zu Doping weiterzugeben, geht am Dienstag eine internationale Whistleblower-Plattform online.

Immer wieder wandte sich Witali Stepanow 2012 und 13 an die Welt Anti Doping Agentur. Er, der damals selbst Dopingkontrolleur der russischen Anti-Doping-Agentur war, wollte die Hüter des weltweiten Kampfes gegen Doping darüber informieren, dass in seinem Land etwas gehörig schiefläuft. Doch seine Berichte versandeten, erst als er sich an die ARD wendet, kommt das russische Staatsdoping ans Licht.

Witali und seine Frau Julia Stepanowa mussten nach ihren Aussagen aus Russland fliehen, lebten lange Zeit in Angst um ihr Leben an einem geheimen Ort. Jetzt soll eine Art anonymer Briefkasten für Hinweisgeber Leidensgeschichten wie die der Stepanows verhindern. Über die Internetseite "Reveal.Sport" können jegliche Hinweise zu Doping geben werden.

Über die Internetseite „Reveal.Sport“ können jegliche Hinweise zu Doping geben werden. (Screenshot reveal.sport)Über die Internetseite „Reveal.Sport“ können jegliche Hinweise zu Doping geben werden. (Screenshot reveal.sport)

"Die Person kann entscheiden, ob sie vollkommen anonym bleiben oder ihren Namen angeben möchte. Wenn sie ‚anonym‘ anklickt werden wir nichts über sie wissen. Wenn Sie sich aber entscheidet, ihre Identität preiszugeben, dann können wir mit ihr in Kontakt treten, uns über die Informationen austauschen, per Telefon oder über einen verschlüsselten Postkasten",

erklärt Benjamin Cohen von der International Testing Agency (ITA), die die Plattform betreibt. Zum Start des Angebots arbeiten sechs Mitarbeiter Vollzeit daran, die Informationen auszuwerten.

Experten aus Polizei oder Kriminalistik

"Die meisten kommen aus der Polizeiarbeit oder aus der Kriminalistik. Experten, die sich mit Hinweisgebern auskennen, Forensiker, Personen aus der Terrorabwehr. Sie haben viel Erfahrung im Umgang mit sensiblen Informationen."

Und die ITA hat viel Erfahrung im Umgang mit Doping-Tests. Die Stiftung koordiniert die Kontrollen für 45 Weltverbände und zum Beispiel die Olympischen Spiele. Doch der direkte Kontakt mit möglichen Whistleblowern ist für die Agentur neu und zugleich vielversprechend: Denn die meisten Dopingskandale wurden bislang nicht durch Tests, sondern durch Informanten aufgedeckt. Aber diese Hinweisgeber haben in vielen Fällen negative Konsequenzen erleben müssen und einen Zeugenschutz kann auch die Plattform nicht bieten. Bleibt die Frage, ob "Reveal" den Stepanows geholfen hätte?

Zusammenarbeit mit Interpol

"Reveal ist natürlich jetzt neu, darüber müssen wir dann in einem halben Jahr nochmal sprechen… Aber ernsthaft: Wenn es einen zweiten Fall wie den der Stepanows geben würde, dann hätten wir die richtigen Fähigkeiten und Kompetenzen, sofort zu reagieren. Sei es zusammen mit der WADA, der Polizei oder selbst mit Interpol, mit denen wir auch in Verbindung stehen."

Eine große Aussage, an der sich die neue Whistleblower Plattform "Reveal" hoffentlich bald messen lassen muss.

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