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StartseiteUmwelt und VerbraucherAbrechnungs-Chaos beim Stromtanken27.02.2019

E-Mobilität Abrechnungs-Chaos beim Stromtanken

Vielen Ladesäulen für Elektroautos droht ab 1. April die Stilllegung. Denn die meisten sind nicht geeicht. Das bedeutet: Der Verbraucher muss einen Einheitspreis zahlen, egal wie viel er tankt. Zudem gibt es unterschiedliche Tarifsysteme.

Von Kai Rüsberg

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Ein Elektroauto (picture alliance / dpa / Foto: Markus Scholz)
Gleicher Preis für jede Betankung, egal wie viel Strom tatsächlich fließt? (picture alliance / dpa / Foto: Markus Scholz)
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Einmal Tanken zehn Euro. Autofahrer würden sich wundern, wenn das Benzin an der Tankstelle nicht pro Liter berechnet wird. Für Elektroautofahrer ist das beim Aufladen mit Strom an der Ladesäule zur Zeit der Normalfall. Egal wie viele Kilowattstunden in die Batterie passen: Kunden müssen bei vielen Anbietern einen Pauschalpreis zahlen.

Tarifdschungel an den Ladestationen

Elektromobilitätsprofessor Friedbert Pautzke von der Hochschule Bochum ist über eine solche Preisgestaltung nicht glücklich: "Das ist im Moment eine Notlösung, aber für die Durchsetzung der Elektromobilität natürlich kontraproduktiv. Weil jeder Nutzer möchte das bezahlen, was er bekommen hat. Er möchte natürlich wissen, in welcher Zeit er wie viel Energie für welchen Preis laden kann."

Grundsätzlich gibt es drei Varianten bei der Ladegeschwindigkeit: Anschlüsse mit 230 Volt Haushaltsstrom laden das Auto nur langsam, sind aber oft noch kostenlos. Stärkere Normalladungen mit Wechselstrom werden mit etwa zwei bis sieben Euro pauschal und Schnelllader mit Gleichstrom mit acht bis zehn Euro pauschal berechnet. Letztere werden für Langstreckenfahrten meist an Autobahn-Raststätten eingesetzt.

"Wildwuchs" an Tarifsystemen

Ursache für die Pauschalpreise ist, dass bei fast allen Anbietern versäumt wurde, sich an die bereits seit vier Jahren gültige Eichpflicht zu halten. Demnach müssten die Ladesäulen ein revisionssicheres Messsystem besitzen, dass präzise den Stromfluss misst und auch die sichere Übermittlung und Speicherung der Daten umfasst.

"Es gibt schon Anbieter, die da was entwickelt haben, die da auch die Module haben, aber die sind noch nicht sehr weit verbreitet. Also gerade im Moment eines der Probleme, um die sich die Fachleute kümmern." Doch viele Fachleute glauben nicht, dass innerhalb des nächsten Monats bereits, wie gefordert, umgerüstet wird. Gleichzeitig gibt es einen "Wildwuchs" an Tarifsystemen für Ladestrom - so formuliert es das für die Preisangabenverordnung federführende Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Verbraucherzentrale: Tarifchaos schreckt Verbraucher ab

Die Verbraucher werden dadurch vom Umstieg auf ein Elektroauto abgeschreckt, warnt Marion Jungbluth vom Verbraucherzentrale Bundesverband: "Es ist so, dass jetzt Eile geboten ist. Das Tarifchaos an den Ladesäulen muss schnellstmöglich behoben werden. Damit wenn Elektromobilität wirklich zum Verkaufsschlager wird, die Leute an den Ladesäulen faire und transparente Bedingungen vorfinden. Und nicht dann im Nachhinein das Gefühl haben, dass sie auf eine Technologie gesetzt haben, wo die Infrastruktur nicht verbraucherfreundlich ist."

Die Verbraucherorganisation setzt sich für eine eindeutige Auszeichnung und Abrechnung nach der erworbenen Strommenge ein, so wie es eigentlich auch vom Gesetzgeber gefordert wird. Doch dafür wäre ein zertifiziertes Mess- und Abrechnungssystem notwendig: "Den erhofften Markthochlauf bei Elektroautos, wenn der jetzt wirklich dieses oder nächstes Jahr startet, das heißt viele Leute zum Elektroauto greifen, dann darf es nicht passieren, dass sie dann vor der Ladesäule stehen und feststellen, dass sie damit nicht klarkommen oder das Gefühl haben über den Tisch gezogen zu werden."

Keine geeichten Schnellladestationen

Insbesondere für die teuren Schnellladeanschlüsse mit Gleichstrom gibt es noch keine geeichten Säulen am Markt. Mindestens 6.000 gibt es davon in Europa. Ein Anbieter hat jetzt eine Lösung angekündigt. Doch es wird noch eine Zeit dauern, bis dafür die Produktion hochgefahren wird. Erwartet wird, dass die Eichämter auch nach dem 1. April noch ein Auge zudrücken werden und die Fristen erneut verlängern. Sonst müssten ab April die meisten Ladesäulen stillgelegt werden.

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