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StartseiteWirtschaft und GesellschaftWeniger, aber auch neue Jobs durch Mobilitätswende13.01.2020

E-Mobilität und BeschäftigungsabbauWeniger, aber auch neue Jobs durch Mobilitätswende

Ein Beratergremium der Bundesregierung befürchtet den Wegfall von mehr als 400.000 Arbeitsplätzen durch den Umstieg auf die E-Mobilität. Andere Experten sind weniger pessimistisch: Zu Arbeitsplatzverlusten werde es kommen, aber es entstünden auch neue Jobs etwa in der Batterieproduktion.

Von Mischa Ehrhardt

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Ein «Strati», einen tiefer gelegter Elektro-Zweisitzer, wird 14.01.2015 auf der Detroit Auto Show vorgestellt. Der Wagen stammt aus einem 3D-Drucker. Das Unternehmen Local Motors aus Chandler im US-Bundesstaat Arizona produziert den «Strati». Der Produktionsprozess dauert 44 Stunden, doch Local Motors hat sich vorgenommen, ihn auf 24 Stunden zu reduzieren. Nachdem die Karosserie und das Fahrwerk gedruckt sind, werden die mechanischen Komponenten wie Motor, Batterien, Kabel und Federung ergänzt. (picture alliance / dpa / Gertel Johnstone)
Die Produktionsbedingungen verändern sich. Dieses Auto einer US-Firma wird zum Beispiel mit einem 3D-Drucker gedruckt. (picture alliance / dpa / Gertel Johnstone)
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Die Studie der "Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität" führt den Rückgang der Arbeitsplätze vor allem auf zwei Faktoren zurück: Zum einen werden für Elektroantriebe viel weniger Teile gebraucht und produziert als für herkömmliche Verbrennungsmotoren. Zum anderen aber steigt auch die Automatisierung in der Autobranche an. Allein im Bereich der Produktion von Motoren und Getrieben rechnet die Studie mit einem Wegfall von 88.000 Arbeitsplätzen bis 2030. Jürgen Pieper, Autoanalyst aus dem Bankhaus Metzler:

"Also ich würde sagen, es ist sicher, dass Arbeitsplätze wegfallen werden, das viele Arbeitsplätze gefährdet sind. Ich selber rechne mit Zahlen, die vielleicht halb so hoch wie diese 400.000 sind, aber auch schon sehr, sehr signifikant sind. Diese Prozesse tun auch sicherlich sehr weh".

Autoanalyst rechnet mit halb so hohem Jobverlust

Die Studie trägt dem von der Bundesregierung beschlossenem Klimaschutzprogramm Rechnung. Um CO2-Ziele einzuhalten, sollen bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf Straßen und Autobahnen rollen. Das dürfte nicht nur zum Wegfall vieler Arbeitsplätze in der Autoindustrie führen, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen. So hat das Ifo-Institut errechnet, dass bereits im vergangenen Jahr der Umbruch in der Automobilindustrie das Wachstum des Bruttoinlandproduktes in Deutschland um dreiviertel Prozent verlangsamt hat. Ifo-Konjunkturexperte Timo Wollmershäuser führt das auch auf den Umbruch in der Autobranche zurück.

"Es ist natürlich schon so, dass der Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektromotor mit einer geringeren Anzahl von Beschäftigten im Produktionsprozess einhergeht, einfach, weil der Elektromotor weit weniger aufwendig ist",

sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturexperte beim Ifo-Institut. Allerdings gehen Experten und Beobachter wie er auch davon aus, dass an anderer Stelle neue Arbeitsplätze entstehen werden, etwa in der Batterieproduktion. Auch hat beispielsweise der amerikanische Autopionier Tesla angekündigt, ein großes Werk in der Nähe von Berlin bauen zu wollen. Deswegen hält der Deutsche Automobilverband VDA die Rechnung der Plattform für Mobilität für überzogen pessimistisch. Wichtiger als über Extremszenarien zu diskutieren sei es, den anstehenden Wandel zu gestalten.

"Wie können die Arbeitgeberseite, wie kann die Arbeitnehmerseite, wie können Behörden zusammen wirken, um diesen Wandel zu gestalten im Interesse der Arbeitnehmerinnen, der Arbeitnehmer, im Interesse der Unternehmen, damit wir gemeinsam die Herausforderung, vor der wir alle stehen, gestalten zu können,"

sagt der VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel. Dennoch hält man es auch beim Automobilverband für realistisch, dass bei Antriebssträngen an die 80.000 Stellen abgebaut werden dürften.

Qualifizierung der Mitarbeiter ist entscheidend

Wichtig, darin sind sich die meisten Experten schließlich einig, sei es, die Beschäftigten in der Autoindustrie und bei deren Zulieferern in Zukunft auf den Wandel vorzubereiten. Jürgen Pieper:

"Qualifikation ist sicherlich ein Schlüssel, um diesen Umbruch zu schaffen und nicht zu stark zu leiden. Das gilt sicherlich für viele nicht gut ausgebildete Arbeiter und Angestellte, die bisher so durchgekommen sind, weil die Autoindustrie so erfolgreich war, dass man so mitlaufen konnte. Ich glaube, diese Mitlaufeffekte, die werden weitestgehend verschwinden".

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