
Nach dem Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda hat die Weltgesundheitsorganisation einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das ist die zweithöchste Warnstufe. Die Kriterien für die höchste Stufe, eine Pandemie, seien bislang nicht erfüllt, erklärte die WHO.
Das Ausmaß könnte weit größer sein als die offiziellen Zahlen widerspiegeln, auch weil der Ausbruch offenbar lange unentdeckt blieb. Der Epidemiologe Maximilian Gertler nennt das Ausmaß des Ebolaausbruchs „extrem besorgniserregend".
Inhalt
- Ebola – eine hochansteckende Infektionskrankheit
- Armut und unzureichende Gesundheitsvorsorge
- Ebola-Übertragung: Wie steckt man sich an?
- Zoonosen: Warum das Risiko von Tier-zu-Mensch-Viren steigt
- Medizinische Ressourcen im Kampf gegen Pandemien sind ungleich verteilt
- Der WHO-Pandemievertrag und der globale Süden
Ebola – eine hochansteckende Infektionskrankheit
Das Ebola-Fieber ist eine hochansteckende und lebensbedrohliche Infektionskrankheit. Sie wird durch das Ebolavirus verursacht. Bislang sind fünf Varianten des Ebolavirus bekannt, darunter das Zaire-Ebolavirus. Es verursachte 2014/2015 den bislang größten Ausbruch in Westafrika mit mehr als 11.000 Todesopfern in unter anderem Guinea, Sierra Leone und Liberia.
Derzeit zirkuliert in der Demokratischen Republik Kongo das Bundibugyo-Ebolavirus, das allerdings erst am 14. Mai bestätigt wurde.
Aktuell sind nur für das Zaire-Ebolavirus (EBOV) Impfstoffe zugelassen. Gegen Bundibugyo gibt es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Wissenschaftler der Universitäten Oxford und Leipzig erforschen zwar einen Impfstoff, der gegen Ebola- und Marburgviren wirksam sein könnte, breit einsetzbar ist dieser aber nicht.
Da Ebola relativ selten und meist regional begrenzt auftrete, zeige die Pharmaindustrie eher wenig Interesse an der Erforschung und Entwicklung eines Impfstoffes, so Maximilian Gertler. Denn dieser müsse sich auf dem Forschungsmarkt auch verkaufen lassen. Ebolafieber sei daher eine „Armutserkrankung“.
Das Virus wurde 1976 bei einem Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire) und im Sudan entdeckt und nach dem Ebola-Fluss im Kongo benannt. Ausbrüche wurden bislang vor allem in Zentral- und Ostafrika registriert, darunter wiederholt in der Demokratischen Republik Kongo oder auch in Uganda.
Fälle in Europa traten bislang nur ganz vereinzelt auf.
Fälle in Europa traten bislang nur ganz vereinzelt auf.
Gefahr der Ausbreitung für Deutschland gering
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat erklärt, das Risiko für Deutschland sei „als äußerst gering einzuschätzen“. In der Bundesrepublik brauche es „derzeit keine Vorkehrungen“. Eine weltweite Ebola-Pandemie halte sie für „nahezu ausgeschlossen“.
Armut und unzureichende Gesundheitsvorsorge
Vor Ort sei die Gefahr der Ausbreitung jedoch groß, so Christian Katzer, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland – sowohl in weiteren Provinzen der Demokratischen Republik Kongo als auch in Nachbarländern. Das liege auch daran, dass die gesundheitliche Versorgung in der Region schlecht sei und Menschen daher versuchten, in Gebiete zu reisen, wo medizinische Angebote besser seien und dabei auch Ländergrenzen überschritten.
Die Ausbreitung von Ebola wird durch einige Faktoren begünstigt, sagt der Epidemiologe Gertler:
- Armut
- schlechte Lebensumstände
- Mangel an sauberem Trinkwasser
- gewaltsame Konflikte in der Region
- unzureichende Gesundheitsversorgung
Teils bedingen sich die Faktoren gegenseitig: Gewaltsame Konflikte führen häufig dazu, dass die Versorgung mit sauberem Trinkwasser zusammenbricht. Auch lösen sie Fluchtwellen aus, bei denen sich Infektionskrankheiten weiter ausbreiten.
Viele Menschen im Westen hätten keine Vorstellung davon, „wie grauenvoll und ungesund die Lebensumstände dort sind“. Dies müsse man benennen, wenn über Ebola gesprochen werde, betonte Gertler. Dazu komme, dass die Erkrankung häufig viel zu spät diagnostiziert werde.
Gertler sagte, nun sei es vordringlich, dass Erkrankte isoliert sowie Kontaktpersonen gefunden und unter Quarantäne gestellt würden. Zugleich gelte es, die Bevölkerung über das Virus und die Ansteckungswege zu informieren. Das sei aufwendig und teuer. Benötigt würden Schutzausrüstung, Medikamente und Isolierstationen.
Die vor allem betroffene Provinz Ituri liegt jedoch sehr abgeschieden, verfügt nicht über ein ausgebautes Straßennetz und ist daher schwer zu erreichen. Daher sei es schwierig, Menschen vor Ort zu helfen und auch zuverlässige Infektionszahlen zu erheben, betont Christian Katzer.
Ebola-Übertragung: Wie steckt man sich an?
Die frühen Symptome von Ebola ähneln einem grippalen Infekt: Erkrankte leiden häufig an Fieber oder Gliederschmerzen. Im Krankheitsverlauf können Erbrechen, Durchfall, Kopf- und Brustschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Schluckbeschwerden, innere und äußere Blutungen (Hämorrhagien), Verwirrtheit, Krämpfe und Atemnot hinzukommen.
Eine unbehandelte Ebolafieber-Erkrankung verläuft in 30 bis 90 Prozent der Fälle tödlich.
Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten oder Verstorbenen – wie Blut, Speichel oder Erbrochenem oder Tröpfchen davon.
Ebolaviren sind zoonotische Viren, das heißt in der Regel beginnt ein Ausbruch über den Kontakt mit infizierten Tieren wie Affen oder Fledermäusen.
Zoonosen: Warum das Risiko von Tier-zu-Mensch-Viren steigt
Zoonosen sind Erkrankungen, die über Erreger wie Bakterien oder Viren von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Dazu gehören auch von der WHO als besonders kritisch eingestufte, hochansteckende Krankheiten wie SARS oder eben Ebola. In einigen Regionen der Welt, darunter auch West- und Zentralafrika, ist das Risiko von Zoonosen besonders ausgeprägt.
Knapp über 240 Millionen Menschen leben weltweit in Gebieten mit einem hohen Zoonoserisiko. Das zeigt eine globale Risikokarte für Zoonosen, die ein internationales Forschungsteam ausgearbeitet hat. In der Demokratischen Republik Kongo oder in Nigeria kommt es demnach beispielsweise auf Märkten oder bei der Jagd zu einem direkten Kontakt mit Wildtieren.
Die Übertragung von Krankheiten über Tiere auf Menschen wird den Forschern zufolge zudem weltweit wahrscheinlicher. Das liege an verschiedenen Veränderungen:
- Klimaveränderung (Erwärmung und zunehmende Trockenheit)
- Umweltveränderungen (wie Abholzung oder intensive Landwirtschaft)
- die Nähe von Wildtieren zu Siedlungen, wenn also Wildtiere und Menschen näher zusammenrücken
Einer der folgenreichsten Faktoren ist zudem die Bevölkerungsdichte.
Ressourcen im Kampf gegen Pandemien sind ungleich verteilt
Der Ebolaausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zeige die Bedeutung der Weltgesundheitsorganisation WHO, sagt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Denn: Gerade im Fall solcher Ausbrüche sei die internationale Zusammenarbeit besonders wichtig. Ausbrüche ließen sich nur gemeinsam früh erkennen und bekämpfen.
Die Welt ist allerdings nach Experteneinschätzung nicht sicherer vor einer neuen Pandemie geworden – trotz Anstrengungen seit dem Ebolaausbruch in Westafrika vor gut zehn Jahren, der Covid-19-Pandemie und der Mpox-Notlage.
Im Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu ihrer Jahrestagung heißt es dazu: Eine neue Pandemie würde eine Welt treffen, die stärker gespalten, höher verschuldet und weniger in der Lage sei, ihre Bevölkerung zu schützen, als dies etwa vor einem Jahrzehnt der Fall war. Der Klimawandel und bewaffnete Konflikte verschärfen demnach die Risiken.
Die WHO will erreichen, dass auch ärmere Länder im Fall von Pandemien garantierten Zugang zu Medikamenten oder Impfstoffen haben. Im sogenannten Pandemievertrag soll festgelegt werden, das Wissen über Krankheitserreger und die damit entwickelten Impfstoffe und Medikamente weltweit solidarisch zu teilen. Damit sollen auch die Lehren aus der Coronazeit gezogen werden, als Impfstoffe weltweit sehr ungleich verteilt waren.
Der WHO-Pandemievertrag und der globale Süden
So soll beispielsweise sichergestellt werden, dass Länder, die wichtige Virusproben weitergeben, alle daraus resultierenden Tests, Medikamente und Impfstoffe erhalten. Der WHO sollen bis zu 20 Prozent dieser Produkte zur Verfügung gestellt werden, damit auch die ärmeren Länder Zugang zu ihnen haben.
Wichtige Modalitäten in einem Anhang sind aber noch offen, die weiter ausgehandelt werden müssen. Dann erst kann der Vertrag den Regierungen zur Ratifizierung vorgelegt werden. Er tritt erst in Kraft, wenn 60 Länder ihn ratifiziert haben.
Eine Einigung ist allerdings ausgerechnet bei der Frage, wie Medikamente und Impfstoffe gerechter verteilt werden können, nicht in Sicht. Denn: In diesem Punkt setzte die Europäische Union auf eine freiwillige Lösung für die Pharmaindustrie. Das reiche den Ländern des globalen Südens nicht, so Andreas Wulf, Experte für globale Gesundheit: Denn freiwillige Lösungen führten eben nicht zu einer gerechteren Verteilung von medizinischem Wissen und Ressourcen, dazu müssten verbindliche Regeln geschaffen werden. Die Verhandlungen sollen nun weitergehen mit dem Ziel, bis zur nächsten Weltgesundheitsversammlung 2027 eine Lösung zu finden.
Onlinetext: Catherine Shelton




















