Einwegflaschen Umweltbundesamt will 20 Cent mehr

Coca-Cola - Marktführer im Erfrischungsgetränkesegment in Deutschland - will noch mehr auf Einweg-Getränkeverpackungen setzen. Deshalb droht jetzt die Präsidentin des Bundesumweltamtes mit einer Zusatzabgabe für Einweg, um den Mehrweg zu stützen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) jedoch sieht "derzeit keinen Bedarf".

01.03.2015

Ruf nach 20-Cent Strafabgabe auf Einweg-Getränke
Die Discounter locken die Kunden mit "billigem" Wasser (dpa / picture alliance / Bernd Wüstneck)
Coca-Cola will noch mehr hin zu Einweg. Besonders 0,5-Liter-Flaschen würden unterwegs getrunken und nicht zurückgegeben. Damit sei auch eine Wiederbefüllung nicht möglich, argumentiert der Konzern und betont, die Einwegverpackungen würden recycelt und so auch wiedergenutzt werden.
Deshalb droht jetzt das Umweltbundesamt (UBA) mit einer Gegenmaßnahme. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte der Deutschen Presse-Agentur, eine Zusatzabgabe für Einweg zur Stützung des Mehrwegs schließe sie nicht aus. Auch wenn sich die Ökobilanz von Einweggetränkeverpackungen wegen des Pfandes verbessert habe, sei Mehrweg gelebte Abfallvermeidung.
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) aber will keine gesetzliche Zwangsabgabe. "Dafür sehen wir derzeit keinen Bedarf", sagte ein Sprecher am Sonntag in Berlin.
Lenkungsabgabe auf unökologische Getränkeverpackungen
Von Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe wurden 20 Cent pro Flasche als eine Art Lenkungsabgabe ins Feld geführt. Eine 1,5 Discouter-Wasserflasche würde statt aktuell 19 Cent dann 39 Cent kosten. Sollte Coca-Cola ernst machen mit der Ankündigung, dann sei das ein "starkes Zeichen für die Branche", sagte Fischer im DLF, weil Coca-Cola der Marktführer und das dominierende Unternehmen im Erfrischungsgetränkesegment in Deutschland sei. Mehrweg sei auch deshalb die umweltfreundlichste Getränkeverpackung, da die Flaschen nur über sehr geringe Entfernungen hin und hertransportiert. würden
Die Effekte des Einwegpfands
Der Mehrweg-Anteil liegt mittlerweile bei weniger als 50 Prozent der pfandpflichtigen Getränke. Viele Discounter bieten nur Einwegverpackungen mit Pfand an. So werden Umwelt und Ressourcen weiter strapaziert. Zwar wird der Plastikmüll oft zu neuen Flaschen wiederverwertet - aber die Ökobilanz bleibt trotzdem schlechter als beim Mehrwegsystem.
Aber auch in Sachen Mehrweg gibt es Unterschiede: Anstatt 50 bis 60 Mal wie bei einer Glasflasche wird die Mehrweg-PET-Variante nur 15 bis 25 Mal neu gefüllt.
Das Einwegpfand war 2003 eigentlich eingeführt worden, um Einweg unattraktiver zu machen. Doch das Gegenteil ist passiert. Discounter und Supermärkte haben sehr schnell Einweg-Pfandautomaten aufgestellt und können so mit ihren Eigenmarken alle Vorteile des Einweg nutzen: Viele unterschiedliche Getränke ohne platzraubende Kästen auf minimaler Verkaufs- und Lagerfläche. Beim Wasserkonsum haben Lidl und Aldi bereits einen Marktanteil von mehr als 50 Prozent.
(dk/nza)