Sonntag, 14. April 2024

Eishockey
Wie die Fischtown Pinguins die großen Vereine ärgern

Die Fischtown Pinguins waren früher eine kleine Nummer im deutschen Eishockey. Doch die Zeiten sind vorbei. In dieser Saison schielen die Bremerhavener auf den Titel. Ein Verdienst auch von Manager Alfred Prey, der sein Amt jetzt aber aufgibt.

Alfred Prey im Gespräch mit Astrid Rawohl | 30.03.2024
Choreo der Bremerhavener Fans zum Geburtstag von Team-Manager Alfred Prey
Ein Leben für die Fischtown Pinguins: Seit den 80er-Jahren ist Alfred Prey beim REV Bremerhaven aktiv und hat verschiedene Positionen durchlaufen. Die Fans danken ihm mit einer Choreo zu seinem Geburtstag. (dpa/ picture alliance / Burghard Schreyer)
Alfred Prey hat den Eishockey-Verein Fischtown Pinguins geprägt wie kaum ein Zweiter. Über 30 Jahre war er in unterschiedlichen Funktionen für den DEL-Klub zuständig, bevor er zum Teammanager der Bremerhavener aufstieg. Zum 1. April wird Prey sein Amt nun niederlegen und kürzer treten. "Die Fischtown Pinguins sind wie ein Teil Familie", sagte Prey im Deutschlandfunk. Auch wenn er betonte, dass er selbst nur ein Mosaiksteinchen im ganzen Verein sei.
Team-Manager Alfred Prey (Fischtown Pinguins)
Im April legt Alfred Prey sein Amt bei den Fischtown Pinguins nieder. Verschwinden wird er aus dem Klub aber nicht. (dpa / picture alliance / Burghard Schreyer)
Sportlich läuft es für die Bremerhavener optimal. Die DEL-Hauptrunde schnitten die Norddeutschen als Tabellenerster ab. Vor den Eisbären aus Berlin und sie distanzierten auch Top-Klubs wie die Kölner Haie oder die Adler Mannheim. Im Playoff-Viertelfinale wurde der ERC Ingolstand souverän besiegt, sodass es nun im Halbfinale gegen Red Bull München um den Einzug ins DEL-Finale geht.

Kontinuität als Schlüsselfaktor

"Für uns ist das ein historischer Moment", sagte Prey. Der als Gründe für den Erfolg die Kontinuität im Verein hervorhob. "Seit vielen Jahren versuchen wir immer den Kader zusammen zu halten". Dies erzeuge ein familiäres Gebilde und eine Verlässlichkeit untereinander, wo jeder sich mehr verantwortlich fühle, als wenn er jedes Jahr den Verein wechsle, sagte der 70-jährige Sportfunktionär.
Die Fischtown Pinguins haben einen der kleinsten Etats der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und müssen deswegen kreativ sein. Statt Verpflichtungen aus Kanada und den USA, stammen die Spieler in den Reihen der Bremerhavener eher aus Slowenien oder Dänemark. "Wir haben notgedrungen unsere Augen mehr auf Märkte gerichtet, wo andere Vereine nicht so gucken", sagte Prey. Ein Grund seien auch die kurzen Wege von Bremerhaven nach Dänemark, Schweden oder Norwegen. Großes Lob bekam auch Trainer Thomas Popiesch , der aber ebenfalls bereits seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hat. Dieser habe in Bremerhaven eine "Ära geprägt", sagte Prey. Er trage das Hauptverdienst an den Erfolgen der Norddeutschen. Für Prey ist Popiesch der beste Trainer der Liga.
Der Trainer der Fischtown Pinguins Bremerhaven, Thomas Popiesch ruft auf der Bank.
Für Alfred Prey der Erfolgsgarant bei den Fischtown Pinguins: Trainer Thomas Popiesch (dpa / picture alliance / O.Behrendt)

Nachfolger steht bereits in den Startlöchern

Wie Prey erklärt, wird er den Klub nicht komplett verlassen. Gemeinsam will er sich im Hintergrund fortan um die nicht-sportlichen Belange bei den Pinguins kümmern. Er werde vermehrt Aufgaben im Sponsoring übernehmen oder als Hausmeister fungieren, sagte der gebürtige Bayer, den es 1973 als Berufssoldat aus der Oberpfalz zunächst zur Marine nach Norddeutschland verschlagen hatte.
Die Bremerhavener Spieler jubeln über ein Tor.
Die Fischtown Pinguins haben das kleinste Budget der Liga. Haben sich aber zum Titelaspirant gemausert. (dpa / picture alliance / O.Behrendt)
Preys Aufgaben in Bremerhaven übernimmt ab April Ex-Nationalspieler Sebastian Furchner: "Er war mein Traumkandidat. Ich bin hundertprozentig von ihm überzeugt. Weil das sicher meine beste Verpflichtung war, die ich in den letzten Jahren tätigen konnte", sagte Prey im Deutschlandfunk.

Eishockey eher regional beachtet

Auch wenn Eishockey als Sportart momentan boome, die Liga feiert in dieser Saison zahlreiche Zuschauerrekorde, sei es dennoch eine Sportart, die regional mehr Beachtung finde, als bundesweit, sagte Prey. Da sei es von Vorteil, wenn man etwas Mäzenatentum hinter sich weiß, wie es bei den Kölner Haien oder den Eisbären in Berlin der Fall ist.
In Bremerhaven habe man den Vorteil, dass man auf die Unterstützung von insgesamt 264 Sponsoren setzen könne, obwohl man keinen eigenen Hauptsponsor habe, sagte Prey.