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StartseiteSportgespräch"Alltagsrassismus ist definitiv vorhanden"18.04.2021

Eishockey-Profi Niederberger"Alltagsrassismus ist definitiv vorhanden"

Alltagsrassismus sei definitiv in unserer Gesellschaft vorhanden - und somit auch in gewisser Weise in der DEL, sagte der Torhüter der Eisbären Berlin Mathias Niederberger im Dlf. Der Eishockey-Profi unterstützt den Verein "Hockey is Diversity" und fordert konsequente gegen Rassimus vorzugehen.

Mathias Niederberger und Martin Hyun im Gespräch mit Thomas Wheeler

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Eisbären-Torhüter Mathias Niederberger in Aktion während eines DEL-Spiels gegen RB München (IMAGO / Nordphoto)
Auf dem Eis beeindruckt Mathias Niederberger mit einer beeindruckenden Fangquote von über 90 Prozent (IMAGO / Nordphoto)
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Die Einstellung der DEL und dank Martin Hyuns interkulturellem Verein ""Hockey is Diversity" sei ganz klar. Und auch der 28-jährige Torhüter stellt sich klar gegen Rassismus in der Gesellschaft und der DEL. "Es ist sehr wichtig, wenn Äußerungen getroffen werden, wenn es Vorfälle gibt, dass man da hart und ehrlich dagegen vorgeht", sagte Mathias Niederberger im Dlf-Sportgespräch.

Wichtiges Engagement von "Hockey is Diversity"

Man müsse deutlich machen, dass ein Spaß am Rande oder so eine Aussage nicht einfach mal so eine Aussage sei, sondern für die betroffene Person auch sehr schmerzhaft und rassistisch sein könne: "Das hat einfach im Sport nichts zu suchen", sagte der Eishockey-Profi. Niederberger war einer der führenden Köpfe, der stellvertretend für seinen Klub Eisbären Berlin im März an einer Aktion des interkullturellen Vereins und der DEL gegen Rassismus teilgenommen hat. Einen konkreten Fall in der DEL habe er noch nicht mitbekommen. Dafür aber zu seiner Zeit, als er in der ICE Junior League in den USA spielte. Es sei wichtig, dass die DEL sich so positioniert. "Ich finde das toll, dass Martin mit 'Hockey is Diversity' so voranschreitet", sagte Niederberger, der mit noch nicht mal fünf Jahren sein erstes Turnier spielte und aus einer Eishockey-Familie stammt.

Die Nierbergers - eine Familie mit Eishockey im Blut

Sein Vater Andreas spielte bei der Düsseldorfer EG, sein Bruder Leon derzeit in Krefeld. Niederbergers Mutter stammt aus Italien. Seinen Eltern hätten den beiden Brüdern vermittelt, "dass, jeder Mensch gleich ist, egal welche Ethnie, welcher kulturelle Hintergrund oder religiöse oder sexuelle Ausrichtung er hat". Das habe ihm geholfen, "einen weiteren Blick auf die Dinge zu haben und solche Situationen auch zu erkennen und sich dementsprechend einzusetzen".

Martin Hyun: Viele Spieler hätten Rassismus erlebt

Die Unterstützung des noch jungen Projekts lag also nahe. Die DEL und "Hockey is Diversity" setzen sich für mehr Toleranz im Eishockey ein. Denn der Verein bekennt sich zur Vielfalt als Fundament und für einen respektvollen Umgang miteinander. Ziel ist es, aktiv gegen Rassismus, Rechtsextremismus und Diskriminierung vorzugehen. "In der Vergangenheit kam es immer wieder zu rassistischen Vorfällen in den Fankurven und auch in anderen Eishockey-Ligen in Deutschland, die aber nicht die mediale Aufmerksamkeit erhielten, wie der Piette-Acolatse-Fall", sagte Vereinsgründer Martin Hyun im Dlf.

In einem Testspiel vor dem Start der DEL-Saison hatte der Ingolstädter Daniel Pietta den Afroamerikaner Sena Acolatse von den Straubing Tigers mit einer rassistischen Geste beleidigt. "Gemeinsam mit der DEL und der Spielervereinigung wollten wir ein Zeichen setzen. Rassismus hat in unseren Stadien, Fankurven, Kabinen, Eisflächen und in unserer Gesellschaft nichts zu suchen", bringt Martin Hyun vom Verein "Hockey Is Diversity die Werte und Ziele des Vereins auf den Punkt.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (li) und Martin Hyun (re) vom Verein „Hockey Is Diversity“ (Deutschlandradio / Privat)DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (li) und Martin Hyun (re) vom Verein „Hockey Is Diversity“ (Deutschlandradio / Privat)

Die Angst vor Repressalien ist groß

Er hebt das Thema Rassismus im Eishockey sogar auf eine europäische Ebene. Man habe mit schwarzen Profispieler, die in Österreich, Schweden, der Schweiz und Deutschland aktiv seien, über Rassismus diskutiert. "Jeder dieser Spieler hat Rassismus erlebt und das sagt eigentlich schon alles", sagte Hyun im Dlf.

Bezogen auf Deutschland gebe es Erfahrungsberichte von "Players of Colour", die Rassismus erlebten, sich aber nicht trauten, dies publik zu machen. Aus Angst vor Repressalien, die eine weitere Karriere in der Eishockeywelt verbauen könnten. Lieber schweigen, um nicht als Troublemaker gebrandmarkt zu werden - das stimme ihn traurig. "Wir erleben aber auch, dass Teams, die von einem rassistischen Vorfall betroffen sind, versuchen dies runter zu spielen und den Mantel des Schweigens überzuziehen", sagte Hyun.

Mit dem Verein "Hockey is Diversity" ist Hyun auf die DEL zugegangen, um etwas zu verändern. Vereinbart wurden gemeinsame Maßnahmen im Kampf gegen Rassismus und für eine inklusive Willkommenskultur. "Die Partnerschaft beinhaltet unter anderem Diversity-Schulungen mit den DEL-Teams, der DEL-Geschäftsführung, aber auch Schiedsrichter und Linesmen", erklärte Hyun.

Vertragsunterzeichnung:  Martin Hyun (li) vom Verein „Hockey Is Diversity“ und DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (re) (Deutschlandradio / Privat)Vertragsunterzeichnung: Martin Hyun (li) vom Verein „Hockey Is Diversity“ und DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (re) (Deutschlandradio / Privat)

Ziel dieser Schulung sei es, dass die Teilnehmer Hintergrundwissen über Rassismus und seine Terminologien erhalten. Gemeinsam mit den Fanbeauftragten soll auch der Rassismus in den Fankurven angegangen werden. Doch die bleiben wegen der Coronapandemie vorerst leer.

Play-off-Spiele vor leeren Rängen

"Als Eishockey-Spieler liebt man es vor den Fans und Zuschauern zu spielen, das ist einfach eine ganz andere Energie, wenn 14.000 Leute im Stadion sind. Das nicht haben zu können, ist natürlich schade und tut natürlich auch sehr weh. Es tut uns sehr leid für die Fans, das ist halt dieses Jahr nicht möglich", sagte Mathias Niederberger mit Blick auf die Play-off-Spiele, die vor leeren Rängen stattfinden werden. Seit vier Monate läuft die Saison in der Deutschen Eishockey Liga. Eine Saison, von der lange nicht klar war, ob sie überhaupt beginnen würde.

Wegen der Corona-Pandemie wurde der Starttermin zweimal verschoben. Die außergewöhnliche Spielzeit geht mit dem Beginn der Play-offs um die deutsche Meisterschaft in die entscheidende Phase - allerdings unter anderen Voraussetzungen. Die Viertelfinals werden im Modus "Best of Three" gespielt. Das heißt: Die Mannschaft, die zwei Spiele gewinnt, steht im Halbfinale. Somit könnte sich ein Klub mit sechs Play-off-Siegen den DEL-Titel 2021 sichern.

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