Montag, 26. September 2022

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Eishockey-WM in Belarus
Sponsoren drohen mit Rückzug

Der Eishockey-Weltverband sieht sich nach einem Besuch beim belarusischen Diktator Lukaschenko internationaler Kritik gegenüber. Seit Monaten weigert sich der Verband, Belarus das Turnier zu entziehen. Obwohl Lukaschenko mit größter Brutalität gegen Protestierende und Oppositionelle vorgeht. Nun drohen Sponsoren mit ihrem Rückzug.

Von Robert Kempe | 17.01.2021

Fasel streckt beim Gestikulieren die Hand aus und spricht.
René Fasel, Präsident des Welt-Eishockey-Verbandes, beim Treffen mit dem belarussischen Machthaber Lukaschenko (picture alliance/dpa/TASS | Nikolai Petrov)
Ein Treffen am vergangenen Montag. Der IIHF-Präsident René Fasel ist zu Besuch beim belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko.
Zu Beginn umarmen sich die beiden innig. Es entstehen Bilder, die Fasel seitdem in Erklärungsnot bringen.
"Ich kenne Präsident Lukaschenko. Seit über 20 Jahren habe ich viel mit ihm Eishockey gespielt, Schiedsrichter gemacht, auch Zwei-Minuten-Strafen gegeben. Geht das? Und wir hatten eigentlich ein Verhältnis, wo man so hat unter Eishockey-Spielern."
So der 70jährige Schweizer im Interview mit der ARD-Sportschau. Seit Monaten hält sein Verband an einer Weltmeisterschaft, die zum Teil in Lettland und in der belarusischen Hauptstadt Minsk gespielt werden soll, fest. Trotz internationalen Drucks auch vom Co-Gastgeber Lettland. Lukaschenko wusste das Treffen für seine Botschaften zu nutzen.
"Ich sage ganz offen: Ich bin ganz ruhig. Wird der Internationale Eishockey-Verband gegenüber dem ungerechtfertigten Druck standhaft bleiben, dann werden wir die Weltmeisterschaft durchführen. Falls Lettland absagt, werden wir es in Belarus durchführen – es wird das beste Turnier der Geschichte."

Maas kritisiert WM

Gegen Kritik wehrt sich Fasel, man hätte Gutes bewirken und über den Sport eine Annäherung zwischen Lukaschenko und der Opposition erreichen wollen.
"Warum sollten wir das bereuen? Sicher nicht. Sicher nicht. Wir waren da. Wir haben nicht in einem Büro gesessen und haben einen Brief geschrieben und ihm gesagt: Sehr geehrter Herr Präsident, lieber Alexander, leider können wir die WM bei dir nicht organisieren, weil.... Nein, wir sind da hin gegangen. Wir haben ihm in die Augen geschaut. Wir haben gesagt "Iswinitje". Wir haben ein Problem. Und das haben wir gemacht."
Doch die Kritik am Weltverband ist immens. Auch Außenminister Heiko Maas äußerte sich jetzt gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe in Richtung des Weltverbandes. Die WM wäre das größte PR-Geschenke für Lukaschenko und ein verheerendes Signal an die Demonstrierenden, so der SPD-Politiker. Er hoffe, dass dies auch die Organisatoren einsehen. Der Außenminister forderte von der IIHF Haltung.

"Da wird es Lösungen geben müssen"

Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, geht derweil auf Tauchstation. Reindl wird als neuer Weltverbandspräsident gehandelt. Fasel, der seit 1994 der IIHF vorsteht, stellt sich nicht mehr zu Wahl.
Ein Interview mit Deutschlandfunk lehnte Reindl ab, schriftlich teilte er mit, dass er die Situation in Belarus total verurteile. Und weiter:
"In derartigen Situationen orientieren wir uns an den politischen Vorgaben der zuständigen politischen Institutionen und Ministerien. Trotzdem wurde und wird von der IIHF versucht, über den Eishockeysport zu Gunsten der Menschen, denen Inakzeptables widerfahren ist und die unschuldig in Haft sind, etwas zu bewirken. Ob das gelingt, ist aber mehr als fraglich und dann entstehen auch Situationen, da kann man nicht mehr zustimmen, da wird es Lösungen geben müssen."

"Es muss ein Wunder geschehen"

Bisher wollte der Verband sich mit Lösungen und Entscheidungen noch etwas Zeit lassen. Auch wenn Fasel, der auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees ist, inzwischen zu der Einsicht gekommen ist, dass eine WM in Belarus bei Eishockeyfreund Lukaschenko nur schwer durchsetzbar ist.
"Ich muss es sagen. Ich könnte fast sagen, es muss ein Wunder geschehen."
Fasels Wunder wird wohl ausbleiben. Denn jetzt machen die Sponsoren der WM Druck. Nivea, der deutschen Motorenölproduzent Liqui Moly und Hauptsponsor Skoda erklärten, sich als Sponsoren zurückzuziehen, sollte der Weltverband an Belarus als Austragungsort festhalten.
Am Montag will der IIHF-Vorstand zusammenkommen, gut möglich, dass die Entscheidung schon dann fällt. Co-Gastgeber Lettland hatte schon angeboten, dass Turnier auch alleinauszurichten. Als neue Spielorte sind aber auch Slowenien und Dänemark im Gespräch.