Montag, 05. Dezember 2022

70. Thron-Jubiläum
Queen Elizabeth II. - gelernt hat sie Automechanikerin

Am 6. Februar 1952 trat die britische Königin Elizabeth die Zweite ihr Amt an. 70 Jahre später ist sie damit die längstregierende Monarchin der Geschichte. Mit einem mutmaßlichen Privatvermögen von 4.320 Millionen Euro wohl auch die reichste. Die erste Medien-Queen ist sie in jedem Fall.

Von Almut Finck | 06.02.2022

Torte zum 70. Thronjubliäum: Elisabeth II. am 5. Februar 2022 in der königlichen Residenz in Norfolk:Torte zum Thronjubliäum : Die britische Königin Elisabeth II. schneidet am 5. F-ebruar 2022 in Sandringham House. der königlichen Residenz in Norfolk ein Festagstorte an
Torte zum 70. Thronjubliäum: Elisabeth II. (Mitte) am 5. Februar 2022 in der königlichen Residenz in Norfolk: (Picture-alliane / Joe Giddens)
Als Prinzessin Elizabeth Alexandra Mary fliegt sie nach Nairobi, als Königin Elizabeth II kehrt sie nach London zurück: Der britisch King George stirbt am 6. Februar 1952, automatisch rückt Elisabeth auf, seine erstgeborene Tochter. Auch wenn sie da gerade auf Safari in Kenia ist. 4.000 Meilen entfernt: „God save the Queen! Hip hip, hooray!"
Lilibet, wie die Familie sie nennt, ist zehn Jahre alt, als ihr Vater 1936 den Thron übernimmt. Sein Bruder Edward hat abdanken müssen, aus Liebe zu einer geschiedenen Frau. Elisabeth soll so normal wie möglich aufwachsen, lautet die Maxime der Eltern. Aber was heißt „normal“ hinter den Mauern von Schloss Windsor, wo die Familie die Kriegsjahre verbringt? Sie bekämen die übliche Kalorienration aller Briten, betont die spätere Queen Mum. Elisabeth und ihre Schwester Margaret stricken Socken für britische Soldaten. Als 18-Jährige schwört die Kronprinzessin, sie wolle der Nation ihr gesamtes zukünftiges Leben widmen:

Erlernter Beruf Ihrer Hoheit: Automechanikerin

Elisabeth ist knapp 26 Jahre alt, als sie die „Firma“, wie sie selbst sagt, übernimmt. Seit vier Jahren verheiratet, zwei kleine Kinder, zwei weitere folgen. Sie werden geboren, ohne dass ein Minister dem royalen Ereignis beiwohnen muss - zum ersten Mal nicht seit dem 18. Jahrhundert. Erlernter Beruf der jungen Monarchin: Automechanikerin. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie ausgebildet, bei der Armee.
Englands berüchtigte Tabloid Presse hat die Queen immer erstaunlich respektvoll behandelt. Allerdings hat die Monarchin der Meute von Anfang an Futter gegeben.

Nur einmal im Jahr politisch vernehmbar

Die Krönung 1953. Eine Inszenierung wie im Film. Es ist ein Film. Live-Kameras tragen Glanz und Gloria in die Welt. Und danach? Viel Repräsentieren, wenig Regieren. Zwar trifft sie wöchentlich den Premierminister. Auch hätte sie die Befugnis, das Parlament aufzulösen. Faktisch würde sie das nie tun. Politisch äußert sie sich nur einmal im Jahr: Im House of Lords stellt sie zu Beginn jeder Sitzungsperiode das neue Programm der Regierung vor. Was sie davon hält, sagt sie nicht.

15-faches Staatsoberhaupt

Fast alle Länder des Commonwealth hat sie bereist. Offizielles Staatsoberhaupt ist die Queen heute allerdings nur noch in 15 der insgesamt 54 souveränen Nationen dieses multikulturellen Staatenbundes aus Großbritannien, Nordirland sowie ehemaligen Dominions und Kolonien.

Deutschland besucht Elizabeth 1965 ganze elf Tage lang. In der nüchternen jungen Republik lernen Politikergattinnen schnell noch den Hofknicks: „Sie werden mit dem rechten Fuß einen kleinen Schritt zur Seite gehen, dann zieht der linke Fuß, möglichst mit einer auswärts gedrehten Fußspitze, zurück…“

Inszenierte Privatheit

Elizabeth ist die erste wirkliche Medienqueen. Bilder über Bilder. Die ewig grellfarbenen Kleider und Hüte? Damit man sie erkennt, in der Menge. Und vermeintlich „privat“? Kopftuch und Gummistiefel, Pferde und Corgis, Charles mit Segelohren, Anne mit weißblonden Löckchen, und immer wieder gerne die ganze Mannschaft in karierten Röcken in den schottischen Highlands.

Ritterschläge remote

Zeitgemäß besitzen Queen und königliche Firma heute ein Twitter-Account. Orden verleiht die 95-Jährige gegenwärtig per Zoom: "Schön Sie zu sehen, schade, dass es nur virtuell geht, begrüßt sie den alten Herrn, der die Medaille bekommt, und fragt ihn, was er denn nun anfange mit dem Ding, in einen Schrank stecken."
Sie möge ewig leben, wünschen traditionell die Untertanen der Queen. Aber ihr Begräbnis ist jetzt schon bis ins kleinste Detail geregelt. Elisabeths letzte Inszenierung in dieser Welt.