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Entschädigungen für VölkermordHerero wollen an Verhandlungen teilnehmen

Von Christiane Habermalz und Jan-Philipp Schlüter
Eine Gedenktafel auf dem deutschen Friedhof am Waterberg (Namibia) mit der Aufschrift "Dem Andenken der in der Schlacht am Waterberg gefallenen Hererokrieger". (picture alliance/dpa/Jörg Schmitt)
Eine Gedenktafel auf dem deutschen Friedhof am Waterberg (Namibia) für die Herero-Krieger (picture alliance/dpa/Jörg Schmitt)

Erst seit vergangenem Sommer nennt die Bundesregierung die Massaker der Truppen des Deutschen Kaiserreichs im damaligen Deutsch-Südwestafrika an den Herero und den Nama einen Völkermord. Nun soll in Verhandlungen über eine Entschädigung der Völker beraten werden - allerdings ohne ihre Beteiligung.

Mehr zu diesem Thema hören Sie heute Abend um 18.40 Uhr in der Sendung Hintergrund. Das Skript der Sendung können Sie online nach der Sendung hier lesen.

Der deutsche Unterhändler zu einer möglichen Entschädigung der Herero und Nama in Namibia, Ruprecht Polenz, ist zuversichtlich, dass die Gespräche mit der Regierung Namibias erfolgreich sein werden. Polenz sagte dem Deutschlandfunk, Deutschland müsse sein Bedauern über die Ereignisse vor bald 112 Jahren so zum Ausdruck bringen, dass "die namibische Seite dann sagen kann: Ja, das ist jetzt das Wort, die Sätze, auf die wir solange gewartet haben."

Dann werde darüber zu sprechen sein, was getan werde könne, "um die immer noch vorhandenen Wunden aus dieser Zeit zu heilen, Schmerzen zu lindern", und in welcher Form das geschehen solle. Polenz sagte, er denke an Jugendaustausche, Stipendien und sonstige Bildungsangebote.

Polenz wurde im November 2015 von der Bundesregierung zum "Sondergesandten für die deutsch-namibische Vergangenheitsbewältigung" ernannt. Seine Aufgabe ist, eine Antwort auf die Forderung der Herero und Nama nach einer Entschuldigung und einer Entschädigung für den Völkermord an ihren Vorfahren 1904 durch die damaligen kaiserlichen Truppen zu finden. Polenz (CDU) war bis 2013 Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.

Direkte Reparationen für die Herero und Nama wollte Polenz gegenüber dem Deutschlandfunk nicht in Aussicht stellen.

Herero wollen trilaterale Verhandlungen

Herero-Vertreter Vekuii Rukoro im Gepräch mit Stephan Karkowsky (Deutschlandradio Kultur / Stefan Ruwoldt)Herero-Vertreter Vekuii Rukoro. (Deutschlandradio Kultur / Stefan Ruwoldt)Forderungen von Herero-Vertretern, an den Verhandlungen beteiligt zu werden, wies Polenz zurück. Verhandlungspartner für Deutschland sei die namibische Regierung. Es sei Sache der namibischen Regierung, dafür zu sorgen, dass die Ergebnisse dann auch im ganzen Land akzeptiert würden. Der Paramount-Chef (das gemeinsame Oberhaupt) der Herero in Namibia, Vekuii Rukoro, verlangte gegenüber dem Deutschlandfunk:

"Das deutsche Parlament muss eine Resolution verabschieden, wonach das, was hier passiert ist, ein Genozid war. Dann muss Deutschland ein Regierungsmitglied schicken, welches sich bei uns Herero offiziell entschuldigt. Drittens muss Deutschland sich verpflichten, uns Reparationen zu zahlen. Und Deutschland muss trilateralen Verhandlungen darüber zustimmen. Mit Vertretern der Nama- und Herero-Völker, der namibischen Regierung und der deutschen Regierung."

Der von der namibischen Regierung gestellte Unterhändler, der ehemalige Diplomat Zed Ngavirue, erklärte dagegen, das Ziel sei ein Abkommen zwischen beiden Regierungen. Der Dialog habe jetzt begonnen. Ngavirue, selbst ein Herero, betonte gegenüber dem Deutschlandfunk: "So sehr ich auch Teil dieses Volkes bin, bin ich doch Nationalist und denke an ganz Namibia. Das ist auch mein Mandat, ich werde nicht alleine Herero-Interessen vertreten."

Die deutsche Bundesregierung hofft, die Verhandlungen noch dieses Jahr abschließen zu können.

Namibia hat seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1990 über 800 Millionen Euro Entwicklungshilfe bekommen. Die namibische Regierung wird vor allem vom Volk der Ovambo gestellt. Im Jahr 2004, zum 100. Jahrestag des Genozids an den Herero und Nama durch die kaiserlichen Truppen unter Lothar von Trotha, hatte die damalige deutsche Entwicklungsministerin Heidi Wieczorek-Zeul (SPD) bei einem Festakt in Namibia erstmals eine Entschuldigung ausgesprochen. Seit dem Sommer 2015 nennt die Bundesregierung die Ereignisse aus der Kolonialzeit auch offiziell Völkermord.

 

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