Mittwoch, 06. Juli 2022

DOSB-Forderungen an die Politik
"Merklich etwas daran ändern, wie Sport wahrgenommen wird"

Der DOSB fordert in einem Eckpunktepapier ein Umsteuern in der deutschen Sportpolitik. DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein sagte im Dlf, das Papier sei ein Gesprächsangebot an die Bundesregierung. Es gehe dabei nicht nur um monetäre Förderungen, „sondern auch, dass wir mit an einem Tisch sitzen.“

Michaela Röhrbein im Gespräch mit Marina Schweizer | 28.05.2022

Dasv Logo des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Die Vereinslandschaft in Deutschland müsse maximal gestärkt und unterstützt werden, DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein im Dlf. (picture alliance / dpa-Zentralbild / Britta Pedersen)
In einem Eckpunktepapier fordert der Deutsche Olympische Sportbund ein Umsteuern in der deutschen Sportpolitik. Der Sport soll Sache des Kanzleramts werden und die Bundespolitik soll künftig auch für den Breitensport zuständig sein, nicht nur für den Leistungssport. Laut dem Olympischen Dachverband ist das Papier ein Gesprächsangebot an die Bundesregierung.
Der DOSB bringt darin außerdem eine Aufnahme von Sport, Bewegung und Leistungssport ins Grundgesetz ins Spiel - um deren Stellenwert zu würdigen. Weitere Handlungsfelder sieht der DOSB im Bereich Ehrenamt, in der Gesundheitspolitik, beim Sanierungsstau der Sportstätten und auch im Bereich Klimaschutz. Die Bundesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag einen "Entwicklungsplan Sport" angekündigt. Gemeinsam mit dem zuständigen Bundesinnenministerium will der DOSB dieses Großprojekt mittelfristig mit Leben füllen.
DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein
DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein (re.) bei einer Veranstaltung im Jahr 2020 (imago /Hartenfelser)

Röhrbein: Vereinslandschaft muss maximal gestärkt werden

DOSB-Vorständin Sportentwicklung Michaela Röhrbein sagte im Dlf, der DOSB wolle einen Beitrag dazu leisten, die Bevölkerung gesund zu halten. Die Vereinsstruktur in Deutschland sei dabei ein wichtiger Baustein. Sie liefere mehr, als nur die Menschen in Bewegung zu bringen. Die Vereine seien auch wichtig bei den Themen Integration, Inklusion oder Demokratieförderung. Die Vereinslandschaft in Deutschland müsse deshalb maximal gestärkt und unterstützt werden, sagte Röhrbein.
Besonders in der Coronazeit hatten viele Menschen Pandemie-bedingt eher auf den Individualsport gesetzt. Die Mitgliederzahlen in Sportvereinen waren stark gesunken. Röhrbein meint, dass man gerade deshalb wieder mehr Anlässe schaffen müsse, im Verein Sport zu treiben. Es sei wichtig, „dass genau diese Anlässe gestärkt werden und wiederbelebt werden.“
Auch beim Ehrenamt müsse mehr Motivation geschaffen werden. Dafür wolle man auf qualitativ gute und kostengünstige Ausbildungsmöglichkeiten für Übungsleiter sowie Trainerinnen und Trainer setzen.
Röhrbein hält die Forderungen des DOSB an die Politik für angebracht. Man wolle auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen. Es gehe dabei nicht nur um monetäre Förderungen, „sondern auch, dass wir mit an einem Tisch sitzen.“
Zum Beispiel bei dem Impuls, den Bewegungsmangel in der Bevölkerung zu reduzieren. "Im Fokus steht jetzt erst mal, dass wir in den verschiedenen Querschnittsthemen, die den Sport immer wieder berühren, mit auf Augenhöhe sprechen und berücksichtigt werden.“
Zwar gibt es laut Papier einen starken Fokus auf den Breitensport, der laut DOSB-Eckpunktepapier auch im Bund angesiedelt werden soll, es sei aber weiterhin wichtig, Breitensport und Leistungssport zusammen zu denken, betont Röhrbein. Wenn man in Bildung investiere und in Trainerinnen und Trainer, wirke sich das unmittelbar auf Breiten- und Leistungssport aus. Auch von Investitionen in Sportstätten profitierten beide Seiten. „Es geht immer wieder darum, dass wir den Vereinssport stärken müssen. Das ist meines Erachtens der Kern des Papiers“, sagt Röhrbein.

DOSB will deutliches Zeichen setzen

Man habe nicht den Anspruch, dass alle Impulse innerhalb eines Jahres oder der Legislaturperiode umgesetzt würden. Man wolle aber „merklich etwas daran ändern, wie Sport wahrgenommen wird“, betont Röhrbein. Deshalb wolle man die Herausforderungen jetzt unmittelbar angehen – „Hand in Hand mit den Vereinen, mit unseren Mitgliedsorganisationen und der Politik.