Mittwoch, 27.10.2021
 
Seit 00:05 Uhr Fazit
StartseiteMarktplatzErfahrungen mit einem Blockheizkraftwerk in einer Therme06.06.2013

Erfahrungen mit einem Blockheizkraftwerk in einer Therme

Mini-Blockheizkraftwerke gibt es auch für Wohngebäude

Großverbraucher wie Wasserthermen müssen per Gesetz zu 15 Prozent des Wärmebedarfs über regenerative Energien nutzen. Hallenbadbetreiber Andreas Schauherr hat das für seine Therme in Rilchingen mit einem Blockheizkraftwerk umgesetzt – die hohen Investitionskosten sollen sich langfristig auszahlen.

Von Tonia Koch

Investitionen in neue Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien sollten sich schnell amortisieren. (dpa / Julian Stratenschulte)
Investitionen in neue Anlagen zur Nutzung regenerativer Energien sollten sich schnell amortisieren. (dpa / Julian Stratenschulte)
Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Stromintensive Betriebe könnten Befreiung verlieren

"Wir haben bei uns eine Grundversorgung und die Spitzenlast nehmen wir aus dem Netz."

Andreas Schauer, Bauherr und Betreiber der Therme hat die Anlage nach knapp zweijähriger Bauzeit im vergangen Herbst in Betrieb genommen. Das bedeutet, nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz war er verpflichtet, 15 Prozent seines Wärmebedarfes über regenerative Energien oder über entsprechende sogenannte Ersatzmaßnahmen darzustellen und dazu zählt die Kraft-Wärme-Kopplung. Ohnehin sei eine KWK-Anlage, die eben Strom und Wärme erzeugt für die Bedürfnisse eines Hallenbades geradezu ideal.

"Sie haben keine Leitungsverluste. Bei uns kommt natürlich hinzu, dass wir ein relativ gleichmäßiges Lastabnahmeprofil haben, d.h. über den Jahresverlauf aber auch über den Tagesverlauf brauchen wir relativ gleichmäßig viel Strom aber auch Wärme. Natürlich nimmt das im Sommer etwas ab, aber nicht so wie bei privaten Wohnhäusern und Wohnungen."

Das Blockheizkraftwerk verfügt über eine elektrische Leistung von 70 Kilowatt. Das Bad verbraucht jedoch zu Spitzenzeiten das Dreifache an Strom. Ausschlaggebend für die Dimension eines BHKW ist jedoch nicht die Stromseite, sondern die Wärmeseite. Vor allem im Sommer. Diese Begrenzung in den Ausmaßen dürfe man nicht aus den Augen verlieren, erläutert der Technikchef der Saarlandtherme, Roland Eberle.

"Im Zweifel geht man aus wirtschaftlichen Erwägungen eher eine Stufe kleiner, um lange Laufzeiten über die Sommermonate sicherstellen zu können. Und die 70 KW Strom bedeuten etwa 120 KW Wärme und damit ich diese Wärme auch effizient nutzen kann, brauche ich Abnehmer, die diese auch noch bei 30 Grad Außentemperatur noch verbrauchen und nicht vernichten."

Damit das auch gelingt, verfügt das BHKW über Zwischenspeicher. Es handelt sich um einen großen Behälter. Darin wird Wasser auf etwa 80 Grad erhitzt und bei Bedarf in die Schwimm-Becken abgeleitet. Seit Oktober läuft das BHKW der Saarland-Therme rund um die Uhr und kommt so auf knapp 8000 Betriebsstunden. Die Investition allerdings inklusive sämtlicher Gebäude, Leitungen, Kesselanlagen, belief sich auf etwa eine Million Euro, die sich dank steuerlicher Regeln sehr schnell amortisieren wird, sagt Andreas Schauer.

"Da wir unseren eigenen Strom erzeugen und ihn auch gewerblich nutze, spare ich zum Beispiel die Stromsteuer."

Die EU-Kommission hat einer weiteren steuerlichen Entlastung von Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zugestimmt. Das hat das Bundesfinanzministerium im März bekannt gegeben. Sämtliche hocheffizienten Anlagen, die einen Nutzungsgrad von mindestens 70 Prozent aufweisen, sind von der Energiesteuer weiterhin befreit. Allerdings nur so lange, bis die Hauptbestandteile der Anlage, wie zum Beispiel die Gasturbine oder der Generator abgeschrieben sind. Bis dahin werden beim Einsatz von Gas zum Beispiel pro Kilowattstunde 0, 55 Cent erstattet. Nach dem Abschreibungszeitraum nach etwa zehn Jahren werden wieder Steuern fällig, und zwar eine auf europäischer Ebene festgesetzte Mindeststeuer, die je nach Brennstoff unterschiedlich berechnet wird.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk