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StartseiteCampus & KarriereMitbauen am digitalen Shoah-Denkmal27.01.2021

Erinnern an den HolocaustMitbauen am digitalen Shoah-Denkmal

Deportationslisten, Vermerke über Todesmärsche und Häftlings-Personal-Karten: Die Arolsen Archives haben über Jahrzehnte Millionen Dokumente zum Holocaust gesammelt. Nun gilt es diese zu digitalisieren. Mitmachen kann jeder - um das digitale Shoah-Denkmal "Every Name Counts" mit zu bauen.

Von Daniela Remus

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Eine Hand hält in den Räumen des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes (ITS) im nordhessischen Bad Arolsen Häftlingskarten und weitere Dokumente eines Zwangsarbeiters (Archivbild vom 25.11.2004). Um die oft erschütternden Dokumente für die kommenden Generationen zu erhalten, hat die Restaurierung der vom Verfall bedrohten Akten begonnen. Der ITS verwaltet 47 Millionen Dokumente mit Hinweisen auf 17 Millionen Opfer des NS-Regimes. Jährlich sollen in einer Spezialmaschine rund 200 000 Dokumente entsäuert und entlaminiert werden, sagt ITS-Archivverwalter Udo Joos. Foto: Uwe Zucchi dpa/lhe (zu lhe Korr-Bericht "Kriegspapier zerfällt: Zwangsarbeiter-Archiv wird restauriert" vom 13.12.) +++(c) dpa - Report+++ (picture-alliance/ dpa/dpaweb | Uwe Zucchi)
Über die Jahrzehnt haben die Arolsen Archives über 26 Millionen Dokumente zur Shoah gesammelt. Jetzt gilt es diese zu digitalisieren. (picture-alliance/ dpa/dpaweb | Uwe Zucchi)
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"Baut mit uns ein digitales Denkmal", heißt es auf der Startseite des Internationalen Zentrums zur Er­for­schung der NS-Verfolgung mit dem Namen Arolsen Archives. Denn mit dem Projekt "Every Name Counts", "Jeder Name zählt", sol­len Frei­willige dabei helfen, die weltweit größte Samm­lung historischer Do­kumente zur NS-Verfolgung zu digita­lisieren, erklärt Flo­riane Azoulay, die Direktorin des Archivs: "Wir haben in unserem Archiv sehr viele Namen aus sehr vielen Dokumenten, aber die meisten sind nicht einsehbar, die kann man nicht direkt recherchieren. Und uns war es wichtig, dass Angehörige oder Leute aus der ganzen Welt diese Namen auffinden können."

Ob Deportationslisten, Vermerke über Todesmärsche oder Häftlings-Personal-Karten: Über 26 Millionen Dokumente haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs, das die Alliierten nach 1945 eingerichtet haben, ein­ge­scannt und online gestellt. Was fehlt, ist ihre digitale Erfassung. 

Digitalisieren auf dem Arbeitsweg

"Hier ist diese Seite, da sieht man hier links den Scan von einer Häftlingskarte und hier rechts sind die Felder, wo man am Computer eintippen soll was man hier der Karte entnehmen kann", erklärt der 23-jährige Student Simon Projahn. "Und dann haben wir hier das Feld für den Nachnamen zum Beispiel. Dann suche ich hier auf der Karte, ob man den irgendwo finden kann, der steht da, dann kann ich den hier eintragen." 

Die Freiwilligen wie Projahn übertragen die Daten von Häftlingskarten oder De­por­tationslisten in Com­puter, Laptop oder Smartphone. 2,5 Millionen Dokumente haben sie auf diese Weise bereits digitalisiert. Crowd-Sourcing oder auch Crowd-Working heißt dieses Vorgehen, bei dem Freiwillige mitmachen, weil Aufgaben anders nicht bewältigt werden können. 

Wachturm und Stacheldrahtzaun am Rande der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz. (dpa/picture alliance/dpa-Zentralbild/Britta Pedersen) (dpa/picture alliance/dpa-Zentralbild/Britta Pedersen)Unternehmen zum Holocaust-Gedenktag: "Wir haben uns schuldig gemacht"
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"Wir haben heute über 10.000 registrierte Freiwillige, die regelmäßig mitmachen, darunter würde ich sagen, Superuser, die so kompetent sind, so versiert sind, so gelehrt sind. Im Grunde genommen, moderieren sie mit und helfen uns mit speziellem Wissen die Daten wesentlich besser aufzubereiten", erzählt Direktorin Azoulay.

Einer dieser Superuser ist Andreas Weber. Der Berliner, von Haus aus Physiker, beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Holocaust. "Und bin dann in dieses Archiv gekommen und fand es ganz großartig aufbereitet und habe dann gleichzeitig dieses Projekt entdeckt, dass die online Leute, Freiwillige suchen, die dort mitmachen", erzählt Weber. Mittlerweile hat er bereits über 4000 Dokumente digitalisiert. 

"Ich hab es so gemacht, ich hab sehr viel vom Smartphone aus eingegeben, ich hab einen langen Arbeitsweg, 1,5 Stunden, und das ist prima, man sitzt in der S-Bahn und tippt Sachen ein. Da hab ich dann zum Beispiel auf einer Fahrt ungefähr 20 Karteikarten eingetragen", erzählt Weber. 

"Jüngere Generationen anzusprechen"

Bei dem Projekt geht es um zwei Ziele: Um die Digitalisierung der historischen Dokumente und um eine zeitgemäßere Form der historischen Erinnerung, so Floriane Azoulay. Denn das mache die Zusammenarbeit mit den Schulen deutlich: Die meisten Jugendlichen könnten mit der traditionellen Erinnerungskultur wenig anfangen. Durch die Mitarbeit am Projekt aber, seien sie bereit, sich aktiv mit der Vergangenheit aus­einanderzusetzen.

Deshalb sei sie froh, so die Direktorin der Arolsen Archives, dass viele junge Menschen auch jenseits vom Schulunterricht mitmachten: "Uns geht es wirklich darum, jüngere Generationen anzusprechen und sie dafür zu motivieren, an diesem digitalen Denkmal mitzumachen, indem sie mit ihrem Beitrag, mit ihrem eigenen Namen ein Zeichen setzen und die Namen von Opfern und deren Familien aufnehmen." 

Eine ältere Frau wirft eine Rose zum Gedenken in das Wasser des Schwedtsees am 19.04.2015 in der Mahn- und Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers Ravensbrück bei Fürstenberg (Brandenburg), anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 70. Jahrestag der Befreiung des Lagers.  (picture alliance / Patrick Pleul) (picture alliance / Patrick Pleul)Geplanter Polen-Gedenkort in Berlin
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Gerade jetzt, wo sich vermehrt antisemitische Verschwörung­s­ideologien im Netz verbreiteten und Politiker sich trauten, die NS-Zeit öffentlich als Vogel­schiss der Geschichte abzutun, sei es wichtig, dem etwas entgegenzusetzen, findet Simon Projahn:

"Das fand ich eine gute Sache, weil man ja durchaus direkte Namen und Daten über Menschen bekommt, denen halt was Schreckliches wiederfahren ist. Das fand ich sehr berührend. Aber andererseits fand ich es ein gutes Gefühl, dass man wusste: Ich habe dadurch, natürlich nur sehr klein, aber doch einen Anteil daran gehabt, dass das Andenken an diese Zeit nicht komplett verloren geht." 

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