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StartseiteCampus & KarriereMentoring von der Schule bis zum ersten Arbeitsvertrag28.07.2018

Essener FörderprojektMentoring von der Schule bis zum ersten Arbeitsvertrag

In vielen Jugendlichen schlummern bessere Aufstiegspotentiale, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Der Essener Verein "Paten für Arbeit" coacht seit 20 Jahren solche Kandidaten - von der Ausbildungssuche über die gesamte Ausbildung hinweg bis in das erste Arbeitsverhältnis.

Von Dirk Groß-Langenhoff

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Ein Artwork, das zwei junge Anzugträger zeigt (imago stock&people)
Nicht jeder Schüler ist ohne Begleitung und Anleitung ins Arbeitsleben zu integrieren. Ein Essener Projekt setzt daher auf ein langfristiges Eins-zu-eins-Mentoring. (imago stock&people)
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Anne Koch hatte selbst schon zwei Patenkinder und kümmert sich inzwischen im Vorstand des Vereins ehrenamtlich um die Koordination der einzelnen Paten. Der Verein hat Kooperationen mit einer Hauptschule und drei Gesamtschulen in Essen. Die Paten werden in den Klassen 8 und 9 aktiv. Die Klassenlehrer schauen dann, welche Schüler für das Patenprojekt in Frage kämen, sagt Anne Koch.

"Das kann sein, dass es familiäre Probleme gibt. Kann sein, dass es schulische Probleme gibt. Kann sein, dass die so genannten Kopfnoten nicht so sind, wie die Firmen sie gerne haben: Pünktlichkeit, Ordnung und so weiter. Und dann versuchen wir diese Kinder mit Paten zusammen zu bringen. Das ist dann ein Eins-zu-eins-Verhältnis - ein Pate, ein Kind."

Paten brauchen hohe Frustrationstoleranz

Aus eigener Erfahrung kann Anne Koch sagen, dass man als Pate eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen muss. Denn es gibt immer wieder auch Schüler, die sich nicht auf das Projekt einlassen wollen und gar nicht erst zu verabredeten Treffen erscheinen. Dann wird die Patenschaft auch schnell wieder beendet. Doch wenn das Patenkind mitmacht, bekommt es die Unterstützung, die im Elternhaus fehlt.

"Die Paten helfen bei der Entscheidung für den Beruf, sie helfen bei den Bewerbungen später, vielleicht auch vorher schon Praktikumsplätze zu finden, um überhaupt festzustellen, wo möchte ich gerne hin, und begleiten, wenn es denn zum Ausbildungsplatz gekommen ist, den Jugendlichen auch durch die ganze Ausbildung, haben Kontakt mit den Lehrern, mit der Firma, wo der Jugendliche arbeitet, und im besten Fall endet das mit einem Abschluss."

Win-win für Jugendliche und Betriebe

Der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und öffentliche Zuschüssen. Das meiste Geld fließt in die Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Denn der Verein schafft Ausbildungsplätze bei kleineren Unternehmen, die diese Plätze sonst nicht angeboten hätten, und für Jugendliche, die auf dem regulären Ausbildungsmarkt leer ausgegangen wären. Das ist aber die Ausnahme. Paten wie Gerd van Strien versuchen für ihre Patenkinder natürlich zuerst reguläre Ausbildungsplätze zu finden:

"Man hilft ja zunächst mal beim Bewerbungsschreiben oder auch bei den Vorbereitungen für die Einstellung, beim Bewerbungsgespräch. Das wird jetzt in diesem Fall nicht mehr so aktuell sein, aber das wäre mein Job gewesen."

Gerd van Strien, ehemaliger Lehrer an einem Berufskolleg, spricht im Konjunktiv. Denn bei seinem Patenkind ist alles ganz anders gekommen, als ursprünglich gedacht. 

"Ich lernte Hassan ja kennen, als er in der Klasse neun war und sein Lehrer hat mir dann so durch die Blume zu verstehen geben: Ja, so richtig im Abitur sieht er ihn noch nicht, aber man könne ihn ja vielleicht animieren, noch mehr für die Schule zu tun und sich zu engagieren. Wir haben Potenzial, und er sei sehr zuverlässig und ein freundlicher Mensch, und ich sollte es doch mal mit ihm versuchen."

Patenschaft bis zum ersten Arbeitsvertrag

Statt in eine Ausbildung ging es für Hassan Khan also direkt Richtung Oberstufe und Abi. Der 19-Jährige hat pakistanische Eltern. Zuhause wurde kein Deutsch gesprochen, was wohl der Hauptgrund dafür war, dass er Probleme in der Schule hatte. Erst durch seinen Paten lernt er richtig Deutsch und wählt das Fach sogar als Leistungskurs in der Oberstufe. Aber: Mit dem Abi in der Tasche macht Hassan Khan nun das, was viele seiner Altersgenossen tun:

"Jetzt möchte ich weiter studieren. Ich hab mich in vielen Studiengängen eingeschrieben und versuche halt in BWL, VWL oder auch im Medizintechnik reinzukommen."

Für seinen Paten Gerd van Strien bedeutet dies, dass die Patenschaft noch eine Weile andauern wird. Denn die ist erst beendet, wenn Hassan Khan seinen ersten Arbeitsvertrag in der Tasche hat.

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