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StartseiteSport AktuellAufregung um Granulat für Kunstrasen22.07.2019

EU-Richtlinie zu MikroplastikAufregung um Granulat für Kunstrasen

Tausenden Kunstrasenplätzen in Deutschland droht das Aus. Grund ist eine geplante EU-Richtlinie zur Vermeidung von Mikroplastik. Davon betroffen ist vor allem der Fußball. Der DFB sieht den Amateur-und Jugendsport gefährdet, doch das Bundesinnenministerium beruhigt.

Von Gudula Geuther

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Fußballschuhe mit den deutschen Landesfarben tritt gegen den Ball, dabei löst sich Granulat aus den Kunstrasenhalmen (imago /  Ulmer)
Problem Mikroplastik: Es wird durch Wind oder Schuhsohlen abgetragen (imago / Ulmer)
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Alles nicht so schlimm. Nach Warnungen vor einem möglichen Aus für rund 6.000 Kunstrasenplätze in Deutschland bemüht man sich im Bundesumweltministerium um Relativierung. Konkret geht es dabei nicht um den Kunstrasen selbst, sondern um das zwischen den Plastikhalmen aufgebrachte Granulat. Das könnte ab 2022 verboten werden.

DFB sieht Amateur- und Jugenfußball gefährdet

Der Deutsche Fußballbund, so schrieb es am Wochenende die "Welt am Sonntag", fürchtet nun um den Amateur- und vor allem um den Jugendfußball. Viel zu früh, so glaubt man im Bundesumweltministerium. Denn die Europäische Chemikalienagentur prüfe bisher erst, und das in einem frühen Stadium. Tatsächlich gibt es bisher erst einen Entwurf, den die Behörde vor vier Monaten veröffentlicht hat. Seitdem sammelt sie weitere Informationen, können Einwände erhoben werden.

Der Agentur geht es um Mikroplastik insgesamt, Ausnahmen und Übergangsfristen sind zwar möglich - für das Granulat im Kunstrasen aber bisher nicht vorgesehen. Der grüne Bundestagsabgeordnete Erhard Grundl, Mitglied im Sportausschuss, sieht das Problem.

"Das ist ein Problem für die Umwelt, somit für uns alle. Die kostengünstigste Variante besteht ja aus den Altreifen – Füllmaterial auf den meisten Kunstrasenplätzen in Deutschland."

Verwehungen auf Rang fünf aller Quellen für Mikroplastik

Und die sind deshalb auch am weitesten verbreitet, auf 80 bis 90 Prozent schätzt die britische Öko-Consulting-Firma Eunomia ihren Anteil. Autoreifen aber sind schadstoffbelastet, zum Beispiel mit Zink. Und: Das Mikroplastik wird abgetragen, durch Wind oder Schuhsohlen. Nach einer Studie des Fraunhofer Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik rangieren die Verwehungen von Sportplätzen auf Rang fünf aller Quellen für Mikroplastik. Nähere Wasser-Untersuchungen gab es in Norwegen. Die Ökologin Claudia Halsband, die für das norwegische Forschungsinstitut Akvaplan Niva Auswirkungen auf Mikroorganismen untersucht hat, sagte dem Deutschlandfunk:

"Das dauert Hunderte, Tausende von Jahren bis sich das natürlich in seine Bestandteile zersetzt. Und auf dem Weg dorthin können Sie eine Menge Wechselwirkungen mit Organismen haben, auf allen Größenskalen."

Kork und Quarzsand als Alternativen

Kurzfristig aber fürchtet der DFB, dass die Sanierung eines Platzes Vereine und Kommunen überfordern könnte. Auch hier bemüht sich das Umweltministerium zu beruhigen: Betroffen von den möglichen neuen EU-Regeln seien nur neue Plätze – oder alte, wenn Granulat nachgefüllt werde. Dafür aber gebe es – Zitat: "offenbar" – Alternativen. So habe man in Hamburg weniger gute Erfahrungen mit Kork, aber schon seit 2006 gute mir Quarzsand gemacht.

Seehofer will Übergangszeit von sechs Jahren

Der Grüne Sportpolitiker Grund hält jetzt vor allem Beratung für nötig, denn jeder Platz sei anders.

"Da ist aus unserer Sicht natürlich auch die Bundesregierung, das Bundesinnenministerium gefordert, da ist auch der DFB, DOSB gefordert, dass man hier den Vereinen Anlaufstellen bietet."

Der Bundesinnen- und Sportminister Horst Seehofer hatte sich am Wochenende für eine sechsjährige Übergangszeit ausgesprochen. Zuerst aber erarbeiten unabhängige Wissenschaftler auf europäischer Ebene Gutachten zu Gesundheitsrisiken und auch gesellschaftlichen Folgen von Verboten, auch für den Sport.

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