Beitrittsprozess
EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro - UNO-Repräsentant Schmidt: EU bei Kommunikation "stark verbesserungsbedürftig"

In Montenegro sind zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs zum EU-Westbalkan-Gipfel zusammengekommen. An dem Treffen nimmt auch Bundeskanzler Merz teil. Deutschland und Frankreich wollen die Verhandlungen zu einem EU-Beitritt der Westbalkan-Staaten beschleunigen und haben ein Positionspapier erarbeitet.

    Bundeskanzler Merz mit Ursula von der Leyen, Antonio Cost, Emmanuel Macron und Aleksandar Vucic
    Balkangipfel (AFP / LUDOVIC MARIN)
    In dem Papier sprechen sie sich für Integrationsschritte bereits vor einer Vollmitgliedschaft aus, um Anreize für Reformen zu schaffen. Werden bestimmte Kriterien erfüllt, sollen ein privilegierter Zugang zum Binnenmarkt und die Entsendung von Beobachtern in EU-Institutionen möglich sein.
    Der UNO-Beauftragte für Bosnien und Herzegowina, Schmidt, begrüßte ein solches Vorgehen. Er sagte im Deutschlandfunk, bislang habe man beim EU-Beitritt immer nach dem Prinzip ”100 Prozent oder gar nichts” gearbeitet. Stattdessen müsse man stufenweise vorgehen und könne zum Beispiel jungen Start-Ups den Weg zum Binnenmarkt öffnen. Grundsätzlich gehe es darum, die Menschen auf dem Westbalkan zu gewinnen - und hier sei die EU kommunikativ "stark verbesserungsbedürftig".

    "Große Erwartungen" in Montenegro

    Der Leiter der Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Serbien und Montenegro, Devcic, sprach - ebenfalls im Deutschlandfunk - von großen Erwartungen an das Treffen. Es sei das erste Mal seit der Unabhängigkeit vor 20 Jahren, dass ein Gipfel dieser Größenordnung in Montenegro stattfinde. Das Land habe den ambitionierten Plan, 2028 der Europäischen Union beizutreten. Dafür müssten in diesem Jahr noch mehrere Vorgaben erfüllt werden. Devcic führte aus, dass ein EU-Beitritt Montenegros auch positive Effekte auf andere Länder des Westbalkans haben könnte.

    Aus dem Deutschlandfunk-Programm:

    Westbalkangipfel – Der Kanzler kommt mit Angeboten (Audio)
    Westbalkangipfel – Warum Montenegro und Albanien Klassenbeste sind (Audio)
    Westbalkangipfel in Tivat: Gibt es Fortschritt im Hinblick auf die EU-Mitgliedschaft für „die anderen Staaten“? (Audio)
    Diese Nachricht wurde am 05.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.