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EurostatInflation im Euroraum bei 0,5 Prozent

Der Anstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone ist im März so niedrig gewesen wie zuletzt im Oktober 2009. Die Inflationsrate in den 18 Mitgliedsländern betrug 0,5 Prozent, erklärte die EU-Statistikbehörde Eurostat. Am Donnerstag wird der EZB-Rat über die Zinsen im Euroraum entscheiden.

Von Brigitte Scholtes | 31.03.2014

ILLUSTRATION - Ein Eurozeichen spiegelt sich am 08.01.2014 in Frankfurt am Main (Hessen) im Auge einer Frau (Aufnahme gespiegelt). Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Die Inflation im Euroraum ist so niedrig wie in der Finanzkrise. (dpa/Daniel Reinhardt)
Einen weiteren Preisrutsch in der Eurozone hatten bis vor einigen Tagen die wenigsten Beobachter erwartet. Die Inflationsrate ist im März auf 0,5 Prozent gefallen nach 0,7 Prozent im Februar. Viel weiter sollte es aber nicht heruntergehen, hofft Rolf Schneider, Volkswirt der Allianz:
"Ich glaube, wir sind im Vorjahresabstand ziemlich nah am, Tiefpunkt. Zu der Vorjahresinflationsrate hat wohl auch beigetragen, dass saisonabhängige Nahrungsmittel in diesem Jahr etwas früher auf den Markt gekommen sind und die Preisentwicklung gedrückt haben. Ich rechne damit, dass wir am Jahresende wieder bei einer Inflationsrate sind von einem Prozent im Euroraum oder sogar etwas mehr."
Die aktuelle Inflationsrate von 0,5 Prozent liegt zwar weit unter dem Ziel der EZB, nach dem die Preise um knapp zwei Prozent steigen sollen, damit Preisstabilität gewährleistet ist. Eine Deflation kann Schneider aber nicht erkennen:
"Wir sehen in vielen europäischen Ländern, dass die Konsumentenstimmung sich verbessert, das ist nun wirklich kein Anzeichen von Deflation. Bei Deflation würden Käufe zurückgestellt, weil man glaubt, dass die Preise weiter fallen, aber im Augenblick ist das sicherlich eine gesunde Disinflationsentwicklung, die auch einher geht mit einer höheren preislichen Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Länder. Und wir sehen in all diesen Ländern eine Konjunkturerholung. Und sie dürfte im ersten Quartal eher stärker ausgefallen sein, als wie es bisher dachten."
Ohnehin richtet sich die EZB nicht nach dem Wert von ein oder zwei Monaten in ihrer Geldpolitik, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Ihre Aufgabe sei es, mittelfristig, also über sechs Monate bis hin zu ein oder zwei Jahren den Trend zu erkennen, bevor sie über mögliche Schritte entscheide:
"Die Frage, ob sie noch gegen einen dann eventuell dann festzustellenden Trend zu schwacher Preisentwicklung oder sogar Deflation, ob sie da was tun muss, die wird in den nächsten Monaten fallen."
Volkswirte rechnen nicht mit Zinssenkung
Deshalb rechnen die meisten Volkswirte nicht damit, dass die Notenbank auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag über eine Zinssenkung befindet. Der wichtigste Leitzins liegt ohnehin bei niedrigen 0,25 Prozent. Rolf Schneider von der Allianz hofft jedenfalls, dass die EZB in ihrer Geldpolitik am Donnerstag stillhält:
"Ich glaube, sie ist wirklich expansiv genug, um die wirtschaftliche Erholung im Euroraum auch weiterhin zu unterstützen, und überstürzte Maßnahmen bringen da meiner Ansicht nach nichts. Also, insbesondere, was diskutiert wird, der Ankauf von Staatsanleihen oder anderen festverzinslichen Wertpapieren im breiten Umfang, halte ich nicht für sinnvoll und erwarte ich auch nicht."
Es gäbe weitere Möglichkeiten, etwa die Auflage eines neuen langfristigen Refinanzierungsgeschäfts, weil die bisherigen allmählich auslaufen. Wenn die Notenbank glaubt handeln zu müssen, dann müsste das aber auch Wirkung zeigen, sagt Dekabank-Chefvolkswirt Kater:
"Wenn man gegensteuert, dann nicht einfach mal ein bisschen, sondern dann muss auch kräftig gegengesteuert werden, dann müssen kräftige Geschütze aus dem Arsenal geholt werden."
Die aber dürfte sie auch noch etwas zurückhalten, damit sie bei einer möglichen Verschlechterung der geopolitischen Lage noch wirkungsvoll reagieren kann.