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EZBGedämpfte Deflationssorgen, Zurückhaltung bei Zinssenkung

Europas Währungshüter dämpfen die Sorgen vor fallenden Preisen im Euroraum - und stemmen sich zunächst nicht mit noch billigerem Geld gegen niedrige Inflationsraten. Vor allem wegen sinkender Energiepreise war die Jahresteuerung im Januar auf 0,7 Prozent gefallen.

Von Michael Braun | 06.02.2014

Beifall sogar von den deutschen Sparkassen: Es sei gut und richtig gewesen, dass die EZB den Leitzins nicht noch weiter gesenkt habe. Doch während die Sparkassen auf künftig wieder steigende Zinsen hoffen, lässt sich die Europäische Zentralbank alle Türen offen. Der Zentralbankrat schaue sich alles genau an, sagte EZB-Präsident Mario Draghi heute, und sei bereit, alle möglichen Instrumente in Betracht zu ziehen.
"We are monitoring developments closely and are ready to consider all available instruments."
So ähnlich hatten das Beobachter von Draghi erwartet. David Milleker, Chefvolkswirt von Union Invest, hatte am Mittag prognostiziert:
"Er wird mit Sicherheit darauf hinweisen, dass es für die EZB eine unkomfortable Situation ist, dass man aber noch genügend Instrumente im Köcher hat und sie bei Notwendigkeit auch mit Sicherheit nutzen wird."
Ja, sagte Draghi, die Lage sei schwer durchschaubar. Die kurzfristigen Zinsen schwankten stark, die Aktienmärkte auch, von den Schwellenländern gehe Unsicherheit aus. Aber wie das alles wirke, was dem zugrunde liege, sei nicht klar, jedenfalls zu unklar, um etwa an der Zinsschraube zu drehen. Denn bis das wirke, vergehe viel Zeit. Da könne die Lage schon wieder anders sein. Auch Kreditpakete zu kaufen, sogenannte Asset Backed Securities, oder kurz: ABS, Papiere also, mit denen Banken Kredite bündeln und sie an Investoren weitergeben, Papiere, die in der Finanzkrise einen katastrophalen Ruf hatten, auch solche Papiere würde die EZB bei Bedarf kaufen, kündigte Draghi an. Aber jetzt sei das nicht nötig. Denn die Kreditvergabe gebe kaum noch nach:
"Wenn Sie sich die Zahlen über die Kreditvergabe in den letzten zwei Monaten anschauen, dann sehen Sie: Die gehen zurück, aber nicht so stark wie zuvor. Das stabilisiert sich. Und wenn Sie dann die Unternehmensanleihen hinzurechnen, die nicht von Banken emittiert werden, dann sind sie nicht ganz, aber nahe bei null Veränderung in der Kreditvergabe."
Besserung also auf niedrigem Niveau. Der Rat habe sich auch die Frage gestellt, ob es eine Deflation gebe. Die Antwort sei "Nein" gewesen:
"Is there a deflation? And the answer is: no."
Bestes Zeichen: Niemand schiebe seine Anschaffungen in der Hoffnung auf sinkende Preise auf. Die Sparquoten stiegen nicht, sie blieben stabil. Von japanischen Verhältnissen sei die Eurozone weit entfernt. Dass die Inflationsrate zuletzt auf 0,7 Prozent gesunken war, darin hatten auch Experten wie Allianz-Volkswirt Rolf Schneider keinen Vorboten einer Deflation gesehen:
"Wir haben einfach die Situation, dass die Kosten in den südeuropäischen Ländern fallen. Das führt zu niedrigeren Preissteigerungsraten, teilweise auch zu negativen Preissteigerungsraten wie in Griechenland. Das ist aber an sich nicht schlecht, solange sich die wirtschaftliche Lage nicht verschlechtert. Es ist eher gut für die Wettbewerbsfähigkeit und für die Kaufkraft. Die Kaufkraft wird durch niedrige Inflationsraten gestärkt. Und da die wirtschaftlichen Erwartungen sich in Südeuropa stabilisieren, bin ich eigentlich zuversichtlich, dass keine Deflation entstehen wird."
Draghi bestätigte das. Und gab sich insgesamt als ein Zentralbanker, der langsam Besserung und Stabilisierung sieht. Freilich auf solch niedrigem Niveau, dass die Politik der niedrigen Zinsen noch lange anhalten werde.