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EZB-Kandidatin Lautenschläger
Diplomatische Kandidatin in Zeiten der Krise

EZB-Kandidatin Sabine Lautenschläger kündigte bei ihrer Anhörung im Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Straßburg an, eigene geldpolitische Positionen zu haben. Zwar musste sich die Bundesbankvizechefin auch leisen Spott gefallen lassen, doch die Abgeordneten stimmten fast einstimmig für die Deutsche.

Von Jörg Münchenberg |
    Der Start verlief gleich etwas holprig. Erst einmal wurde die Kandidatin für das Direktorium der Europäischen Zentralbank mit den Tücken der Technik konfrontiert. Das Mikrofon für die Anhörung im mächtigen Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments wollte einfach nicht funktionieren – doch die bisherige Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger zeigte sich erstaunlich gelassen:
    "Jaaa. this is working. You like it complicated?" (Lachen)
    Freilich, danach gab es für die 49-jährige Juristin kaum noch etwas zu lachen. 45 schriftliche Fragen hatten die Abgeordneten ihr geschickt, die sie vor der Anhörung beantworten musste. Aber auch beim mündlichen Vortrag sollte Lautenschläger Stellung beziehen. Vor allem die Rolle der Geldpolitik bei der Krisenbewältigung interessierte die Abgeordneten – manche aber, wie der SPD-Abgeordnete Udo Bullmann, waren mit den Antworten nicht ganz zufrieden:
    "Ich glaube vier oder fünf Mal haben die Kollegen sie gefragt, was wollen sie geldpolitisch anders machen, als Draghi und Asmussen und mein Eindruck war, die Fragen machen Sie nicht rundherum glücklich."
    Insgesamt freundlicher Empfang
    Doch insgesamt war Lautenschläger von den Abgeordneten nicht nur äußerst freundlich empfangen worden. Auch während der Befragung gab es – und das ist bei solchen Anhörungen eher ungewöhnlich - wiederholt Lob auf offener Bühne. Der CDU-Abgeordnete Werner Langen:
    "Frau Lautenschläger, ich glaube der Ecofin hat mit Ihnen einen hervorragenden Vorschlag präsentiert, der sowohl die Beanstandungen des Parlaments aus den letzten Berufungen berücksichtigt, als auch ihre hervorragende fachliche Eignung in der Bankenaufsicht."
    Auch die Tatsache, dass es sich bei Lautenschläger um eine weibliche Kandidatin handelt, konnte als Pluspunkt verbucht werden – denn derzeit finden sich im EZB-Rat nur Männer. Dennoch musste sich die Bundesbankvizechefin auch leisen Spott gefallen lassen. Der belgische Konservative Derk Jan Eppink erinnerte daran, dass bereits zwei Deutsche die EZB vorzeitig verlassen hätten, erst Chefvolkswirt Jürgen Stark, danach Jörg Asmussen, der ins Bundesarbeitsministerium wechselte. Es sei hoffentlich kein übliches Verfahren, dass die deutschen Mitglieder aus persönlichen Gründen frühzeitig gehen würden:
    "I hope, it is not going to become a steady procedure. For German members of the EZB-board to resign all the time of personal reasons."
    Lautenschläger plant Verbleib über volle acht Jahre
    Die Antwort fiel bestimmt aus, natürlich wolle sie über die gesamte Zeit von acht Jahren im Amt bleiben, betonte Lautenschläger:
    "Well, i plan to have a full term."
    Und für welche geldpolitische Position steht nun die 49-Jährige? Mehr aufseiten von Bundesbankchef Jens Weidmann, der für eine strikte stabilitätsorientierte Linie kämpft oder unterstützt sie Asmussen und EZB-Chef Mario Draghi, die das Mandat der Europäischen Zentralbank eher großzügig und flexibel auslegen?
    "Werde mir Konsequenzen von bestimmten Maßnahmen genau anschauen"
    "Man kann aus der globalen Perspektive nicht sagen, ich stehe mehr auf Asmussens Seite oder mehr auf der Seite von Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Ich habe meine eigene Meinung – zu jeder Frage, zu jeder Entscheidung. Ich werde mir dann immer die kurz-, mittel- und langfristigen Konsequenzen von bestimmten Maßnahmen genau anschauen."
    Eine höchst diplomatische Antwort also, wenngleich Lautenschläger an anderer Stelle durchscheinen ließ, dass die langfristigen Folgen der EZB-Krisenpolitik – niedrige Zinsen, Ankauf von Staatsanleihen – durchaus negative Folgen haben könnten. Am Ende überzeugte sie aber die meisten Abgeordneten, die fast einstimmig für die Deutsche stimmten. Am Donnerstag wird nun das Plenum entscheiden, das letzte Wort aber haben die Staats- und Regierungschefs.