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StartseiteCampus & Karriere"Primzahlen sind ein großer Teil unseres Alltags"15.03.2019

Faszination für Mathematik"Primzahlen sind ein großer Teil unseres Alltags"

Beim Thema Mathematik bekommt Fabien Nießen leuchtende Augen. Der 19-Jährige taucht nicht nur in seinem Studium in die Tiefen dieser Disziplin ein, sondern gibt auch Workshops für Schulklassen und organisiert die Matheolympiade mit. Ganz besonders faszinieren ihn die Primzahlen.

Von Friederike Müllender

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Graue Primzahlen auf weißem Grund angeordnet.  (imago )
Primzahlen sind nur durch sich selbst und eins teilbar und es gibt unendlich viele von ihnen (imago )
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"Das Schöne an der Mathematik ist, dass sie so logisch ist. Also die Sachen bauen aufeinander auf, verbinden sich und man sieht Zusammenhänge, die man vorher noch nicht gesehen hat und dass sie so logisch ist und unfehlbar, ist vielleicht das falsche Wort, aber es geht so in die Richtung, das finde ich wunderschön."

Wenn der 19-jährige Fabien Nießen über Mathematik spricht, leuchten seinen Augen. Schon immer hat ihn die Welt der Mathematik fasziniert, mit all ihren Regeln, Formeln, Strukturen und Rätseln. Schon in der sechsten Klasse nimmt er zum ersten Mal an der regionalen Mathematikolympiade teil und bekommt direkt den ersten Platz. Zwei Jahre später tritt er dann sogar gegen Mathe-Asse aus ganz Deutschland an:

"Es war natürlich ein cooles Feeling da zu sitzen und zu wissen, ich kämpfe jetzt gegen alle anderen aus Deutschland, das war ein cooles Gefühl. Es ist jetzt aber nicht so, dass wir da die ganze Zeit nur über Mathematik sprechen und uns Formeln an den Kopf werfen, wir machen da schon noch Spieleabende und quatschen"

Eintauchen in die Tiefe der Mathematik

Mittlerweile hilft der Mathe-Student aus Bonn selbst dabei, die Matheolympiade zu organisieren, korrigiert die Aufgabenbögen und gibt regelmäßig besondere Workshops für Schulklassen:

"Die Mathematik an sich kann auch sehr lebhaft sein und das würde ich auch nie behaupten, dass sie eine staubtrockene Wissenschaft war und durch diese Workshops, die wir jetzt anbieten, wollen wir Schülerinnen und Schülern ja auch zeigen, dass Mathematik etwas Anderes sein kann, als was lernen und anwenden, die Tiefe der Mathematik verstehen."

In die Tiefen der Mathematik taucht Fabien Nießen dabei besonders gerne ein, am liebsten tüftelt er an mathematischen Beweisen:

"Diese Logik dahinter zu finden, find ich sehr cool. Das ist auch so interessant an der Mathematik, wir sind schon so weit und haben viel erforscht, aber es gibt immer noch Fragestellungen, von denen niemand weiß, ob sie stimmen, dass es immer noch ungelöste Fragestellungen gibt, die man nicht so eben beweisen kann. Sowas reizt mich sehr."

 Besonders angetan haben es ihm dabei die Primzahlen:

"Primzahlen sind ein großer Teil unseres Alltags, sie sind wichtig für Verschlüsselung. Aber sie sind auch an sich so schön, so außergewöhnlich, sie sind einzigartig im Vergleich zu den anderen Zahlen, weil sie ja nur durch eins und sich selbst teilbar sind, das ist das besondere an Primzahlen."

Und dass es von denen unendlich viele gibt, kann er mal eben aus dem Stegreif beweisen:

"Angenommen wir haben nur endlich viele Primzahlen, dann kann ich die alle miteinander multiplizieren und die Zahl die dabei raus kommt, ist durch jede der Primzahlen teilbar, weil ich habe sie ja alle miteinander multipliziert und wenn ich dieses Produkt plus eins rechne, ist die Zahl durch keine der Primzahlen mehr teilbar, von denen wir angenommen haben, dass es nur endlich viele gibt, das heißt sie ist selber schon wieder eine Primzahl."

Mathe-Ass Fabien Nießen lächelnd vor einer beigefarbenen Wand (Privat / Felix Blanke)Der 19-Jährige Fabien Nießen studiert Mathematik an der Universität Bonn (Privat / Felix Blanke)

Eine Familie von Mathematikern

Für Fabien Nießen gehört Mathe fest zu seinem Leben. Neben seinem Studium und seinem Engagement im Hausdorff Center for Mathematics ist er außerdem in der Mathe-Fachschaft der Uni Bonn und die ist ganz anders als viele denken, sagt Fachschaftsvorsitzende Marina Richter:

"Wir sind eine große Familie, man kommt rein und jeder ist willkommen, man hat immer so dieses Klischee vom Mathematiker im Kopf und die Fachschaft ist zum größten Teil einfach das Gegenteil davon, du hast so viele herzliche Menschen hier, man fühlt sich einfach pudelwohl."

 Im Gemeinschaftsraum der Fachschaft machen es sich die Studierenden gemütlich. Auf dem Tisch in der Mitte liegen Kekse und Süßkram. Die Stimmung ist offen und fröhlich. Vor allem die Liebe zur Mathematik haben hier alle gemeinsam:

"Wenn zum Beispiel zwei Autos nebeneinanderstehen und die Ziffern darauf sich jeweils zu zehn ergänzen, dann fällt mir sowas sehr schnell auf, oder wenn zwei nebeneinander sind und es sind beides Primzahlen oder generell, wenn ich Zahlen sehe, ich rechne sehr gerne aus, ob es eine Primzahl ist oder nicht."

Erzählt die 25- jährige Janna Schmidt. Und auch Fabien Nießen kennt das:

"Wenn ich in einem Raum bin und die Decke hat eine gewisse Anzahl an Lampen und ein paar davon sind kaputt, dann suche ich darin meistens Muster, dann fällt mir auf, okay sind beides durch drei teilbare Zahlen, also die, die aus sind, sind durch drei teilbar und die, die an sind und irgendwie ist jede fünfte aus und jede vierte an. Das passiert relativ häufig"

Zusammenhänge erkennen, versteckte Verbindungen aufdecken, Rätsel lösen - auch das ist Mathematik. Was genau er in Zukunft mal machen möchte, weiß der 19-Jährige noch nicht so genau, eines aber wünscht er sich:

"Mathematik wird mir aber hoffentlich immer weiter, beispielsweise durch die Matheolympiade weiter erhalten bleiben, das ist so die Verbindung, die ich hoffentlich mein ganzes Leben zur Mathematik erhalten kann."

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