
“In einer Zeit großer weltweiter Umbrüche müssen Deutschland und Frankreich enger zusammenrücken”, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz noch im Sommer 2025 gesagt. Er betonte dabei auch die Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik.
Doch inzwischen steht das 100-Milliarden-Euro-Projekt FCAS zur gemeinsamen Entwicklung eines Kampfflugzeugs auf der Kippe. Und das nach fast zehn Jahren Arbeit.
FCAS sollte ein Meilenstein für die europäische Kooperation werden
FCAS steht für Future Combat Air System. Das geplante Luftkampfsystem soll ab 2040 den deutschen Eurofighter und den französischen Rafale ersetzen. An der Entwicklung ist zudem auch Spanien beteiligt.
Die Geschichte des europäischen Flugzeugbauers Airbus gilt als Vision hinter der Kooperation: So wie mit Airbus die Dominanz der US-Amerikaner in der zivilen Luftfahrt gebrochen wurde, sollte FCAS ein europäisches Leuchtturmprojekt für Luftstreitkräfte werden. Das Projekt ist damit auch ein Baustein, um unabhängiger von den USA zu werden. Das Ziel: Waffen, mit denen Europa verteidigt werden soll, sollen auch in Europa hergestellt werden.
Mit FCAS soll nicht nur ein neues Kampfflugzeug entwickelt werden. Es geht um ein komplettes Luftkampfsystem. Dazu sollen auch Drohnen gehören, die über eigene Satelliten mit den Kampfflugzeugen vernetzt sein sollen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt weiter für die Kooperation. Er warnte in zahlreichen europäischen Zeitungen davor, dass viele Synergien verloren gehen könnten, wenn die Entwicklung gestoppt werde. Aktuell werden viele Waffensysteme nebeneinanderher geplant und gebaut.
Wirtschaftliche Interessen bremsen die militärische Kooperation
Bundeskanzler Merz sagt, dass Frankreich schlicht ein anderes Flugzeug als Deutschland brauche und die Kooperation daher nicht sinnvoll sei. Frankreich wolle ein Flugzeug bauen, dass auf Flugzeugträgern landen und zudem Atomwaffen tragen kann. Das brauche man aber für die Bundeswehr nicht.
Viele Beobachter sind allerdings der Meinung, dass diese Begründung nur vorgeschoben sei. Denn es knirscht auf wirtschaftlicher Ebene gewaltig. Der französische Luftfahrtkonzern Dassault, der auch den Rafale-Kampfjet produziert, will die Systemführerschaft und zudem einen deutlich größeren Arbeitsanteil als ursprünglich vereinbart. Deutschland und Spanien lehnen das ab.
Der französische Dassault-Konzern fordere vom deutschen Kooperationspartner Airbus eine industrielle Selbstaufgabe, kritisierte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Marie-Christine von Hahn. Der Verband wirbt daher dafür, separat zwei statt gemeinsam ein Flugzeug zu entwickeln.
Es könnte auf zwei Flugzeugtypen hinauslaufen
Die möglichen Alternativen hängen stark davon ab, welchen Bedarf die Bundesregierung am Ende sehen wird. Merz hatte auch infrage gestellt, ob die Bundeswehr in zwanzig Jahren überhaupt noch bemannte Kampfflugzeuge braucht.
Wenn Deutschland und Frankreich sich zu den Kampfjets nicht einig werden, muss das allerdings nicht das vollständige Aus für FCAS bedeuten. Die SPD-Verteidigungspolitikerin Siemtje Möller glaubt nicht, "dass FCAS als Gesamtprojekt scheitern wird". Die Vernetzung zwischen Kampfflugzeugen und Drohnen so wie auch die Entwicklung der Drohnen könne weiterhin gut gemeinsam stattfinden.
Und auch für das Kampfflugzeug könnten sich Deutschland und Frankreich auf eine Basis einigen, Software und Triebwerke gemeinsam entwickeln. Davon ausgehend würde Dassault und Airbus dann Flugzeuge entwickeln. Airbus-Chef Guillaume Faury hat bereits erklärt, dass der Konzern offen dafür sei, im Rahmen von FCAS zwei Flugzeuge zu bauen.
Es gilt als wahrscheinlich, dass Spanien sich in diesem Szenario der deutschen Ausarbeitung anschließen würde. Auch Schweden hat Interesse an einer Kooperation mit Deutschland.
Alternativ könnte Deutschland in das bestehende Kampfjet-Projekt von Großbritannien, Italien und Japan einsteigen. Das ist allerdings schon deutlich weiter fortgeschritten als FCAS und die Möglichkeiten zur Mitgestaltung wären für Deutschland wohl begrenzt.
Auch die deutsch-französische Panzer-Kooperation MGCS ist angezählt
Neben FCAS haben Deutschland und Frankreich ein zweites gemeinsames militärisches Großprojekt: Unter dem Titel „Main Ground Combat System“, kurz MGCS, soll ein Kampfpanzer entwickelt und gebaut werden. Und auch hier geht es um ein komplettes Paket an Rüstungstechnologie. Zum Panzer gehören auch Begleitfahrzeuge, Drohnen und KI-gestützte Informationsverarbeitung, er soll langfristig den deutschen Leopard und den französischen Leclerc ersetzen.
Ein Aus für FCAS könnte allerdings auch ein Aus für MGCS bedeuten, sagte die Europaabgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP). Die Projekte seien im Verbund geplant gewesen, FCAS aus Frankreich gesteuert und MGCS aus Deutschland gesteuert.
Onlinetext: Tobias Pastoors













