Sonntag, 21. April 2024

Nach Fan-Schlägereien
Fenerbahçe vor dem Austritt aus der Süper Lig?

Fenerbahçe Istanbul und Trabzonspor sind Rivalen in der türkischen Liga. Nach Schlägereien zwischen den den Fans und Spielern der Mannschaften droht Fenerbahçe jetzt mit einem Austritt aus der türkischen Süper Lig. Die Folgen sind kaum absehbar.

Von Marion Sendker | 28.03.2024
Ein Fan von Trabzonspor bedroht Spieler von Fenerbahce nach eine Spiel in der Süper Lig.
Mitte März haben Fans von Trabzonspor Spieler vom Rivalen Fenerbahçe auf dem Spielfeld attakiert. (IMAGO / ABACAPRESS / IMAGO / Depo Photos / ABACA)
Mit einem Messer in der Hand stürmt ein maskierter Fußballfan auf den Rasen. Er soll Anhänger des türkischen Vereins Trabzonspor sein. Die Mannschaft belegt den dritten Platz in der Süper-Lig und hat gerade gegen den Zweitplatzierten Fenerbahçe Istanbul verloren. Als Sicherheitskräfte den Mann aufhalten, bricht Chaos aus: Immer mehr Trabzonspor-Anhänger stürmen den Rasen, eine wüste Schlägerei geht los.
Fenerbahçe -Stürmer Michy Batshuayi, ehemals bei Borussia Dortmund unter Vertrag, tritt einen gegnerischen Fan in die Brust, von der Trabzonspor-Tribüne fliegt das Cello eines Schülers in die Prügelei, ein Fenerbahce-Fan bewaffnet sich mit einer Eckfahne. Und ein Fenerbahçe -Spieler tritt auf den Mann mit dem Messer ein – nachdem Sicherheitskräfte ihn zu Boden gebracht haben.

Ausschreitungen kommen vor - aber nicht so

Darüber ärgert sich Trabzonspor-Präsident Ertugrul Dogan nach der Begegnung: „Es ist schon oft vorgekommen, dass Fans das Spielfeld betreten, Feuer in Stadien zünden oder Polizeiautos zerstören. Aber das hier ist ein Novum: Ein Fan wird von Sicherheitskräften aufgehalten und trotzdem angegriffen! Einer am Boden liegenden Person auf den Kopf zu schlagen, ist weder ehrenhaft noch männlich. Trabzonspor wird das niemals vergessen.“
Seit Jahren sind Trabzonspor und Fenerbahçe tief verfeindet. Der türkische Fußballverband versprach harte Strafen – passiert ist bis jetzt, knapp zwei Wochen später, wenig. Beobachter vermuten, dass der Verband die Kommunalwahlen am Sonntag abwarten möchte. Fußball ist in der Türkei hochpolitisch. Unmut über mögliche Strafen oder Begnadigungen können das Wahlverhalten der Fans beeinflussen.
Der Vereinschef von Fenerbahce, Ali Koc, kündigte derweil einen radikalen Schritt an: Am Dienstag soll eine außerordentliche Generalversammlung des Vereins über den Austritt von Fenerbahçe aus der Süper-Lig abstimmen: „Wir werden diese Behandlung in unserem eigenen Land nicht länger akzeptieren. Für Fener ist in dieser Liga kein Platz. Wenn nötig, steigen wir in eine niedrigere Liga ab. Wir sterben lieber einmal als jeden Tag aufs Neue.“

Fußball ist ein Wirtschaftsfaktor

Seit dieser Drohung ist die türkische Fußballwelt in Aufruhr. Der frühere Präsident von Trabzonspor warf Fenerbahce Erpressung vor, um die eigenen Spieler vor Disziplinarverfahren und Sanktionen zu schützen. Andere Beobachter deuten an, dass Fenerbahce die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan unter Druck setzen will. Der Fußballclub ist an der Börse notiert. Ein Rückzug aus der Süper-Lig könnte sich schlecht auf die ohnehin angeschlagene Wirtschaft auswirken. Vor allem Privatanleger wären betroffen.
Ein Liga-Austritt dürfte aber auch für Fenerbahce teuer werden, sagte der renommierte Sportkommentator Ercan Taner, Anfang dieser Woche, in einem Fernsehinterview: „Der Verein hat Schulden in Höhe von etwa 34.434.000 Euro. Wenn er sich zurückzieht, werden sich die Einnahmen verringern. Und was ist mit den Verträgen der ausländischen Spieler und Sponsoren? Einige von ihnen werden Abfindungen verlangen und ihre Verträge kündigen.“
Kann sich Fenerbahçe einen Liga-Austritt überhaupt leisten? Was passiert mit den Fans, Wohin sollen die Spieler, was wird mit der Süper-Lig dem türkischen Fußballverband? Oder bluffen die Blau-Gelben aus Istanbul nur? Vereinschef Ali Koc erklärte dazu am Mittwoch in einer schriftlichen Stellungnahme: „Entweder steigen wir eine Liga ab, oder wir stellen die Fußballaktivitäten für eine Weile ein oder wir kaufen eine Mannschaft im Ausland. Darüber soll abgestimmt werden. Ich garantiere aber: Wir werden nicht so tun, als wäre nichts gewesen.“