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StartseiteKalenderblattEin Kämpfer für die Sache der Arbeiter31.08.2014

Ferdinand LassalleEin Kämpfer für die Sache der Arbeiter

Die Anfänge der organisierten deutschen Arbeiterbewegung entwickelten sich nach dem Scheitern der Revolution 1848. Zu den engagiertesten Verfechtern der Arbeiterinteressen gehörte Ferdinand Lassalle - Jurist, Journalist, politischer Denker und Mitbegründer des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins". Er starb am 31. August 1864 nach einem Duell.

Von Wolfgang Stenke

Ein Schwarz-Weiß-Bild von Ferdinand Lassalle, dem Mitbegründer des am 23. Mai 1863 in Leipzig ins Leben gerufenen "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins", dem Vorläufer der SPD. (picture alliance / dpa)
Ferdinand Lassalle, Mitbegründer des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins", dem Vorläufer der SPD. (picture alliance / dpa)
Weiterführende Information

Alternative zum Kapitalismus - Genosse Bürger (Deutschlandradio Kultur, Zeitfragen, 20.08.2014)
Große Koalition als Untergang der SPD (Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 11.11.2013)
Als Marx vor den Roten warnte (Deutschlandradio Kultur, Lesart, 08.09.2013)
"Bebel war so etwas wie der Gegenkaiser der Sozialdemokratie" (Deutschlandfunk, Interview, 13.08.2013)
Vom Drechslergesellen zum Arbeiterkaiser (Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt, 13.08.2013)

"Lassalle ist im Duell geblieben. Natürlich ein Frauenzimmer im Spiel. Am Montagabend wurde er in den Unterleib geschossen, am Mittwoch starb er und heute wird er begraben. (...) Schade um ihn! Trotz aller Fehler doch ein tüchtiger Bursche."

So schrieb der sozialistische Politiker Wilhelm Liebknecht Anfang September 1864 an Karl Marx. Wenige Tage zuvor war Ferdinand Lassalle in Genf unter großen Qualen einer Schussverletzung erlegen: Ein Kämpfer für die Sache der Arbeiter, begabter Redner und Organisator - einer der Gründer der deutschen Sozialdemokratie.

"Nicht zählen wir den Feind, nicht die Gefahren all!!

Marsch, marsch, marsch, marsch, Der kühnen Bahn nun folgen wir, die uns geführt Lassalle!"

Ferdinand Lassalle wurde 1825 in Breslau geboren. Der Sohn eines jüdischen Seidenhändlers studierte Geschichte und Philosophie. Dann warf er sich auf die Juristerei. In einer Serie spektakulärer Prozesse erstritt er für seine zwanzig Jahre ältere Freundin Gräfin Sophie von Hatzfeldt die Scheidung von ihrem despotischen Ehemann. Die "rote Gräfin" dankte es Lassalle mit einer Leibrente, die ihm einen nahezu aristokratischen Lebensstil ermöglichte. Werke von Hegel, Proudhon und Saint-Simon formten seine politische Überzeugung. Hinzu kam die Bekanntschaft mit Karl Marx. 1848 engagierte Lassalle sich im Rheinland als revolutionärer Demokrat. Der Aufruf zur Steuerverweigerung brachte ihn ins Gefängnis. Lassalle verteidigte sich 1849 vor dem Kölner Schwurgericht:

Zitat Ferdinand Lassalle

"In solchen Fällen überhaupt Partei zu ergreifen und Gut und Blut für des Herzens Wollen in die Schanze zu schlagen, das, meine Herren, ist an sich des Mannes erste Pflicht."

Die preußische Polizei bezeichnete Lassalle als einen "der Hauptführer der Umsturzpartei in der Rheinprovinz". Da offene politische Arbeit schwierig war, widmete er sich nach dem Ende der Hatzfeldt-Prozesse wissenschaftlichen Interessen - u.a. einer Studie über die Fragmente des griechischen Philosophen Heraklit.

Politische Kleingeisterei

In den 1860er Jahren mischte Lassalle sich als politischer Autor und Redner in den Verfassungskonflikt um das preußische Heeresbudget ein. Verfassungsfragen waren für ihn Machtfragen. So grenzte er sich von der liberalen Fortschrittspartei ab, die den Streit zwischen Parlament und Monarch als rein rechtliches Problem sah.

Zitat Ferdinand Lassalle

"Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist. (...) Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist."

Es fehle am revolutionären Elan

Nach Lassalles Einschätzung fehlte dem Bürgertum der revolutionäre Elan. Als künftig entscheidende Kraft sah er die Arbeiterklasse, deren Mitglieder Mitte des 19. Jahrhunderts begannen, sich in Vereinen zu organisieren. An ihre Adresse richtete sich 1862 Lassalles "Arbeiterprogramm"-– eine scharfe Kritik der politischen Verhältnisse in Preußen. Diese Schrift trug ihm fünf Monate Gefängnis ein. Sie bewog eine Gruppe aus dem Leipziger Arbeiterbildungsverein, dem mittlerweile prominenten Autor die Leitung eines nationalen Arbeiterkongresses anzutragen. Lassalle schickte ein "offenes Antwortschreiben" nach Leipzig, in dem er forderte:

Zitat Ferdinand Lassalle

"Der Arbeiterstand muß sich als selbstständige politische Partei konstituieren und das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht zu dem prinzipiellen Losungswort und Banner dieser Partei machen."

Auf der Leipziger Gründungsversammlung im Mai 1863 begrüßten die Delegierten Lassalle enthusiastisch. Sie wählten ihn für fünf Jahre zum Vorsitzenden des "Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins" (ADAV). Die Partei wurde eine der Keimzellen, aus denen sich die SPD entwickelte.

Diktatorisch und eitel

Lassalles Programm zielte auf die Ablösung der privatkapitalistischen Unternehmen durch genossenschaftliche Assoziationen der Arbeiter. Unumstritten war er nicht im ADAV, er galt vielen als diktatorisch und eitel. - Als Lassalle am 31. August 1864 nach dem Pistolenduell mit dem rumänischen Adligen Yanko von Racowitza in Genf starb - es ging um die schöne Diplomatentochter Helene von Dönniges – schrieb Engels an Marx:

Zitat Friedrich Engels

"Welcher Jubel wird unter den Fabrikanten (...) herrschen, Lassalle war doch der einzige Kerl in Deutschland selbst, vor dem sie Angst hatten. (...) Aber was ist das für eine sonderbare Art, ums Leben zu kommen. (...) Wie kann ein politischer Mann sich mit einem walachischen Abenteurer schießen!"

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