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StartseiteEuropa heuteSpanien und die Rettung der Banken18.11.2013

FinanzkriseSpanien und die Rettung der Banken

Spanien will künftig ohne Hilfen aus Brüssel für seine Banken auskommen. Gelöst ist die Finanzkrise damit aber noch lange nicht. Den Banken fehlt es noch immer an Kapital und viele Bürger sind skeptisch, ob die aktuelle Bankenrettung von Dauer sein wird.

Von Hans-Günter Kellner

Eine Euro-Münze vor der spanischen Flagge. (picture alliance / dpa / perschfoto)
In Spanien herrscht noch immer eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent. (picture alliance / dpa / perschfoto)

Es ist kalt, es regnet und trotzdem bilden sich lange Schlangen vor dem Königin-Sofía-Museum in Madrid. Die Erklärung: Samstags ist der Eintritt ab 19 Uhr kostenlos. Zum Ende der Bankenrettung in Spanien meinen die Besucher:

"Man konnte das Finanzsystem nicht fallen lassen. Aber man hätte die Banken verpflichten müssen, Kredite zu vergeben. Die Kreditklemme beschneidet das Wachstum. Wie soll da die Inlandsnachfrage steigen?"

"Spanien wird auf Jahrzehnte nicht aus der Krise kommen. Die Banken sind für die Krise verantwortlich. Sie bekommen das öffentliche Geld und machen damit, was sie wollen. Außerdem vergeben sie ja weiter keine Kredite. Das hatte keinen Sinn."

"Für mich beginnt die Krise gerade. Ich bin letzte Woche entlassen worden. Einen neuen Job finde ich höchstens im Ausland. In Spanien nicht."

Die Umfrage ist zwar nicht repräsentativ, spiegelt aber gut die Skepsis auf den Straßen Madrids wieder. Kaum jemand glaubt, dass sich mit der Rettung der spanischen Banken auch seine private Situation nun zum Besseren wendet. Das dürfe man auch nicht erwarten, meint Fernando Pampillón, Wirtschaftsprofessor an der Uned-Universität. Er sagt: Die Hilfen für die Banken hätten vor allem deren ausländischen Gläubigern geholfen:

"Ohne jeden Zweifel. Wie auch in Griechenland oder Irland, wo deutsche Banken ja auch viel investiert hatten. Man muss sich also fragen, ob nicht auch die Investoren, im spanischen Fall vor allem deutsche Banken, an solchen Maßnahmen hätten beteiligt werden müssen, wenn die spanischen Banken nicht mehr zahlen können."

Dies ist nicht geschehen. Stattdessen musste Spanien die 41 Milliarden Euro für seine Banken bei seinen eigenen Staatsschulden verbuchen. Trotz der Rettung verleihen die Institute immer noch entweder gar kein Geld oder nur zu sehr hohen Zinsen. Der Grund: Die Banken haben ihre Probleme längst nicht überwunden. Das sagt Juan Ignacio Crespo, einer der angesehensten Finanzmarktanalysten Spaniens:

"Den Banken fehlt immer noch Kapital. Im Augenblick reicht es zwar. Aber die Zahlungsausfälle bei den Krediten nehmen weiter zu. Der Handlungsspielraum  für die Banken ist darum immer noch sehr gering. Hinzu kommt: Es ist immer noch fraglich, ob Spaniens Wirtschaft jetzt tatsächlich stärker wachsen wird. Unternehmen, die jetzt um einen Kredit bitten, wollen schlicht überleben. Viele davon sind aber nicht zukunftsfähig."

Die 41 Milliarden Euro aus Brüssel reichen also nicht, sagt Crespo. Denn immer noch hätten vor allem die ehemaligen Sparkassen viele faule Immobilienkredite in den Büchern. Manche davon hätten die Banken sogar zu Paketen geschnürt, zu sogenannten Hypothekenpfandbriefen und bei der Europäischen Zentralbank als Sicherheiten hinterlegt - gegen frisches Geld. Dieses Geld müssen sie in den nächsten Jahren zurückzahlen. Hinzu kommt:

"Wir haben noch die refinanzierten Kredite. Kredite an Immobilienunternehmen, die die Banken zu Beginn der Krise nicht als Ausfälle abschreiben wollten. Das sind etwa 320 Milliarden Euro. Die Rücklagen, die die Banken aus ihren Gewinnen gebildet haben und die Kapitalspritzen vom Staat machen etwa 220 Milliarden Euro aus. Da fehlen also immer noch 100 Milliarden. Darum war ich stets der Meinung, die Regierung hätte die gesamte Kreditlinie der Europäischen Union ausschöpfen sollen, also 100 Milliarden Euro. Den Rest hätten die Banken mit ihren Gewinnen selbst auffangen können."

Spaniens Regierung hofft zwar, in den nächsten beiden Jahren werde die Wirtschaft des Landes wieder stärker wachsen. Damit könnte auch die Arbeitslosenquote von derzeit 25 Prozent spürbar zurückgehen. Doch Crespo hält das nicht für wahrscheinlich. Stattdessen bräuchten die Banken wohl in zwei Jahren noch einmal frisches Geld. Immerhin: Spanien könnte es sich dank gesunkener Zinsen wieder selbst auf den Finanzmärkten leihen:

"Das liegt zum einen an EZB-Chef Mario Draghi, der angekündigt hatte, Staatsanleihen aufzukaufen. Es liegt aber auch daran, dass andere Zentralbanken wie die der USA oder Japans das bereits machen und damit viel Geld in die Finanzmärkte pumpen. Dort gilt Spanien wieder als rentable Anlagemöglichkeit. Und zuletzt haben sich diese Märkte auch einfach wieder beruhigt. Das kann sich zwar wieder ändern. Aber ich glaube nicht, dass die Märkte spanische Staatsanleihen noch einmal so brutal abweisen werden wie in der Vergangenheit."

Das Europa im Falle der Bankenkrise also auf Zeit spielt, hat immerhin einen kompletten Zusammenbruch der spanischen Banken mit all seinen Auswirkungen auf das europäische Finanzsystem verhindert. Und inzwischen zeigen auch internationale Investoren wieder Interesse an Spanien. Es dürften jedoch Jahre vergehen, bis sich das auch in einer deutlich sinkenden Arbeitslosenquote niederschlägt. 

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