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StartseiteCampus & KarriereIntegration im Hörsaal06.10.2016

Flüchtlinge an der UniIntegration im Hörsaal

An Bremens Unis bekommen Flüchtlinge eine optimale Starthilfe. In einem Vorbereitungsjahr lernen sie intensiv die deutsche Sprache, außerdem können sie ihre bisherigen Studienleistungen unkompliziert anerkennen lassen. Genau so wünscht es sich die Kultusministerkonferenz in einer Erklärung, die heute verabschiedet werden soll.

Von Almuth Knigge

Leiterin des ersten Intensivsprachkurses, Claudia Hubatsch, steht in einem Hörsaal der Uni Potsdam vor einer Tafel vor Schülern und hält ein Blatt Papier in der Hand. (dpa/picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert)
Bremen investiert viel Geld, um Flüchtlingen ein Studium zu ermöglichen. (dpa/picture alliance/Klaus-Dietmar Gabbert)
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Semesterbeginn, und die 150 Flüchtlinge, die sich im Großen Hörsaal der Universität Bremen versammelt haben, sind wie alle Studienanfänger: Aufgeregt, etwas planlos, aber voller Hoffnung. Auch Abdelraman aus dem Irak und sein Freund Abdullah aus Syrien. Beide sind allein, ohne Familie nach Deutschland gekommen

Abdulraman: "Ich komme aus dem Irak und ich möchte hier gerne meinen Studiengang fortsetzen. Ich habe studiert im Irak Wirtschaft. Public Management und ich möchte hier Master studieren - mit Abschluss." - "Ich bin Abdullah, ich komme aus Syrien, ich habe schon in Syrien Medizin studiert - ohne Abschluss - ich möchte hier mein Studium fortsetzen."

Vorbereitungsstudium "Integra" speziell für Flüchtlinge

Das Vorbereitungsstudium "Integra" soll sie fit für ein reguläres Studium an einer der vier Hochschulen im Land Bremen machen. Die meisten Teilnehmer sind junge Männer; viele haben bereits in der Heimat studiert. Im großen Hörsaal ist ein Willkommensplakat an die Wand geworfen - die Bremer Wissenschaftssenatorin Eva Quante Brandt ist zur Begrüßung gekommen.

"Sehr geehrte … ist das an? Ja, geht es so? Hervorragend."

Abdullah und Abdelraman grinsen - der Kampf mit der Technik scheint international. Die Senatorin spricht davon, talentierten Menschen eine Perspektive zu geben und für die Hochschulen zu gewinnen. In Bremen wurde eigens das Hochschulgesetz geändert - jetzt können die Hochschulen selbst Zugangsprüfungen für Flüchtlinge durchführen und diese mit der Hochschulzugangsberechtigung ihres Heimatlandes zum Studium zuzulassen.

Warmlaufen für die Kultusministerkonferenz in Bremen

Es ist quasi ein Warmlaufen für die Kultusministerkonferenz, die in Bremen stattfindet und bei der sie die Vorsitzende Claudia Bogedan vertritt. In seinen jüngsten Empfehlungen hatte der Wissenschaftsrat Hochschulen und Politik dazu aufgerufen, sich stärker für die Gewinnung, den Studienerfolg und die Arbeitsmarktintegration internationaler Studierender zu engagieren. Notwendig seien dafür unter anderem beschleunigte Verfahren der Visavergabe und eine Neuregelung des Hochschulzugangs und eine Orientierung an der individuellen Leistungsfähigkeit - und nicht den Herkunftsländern der Studienbewerber und Bewerberinnen. So soll es auch in der Erklärung stehen, die die Kultusminister am Nachmittag verabschieden wollen. So wird es in Bremen schon gehandhabt.

Eva Quante Brandt: "Danke, dass Sie uns ihr Vertrauen für ihre wissenschaftliche Laufbahn geschenkt haben."

Abdullah und Abdelraman nicken - sie haben das meiste auf Deutsch bereits verstanden und brauchen die Übersetzungen gar nicht abzuwarten. Beide strahlen die ganze Zeit.

"Ja ich freue mich sehr gut und wir haben Lust und Leidenschaft für unser Studium fortsetzen."

Vorreiterprojekt "Here" in Bremen

Ihre Studienleistungen werden größtenteils anerkannt - dabei hat das zentrale Hochschulbüro "Here" (Higher Education Refugees Entrance) geholfen.

"Und alles das klappt und geschafft und alle die Texte geschafft mit uns."

Seit Juli gibt es "Here" in Bremen. Es ist auch zuständig für das In-Touch-Programm, bei dem Flüchtlinge Vorlesungen als Gasthörer besuchen können. Die kleine Hansestadt ist mit dem Projekt Vorreiter in Europa. Bremen zahlt dafür rund 330.000 Euro, der DAAD stellt noch einmal 320.000 Euro bereit.

Einen Tag später. Abdullah und Abdelraman sitzen in der Cafeteria am Campus. Gestern ging es direkt los mit den Seminaren. Sie haben viel erklärt, was bedeutet Vorbereitungsstudium, zum Beispiel das Ziel ist deutsche Sprache C1 Niveau zu erreichen, danach, wie studiert man in Deutschland und auch zu bekommen richtigen Studienplatz in Bremen oder in andere Universität in Deutschland.

Kritisches Lernen statt Frontalunterricht

Das heißt- weg vom meist frontalen Unterrichtssystem hin zum kritischen Lernen. "Integra" - das Vorbereitungsstudium selbst besteht zu einem großen Teil aus Sprachkursen. Abdelraman hatte auch schon seine erste Prüfung. Deutsche Grammatik.

"Ja, ja Präteritum und Perfekt und Plusquamperfekt und hätte und Konjunktiv und Future 2 und 1."

Der Tag heute ist der erste richtige Tag ihres neuen Lebens sagen sie. Am Nebentisch lacht eine Gruppe Mädchen laut. Abdullah schaut und lächelt.

"Vielleicht heute ist normaler Studientag - deshalb habe ich das Gefühl, mehr als gestern, weil heute habe ich das Gefühl, ich bin in Universität - das Atmosphäre."

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