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StartseiteAus Religion und GesellschaftZwischen Mördern und Mystikern11.09.2019

Franz von Assisi und Sultan al-Kamil begegnen sich Zwischen Mördern und Mystikern

Wie islamfreundlich war Franz von Assisi? Im Jahr 2019 feiern die Franziskaner ihren Ordensgründer, weil er sich vor 800 Jahren mit Sultan Malik al-Kamil begegnet sein soll. Was genau passierte, ist in der Forschung umstritten. War Franz also ein Prophet des interreligiösen Dialogs?

Von Corinna Mühlstedt

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Ein Denkmal des heiligen Franz von Assisi mit einem Vogel in der Hand im niederösterreichischen Mostviertel  (imago stock&people)
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Es war vor 800 Jahren:

"1219 reiste Franz von Assisi in die von Kreuzfahrern belagerte ägyptische Hafenstadt Damiette und sprach dort mit dem Sultan über den Frieden", sagt Kamal Labib, der ägyptische Franziskaner-Provinzial."Für uns Franziskaner ist dieses Treffen ein Symbol, das zeigt: Ein ehrlicher Dialog zwischen Muslimen und Christen ist möglich."

 und die weltweite Ordensgemeinschaft der Franziskaner feiern 2019 das 800jährige Jubiläum dieser Begegnung. Doch was genau geschah 1219 inmitten der blutigen Schlachten am Nil? Ist das Treffen zwischen dem italienischen Bettelmönch und dem mächtigen Sultan mehr als eine Legende? Lässt sich ein historisches Fundament herausschälen?

Da ist etwas passiert, was nicht benennbar ist

Es lohnt, Licht ins Dunkel der Geschichte zu bringen, meint der Tübinger Kirchenhistoriker Volker Leppin:

"Die Forschung ist in einer schwierigen Situation. Die Episode im Leben von Franz ist so gut bezeugt, - nicht nur durch Franz-Biographen, sondern auch durch Kreuzzugs-Chroniken -, dass man sagen kann: Da ist etwas passiert! - Was genau, ist dann eine andere Frage? Die Quellen sind ausgesprochen kompliziert."

Eine der ältesten Quellen, die von der abenteuerlichen Begegnung in Damiette berichten, ist eine Biographie über den Ordensgründer – verfasst vom Franziskaner Thomas von Celano. Und zwar im Jahr 1228 – zwei Jahre, nachdem Franz von Assisi in seiner italienischen Heimatstadt gestorben war. Sie sollte dessen Bedeutung herausstellen.

Im Innersten berührt

In dieser Franziskus-Biographie des Thomas von Celano heißt es:

1219 fuhr Franziskus mit Kreuzfahrern ins Heilige Land, wo täglich harte Kampfe mit den "Ungläubigen" – das heißt den Muslimen - ausgetragen wurden. Ohne Furcht wagte er sich dort mit seinem Gefährten, Bruder Illuminato, vor Sultan Malik Al Kamil. Der Sultan empfing ihn sehr ehrenvoll. Er erkannte in Franziskus einen außergewöhnlichen Menschen und wurde von dessen Worten im Innersten berührt.

Aber warum reiste Franz überhaupt nach Palästina? Wollte er die Orte kennen lernen, an denen der Überlieferung nach Jesus lebte? Wollte er dort die "Ungläubigen" bekehren oder gar Frieden stiften? Die Forschung tappt im Dunkeln. Man weiß nur: Papst Innozenz III hatte 1213 zum 5. Kreuzzug aufgerufen - ins so genannte "Heilige Land". Sein offizielles Ziel war, die 1187 von Sultan Saladins Truppen eingenommene Stadt Jerusalem zurück zu erobern. Zur Rechtfertigung des Vorgehens diente im Kreuzzugsaufruf ein Islambild, das heute wie ein Zerrbild wirkt:

Es hat sich ein falscher Prophet erhoben namens Mohammed, der mit weltlichen Freuden und fleischlichen Begierden die Menschen verführt. Wir hoffen jetzt mit Hilfe des Herrn dem Treiben der apokalyptischen Bestie ein Ende zu setzen.

Die ersten Opfer dieser Polemik waren die Kreuzfahrer: Sie wussten vom Machthunger des Papstes so wenig wie davon, dass die muslimischen Heere bei der Einnahme Jerusalems alle Christen geschont hatten. Doch die meisten Kreuzfahrer hielten wohl alle Muslime für grausame "Ungläubige".

Auch Franz dürfte diese Ansicht geteilt haben, als er nach Palästina aufbrach, meint Volker Leppin, der kürzlich eine Franziskus-Biographie veröffentlicht hat: "Ich gehe davon aus, dass er im Grunde mit einem Überschwang missionarischen Eifers dorthin gefahren ist. Er wollte die Welt von Christus überzeugen. So, denke ich, war seine Vorstellung."

Da Franz zeitlebens eine mystische Nähe zu Jesus suchte, vermutet die römische Franziskanerin und Theologin Marie Melone bei ihm noch eine andere Motivation:

"Franziskus reist in den Orient, um so weit wie möglich eins mit Jesus zu werden. Gewiss, er will das Christentum verbreiten, Gespräche führen und Frieden stiften. Aber im Grunde will er sich und sein Leben radikal hingeben - so wie es Jesus und viele Märtyrer taten. Es geht ihm um ein Zeugnis bedingungsloser Liebe."

Der Sultan bittet Franziskus um sein Gebet

Bereits 1217 hatte Franziskus erstmals einige seiner Gefährten nach Palästina geschickt, zwei Jahre später fuhr er mit einem Versorgungsschiff des Kreuzzugs selbst dort hin. Über die Bischofsstadt Akkon im heutigen Israel gelangte er in den Norden Ägyptens. Dort belagerte das Kreuzfahrerheer die strategisch wichtige Hafenstadt Damiette im Nildelta.

Der damalige Bischof von Akkon, Jacques de Vitry, berichtet in einem Brief:

Der Orden der Minderbrüder breitet sich gar mächtig aus, weil er der Lebensweise der Urkirche und der Apostel nacheifert. Der Gründer des Ordens wird Franz genannt, ein von Gott und den Menschen geliebter Mann. Er kam in unser Lager in Damiette und entflammte dort den Glaubenseifer. Er scheute sich auch nicht zu den feindlichen Truppen hinüber zu gehen und den Muslimen zu predigen, allerdings zunächst mit wenig Erfolg. Nach einigen Tagen ließ ihn aber der Sultan vor sich bringen und bat ihn um sein Gebet.

Erstaunlich sei, dass Franz das muslimische Lager offenbar weitgehend unbehelligt betreten und auch wieder verlassen konnte, gibt der evangelische Theologie-Professor Volker Leppin zu bedenken:

"Was kann Franziskus eigentlich überhaupt bewegt haben - aus Sicht der muslimischen Heere - in das Lager zu kommen? Er hätte ein Bote sein können. Das wird auch gelegentlich berichtet. Er hätte ein Überläufer sein können. - Und dann musste man feststellen: Beides war er nicht. Trotzdem hat man ihn wieder entlassen. Und das heißt, der Sultan muss gesagt haben: 'Der ist harmlos.'"

Wie lange Franz von Assisi im muslimischen Lager blieb oder bleiben musste, ist unklar: Es vergingen Stunden, vielleicht sogar Tage oder Wochen, meinen einige Überlieferungen. Was geschah während dieser Zeit im Lager des Sultans? Berühmt ist ein Bild in der Franziskus-Basilika von Assisi, das nach Entwürfen des Malers Giotto gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstand.

 Franz von Assisi schlägt dem Sultan vor, durch die Flammen zu gehen (imago stock&people, imago images / Cola Images)Franz von Assisi schlägt dem Sultan vor, durch die Flammen zu gehen (imago stock&people, imago images / Cola Images)

Es zeigt Franz vor dem Thron des Sultans: Der Heilige verweist mit seiner Hand auf ein Feuer, das neben ihm brennt. Der Franziskaner Thomas Freidel deutet diese Szene theologisch: Sie erwecke den Eindruck, Franz habe dem Sultan vorgeschlagen, durch die Flammen zu gehen, um die Wahrheit seines Glaubens zu beweisen:

"Die Meinung ist naheliegend, dass es nicht historisch ist. Die Ausmalung der Oberkirche, das ist eine Zeit, wo der Orden in einer Zerreiß-Probe stand, in der Gefahr zu einer Sekte zu werden. Und da war es ganz besonders wichtig herauszustellen: Franziskus ist ein offiziell anerkanntes Beispiel für ein Leben nach der Botschaft Jesu. Und in dem Zusammenhang steht wohl auch diese Sache mit der Feuerprobe."

Viele Berichte über das Treffen zwischen Franz und dem Sultan, verfolgten ideologische Absichten, ergänzt Volker Leppin.

"Es ist nicht leicht, festzustellen, was da stattgefunden hat. Es fehlen uns ganz wesentliche Informationen. Und dann wird auch sehr unterschiedlich berichtet: Hat da nun ein Streitgespräch in Ansätzen angefangen? Hat Franziskus gepredigt? Hat er tatsächlich wohlwollend positiv gepredigt? Oder hat er sehr aggressiv gepredigt? Sogar diese Berichte gibt es. Also die Forschung ist hier in einer schwierigen Situation im Grunde."

Muslimische Quellen hinzuziehen

Die Ereignisse in Damiette seien besser zu verstehen, wenn auch muslimische Quellen herangezogen werden, meint Salah Ramadan, Dozent an der ägyptischen Universität Al Azhar. Und er erinnert an die andere Schlüsselfigur in dem ganzen Geschehen: Sultan Malik al Kamil. Dieser, so Ramadan, gelte als einer der bedeutendsten muslimischen Herrscher des Mittelalters. 1219 war er genau wie Franziskus noch keine 40 Jahre alt.

"Historisch weiß man einiges über Al Kamil. Er war ein Neffe Sultan Saladins, gehörte zur kurdischen Dynastie der Ajjubiden und herrschte damals über Ägypten. Er war hoch gebildet, friedliebend und beim Volk sehr beliebt. Die Tatsache, dass er mit Franziskus gesprochen hat, beweist einmal mehr seine Toleranz."

Das Treffen des Sultans mit Franz erwähne auch der muslimische Chronist Ibn al Zayyát al Tádilí. Er schildert im 13. Jahrhundert die Lebensgeschichte bekannter islamischer Mystiker und verweist ausdrücklich auf einen - so wörtlich - "berühmten Mönch", den der Sultan traf:

Ramadan: "Ibn Al Zayyát ist die wichtigste arabisch-sprachige Quelle, die dieses Treffen belegt: Sultan Al Kamil, der ein Anhänger der mystischen Richtung des Islam war, versammelte bei dieser Gelegenheit offenbar seine theologischen Ratgeber. Zu ihnen gehörte ein hoch angesehener Mystiker namens Fakr-al Dín Farisí. Ja, wir denken, dass auch dieser Sufi und enge Berater Sultan Al Kamils bei den Gesprächen mit Franziskus anwesend war."

Fakr-al Dín habe die Begegnung sogar auf seinem Grabstein in Kairo erwähnt, erklärt Salah Ramadan.

Muslimische Mystiker ähneln Franziskus

Ägypten war damals ein Zentrum des aufblühenden Sufismus. Viele der muslimischen Mystiker bekleideten sich - ähnlich wie Franziskus - nur mit einem schichten Wollstoff, lebten asketisch und strebten nach religiöser Ekstase. Auch der in Spanien geborene Sufi, Ibn´Arabi, hielt sich zu jener Zeit auf Reisen öfter am Nil auf. Der von ihm beeinflusste persische Mystiker Jelalladin Rumi beschrieb - ebenfalls im 13. Jahrhundert - die Haltung eines Sufi:

Der Lohn der Religion besteht aus Liebe, Ekstase des Herzens und Nähe zu Gott. Die Seele des Gebets ist das Aufgehen des Selbst im Eins-Sein mit Gott.

Franz von Assisi war ebenso fasziniert von mystischen Erfahrungen. Franziskus selbst hat es so ausgedrückt:

Wir alle wollen lieben mit ganzen Herzen. Nichts anderes wollen wir wünschen, nichts anderes soll uns gefallen als der Schöpfer, der Erlöser, der einzig wahre Gott. Fortwährend wollen wir ihn im Herzen behalten und lieben!

Franziskus und Malik Al Kamil teilten also offenkundig die Leidenschaft für die Spiritualität der Mystik. Auf dieser Basis konnte sich alles Weitere ganz natürlich entwickeln, meint der ägyptische Franziskaner Vincenzo Mansour aus Damiette:

"Es war im Mittelalter an den Höfen orientalischer Herrscher üblich, Diskussionen abzuhalten, zu denen man verschiedene Religionsvertreter einlud. Dabei schilderte jeder seinen Glauben und forderte die anderen auf, sich ihm anzuschließen. Das war normal. Zudem respektiert der Koran Mönche, deren Lebensstil an Sufis, an Derwische erinnert. Dass der Sultan in einem fremden Prediger wie Franz einen Mystiker erkannte und ihn zu einem Austausch einlud, ist also plausibel und kann wahr sein."

Denkbar war dies freilich nur während einer Waffenruhe, überlegt Mansour, wie sie etwa für September 1219 überliefert wird. Während einer Waffenruhe und angesichts des öden Lagerlebens vor Damiette habe der Sultan allerdings eine geistige Abwechslung sicher begrüßt. Im Heer der Kreuzfahrer hatte damals ein päpstlicher Legat das Oberkommando: Kardinal Pelagius Galvani.

Ihm und dem christlichen Heer machte Sultan Al Kamil während der Waffenruhe im Herbst 1219 mehrere Friedensangebote. Doch Kardinal Pelagius lehnte Verhandlungen mit den so genannten "Ungläubigen" ab. Niemand konnte ihn umstimmen. Er versuchte weiterhin, Damiette auszuhungern.

Christen töten Muslime

Am 5. November 1219 fiel Damiette nach 18 Monaten Belagerung. Das Massaker, das die Kreuzfahrer anrichteten, kostete mehr als 100.000 Menschenleben, die meisten waren muslimische Zivilisten. Der deutsche Kreuzfahrer und spätere Bischof, Oliver von Köln, war bei der Einnahme der Stadt entsetzt:

In Damiette türmten sich die Leichen. Neugeborene waren an den Brüsten ihrer Mütter gestorben, und die Reichen inmitten ihrer Schätze verhungert.

Die christlichen Sieger töteten oder versklavten die wenigen Überlebenden und nahmen Damiette in Besitz. Moscheen wurden in Kirchen verwandelt.

Moslems befreien Christen

Zwei Jahre später ließ Kardinal Pelagius das Heer Richtung Kairo marschieren, provozierte aber aus mangelnder Ortskenntnis eine Katastrophe: Die Kreuzfahrer drohten im Schlamm des Nil zu verenden und mussten kapitulieren. Malik Al Kamil ließ sie aber nicht töten, sondern versorgen und per Schiff nach Europa zurück bringen. Oliver von Köln war unter ihnen und dankte dem Sultan in einem Brief:

Ich bin ein Sklave, der von Euch, Sultan, befreit wurde. Ich werde diese Gnade nie vergessen. Ich habe nie gehört, dass Gefangene mit solcher Güte behandelt wurden. Auf Euren Befehl bekamen wir Brot und andere Gaben. Unsere Kranken habt Ihr auf Eure Kosten zu den Schiffen transportiert, und Ihr habt Euren Leuten verboten, uns zu misshandeln. Ihr tragt mit Recht den Namen "Al Kamil", der so viel bedeutet wie "vollkommen", denn Ihr vereint alle Tugenden, die ein Herrscher haben sollte!

Ob die vorausgegangenen Gespräche zwischen Franziskus und dem Sultan, dessen Haltung zugunsten der Christen beeinflusst hatten, ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass Franziskus das dramatische Ende des Kreuzzugs nicht mehr vor Ort erlebte. Er war bereits im Frühsommer 1220 nach Italien zurückgereist.

Einige Quellen vermuten, Franziskus habe vor seiner Rückkehr nach Italien noch mit einer Sondererlaubnis des Sultans die christlichen Pilgerstätten im Heiligen Land besucht. Auf jeden Fall sei anzunehmen, dass die Orientreise für den Bettelmönch, der Europa nie zuvor verlassen hatte, ein Schlüsselerlebnis war, meint Adolf Holl, suspendierter katholischer Priester und Autor populärer Sachbücher:

Franz musste erleben, wie Christen sinnvolle Friedensabkommen verwarfen und sinnlose Massaker veranstalteten. Er wird in dem Bewusstsein nach Hause gefahren sein, dass Jesus von der kreuzfahrenden Christenheit fortwährend ans Kreuz geschlagen wird.

Und der französische Franziskaner Gwenolé Jeusset ergänzt:

Die Gastfreundschaft, die Franziskus seitens der Muslime erfuhr, stellte all seine Vorurteile in Frage: Der Islam, den er traf, war nicht radikal, sondern eine Religion voller Leidenschaft, die besonders in der Mystik die Herzen bewegt.

Diese Erfahrungen spiegeln sich in den Ordensregeln, die Franz nach seiner Rückkehr verfasst. Schon im ersten Entwurf verliert er kein abwertendes Wort über andere Religionen und mahnt bei der Mission unter Muslimen zur Mäßigung. - Volker Leppin:

"Es wird nicht zu einer offensiven, aggressiven Mission geraten, sondern zu einem missionarischen Leben. Es gibt dann auch später Berichte, die deutlich machen, dass die Franziskaner akzeptiert waren im muslimischen Umfeld, solange sie nicht Mohammed direkt angegriffen haben, sondern nur positiv von Christus gesprochen haben. Sie sind dort präsent und haben einen speziellen Auftrag für das Heilige Land."

Dieser Auftrag wiederum gehe auf die Begegnung zwischen Franz und dem Sultan zurück. Das Wohlwollen auf Seiten des Sultans bestätige jedenfalls ein mit Silber verziertes Horn aus Elfenbein, meint Thomas Freidel, das bis heute im Franziskaner-Konvent von Assisi zu sehen ist.  

"Dieses elfenbeinerne Horn, so ist uns überliefert, hat Franziskus geschenkt bekommen vom Sultan bei seinem Besuch - ein Zeichen dafür, dass eine wirkliche Wertschätzung entstanden ist zwischen den beiden."

Viele Fragen bleiben offen. Doch eines scheint sicher: Zweifellos hatte das Treffen mit Sultan Al Kamil für Franziskus und seinen Orden eine große Bedeutung.

Zeichnung: Franz von Assisi am Berg La Verna 1224 (imago stock&people)Zeichnung: Franz von Assisi am Berg La Verna 1224 (imago stock&people)

Dies belege auch ein vergilbtes Blatt Pergament, versichert Thomas Freidel, das im Konvent von Assisi, wo er lebt, aufbewahrt wird. Franziskus hat auf ihm 1224, während eines Aufenthalts in La Verna, in dessen Verlauf er tiefe mystische Erfahrungen machte, einen Segen für seinen Gefährten Leo notiert:

"Wir haben von Franziskus selber, mit eigener Hand geschrieben nur zwei Dokumente: Und bei unserem Pergament hier ist auf der Vorderseite der Segen 'Der Herr segne Dich, er behüte Dich' aufgeschrieben, von Franziskus mit eigener Hand. Und auf der Rückseite ist der Text eines Gebets, das Franziskus auf dem Berg La Verna verfasst hat. Und dieser Lobpreis, der erinnert in seiner Art auch an Gebete aus dem Koran, aus der muslimischen Tradition: Gott Du bist der Alleinige, der Große, der Starke und so weiter."

Die so genannten 99 Namen Allahs werden vor allem in den mystischen Traditionen der islamischen Religion oft rezitiert. In La Verna hat Franziskus auf Pergament fast die Hälfte all dieser Namen notiert - verbunden mit der Bitte um Frieden.

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