Donnerstag, 26. Mai 2022

Frauen in der Politik
"Brauchen den politischen Willen für weibliche Repräsentanz"

In der 19. Legislaturperiode ist der Frauenanteil im Parlament deutlich gesunken. Warum gibt es immer noch so wenige Politikerinnen? Torsten Körner beleuchtet das Problem in seinem Film "Die Unbeugsamen". Faktoren seien mangelnde Vorbilder, Zeit und Angriffe in den Sozialen Medien, sagte er im Dlf.

Torsten Körner im Gespräch mit Anja Reinhardt | 19.09.2021

Regisseur Torsten Körner (l) bei der Premiere seines Dokumentarfilms "Die Unbeugsamen" mit den ehemaligen und amtierenden Politikerinnen
Torsten Körner bei der Premiere seines Dokumentarfilms "Die Unbeugsamen" mit ehemaligen und amtierenden Politikerinnen (dpa / picture alliance / POOL / Jörg Carstensen)
Welche Statistiken man auch zurate zieht: Frauen sind in der deutschen Politik stark unterrepräsentiert. Von den aktuell 709 Abgeordneten im Deutschen Bundestag sind nur 223 Frauen und 486 Männer. Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Blick auf die Mitgliederzahlen der Parteien ab. Auch hier sind die Frauen in der Unterzahl. Mit 48 Prozent Frauenanteil an den Mitgliedern weisen die Grünen den größten Wert auf. Die AfD mit 13 Prozent ist in dieser Kategorie Schlusslicht.
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Frauenanteil im Bundestag gesunken

Von 38 Prozent in der 18. Legislaturperiode fiel der Anteil der Frauen im deutschen Bundestag auf 31 Prozent in der jetzt auslaufenden 19. Legislaturoperiode. In kommunalen Parlamenten ist gar nur ein Viertel der Sitze von Frauen besetzt.
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Frauenanteil nach Fraktionen in Deutschland 2021 (statista)
Für den Filmemacher Torsten Körner, der das Thema Frauen in der Politik ausführlich in seinem aktuellen Film "Die Unbeugsamen" behandelt, sind diese Zahlen keine Überraschung. "Das hat vielfältige Gründe. Wenn man sich den Bundestag anschaut, hat es sicher damit zu tun, dass die AfD mit einem verschwindend geringen Frauenanteil eingezogen ist, auch die CDU hat einen blamablen Frauenanteil, finde ich", sagte Körner.
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Faktor Zeit und Attacken im Netz

Zwei Gründe nennt Körner, die es Frauen in der Politik schwer mache. Der eine ist der Faktor Zeit. "Um Politik machen zu können - das ist ja ein Full-time-Job - braucht man Zeit, Zeit, Zeit. Wenn eine Frau diese Zeit nicht hat, weil sie sich etwa um pflegebürftige Angehörige, Kinder, den Haushalt und andere Familienmitglieder kümmern muss, dann ist da keine Zeit, um Politik zu machen", erklärte Körner.
Zudem nennt Körner die digitale Sphäre, die insbesondere Frauen attackiere. Angriffe in den Sozialen Medien träfen zu drei Viertel Frauen.
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Politikgeschichte auf den Mann ausgerichtet

Schon der Blick in die politische Geschichte, speziell in die Bonner Republik, sei androzentrisch. "Wenn man sich die Standardwerke der deutschen Historiker anschaut, ist alles auf den Mann ausgerichtet. Die Frauen bildeten da nur Fußnoten", sagte Körner.
Auch die Medien spielten dabei eine nicht unwesentliche Rolle. So habe die ARD zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik eine große Dokumentation gezeigt. Von 75 Gesprächspartnern - so erinnert sich Körner - seien 70 männlich gewesen und nur fünf weiblich. "Das heißt, diese Verdrängung der Frauen, die in den 50er, 60er, 70er Jahren stattgefunden hat, setzt sich bis heute fort und beraubt jüngeren Frauengenerationen und Politikerinnengeneratoionen der Vorbilder, die sie hätten haben können."

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