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StartseiteInterview"Wir müssen TTIP abwenden"17.05.2015

Freihandelsabkommen"Wir müssen TTIP abwenden"

Der Autor und Literaturchef der Berliner Akademie der Künste, Ingo Schulze, empfindet das geplante Freihandelsabkommen TTIP als persönliche Bedrohung. Hier solle ohne Not etwas zugelassen werden, was der Demokratie abträglich sei. "Wir müssen das abwenden", forderte er im Deutschlandfunk.

Ingo Schulze im Gespräch mit Petra Ensminger

Der Schriftsteller Ingo Schulze (imago/Galuschka)
Der Schriftsteller Ingo Schulze (imago/Galuschka)
Weiterführende Information

Fischen in der Nebelbank - Wie sich der Berliner Politikbetrieb zu TTIP positioniert
(Deutschlandfunk, Dossier, 19.06.2015)

Investionsschutz in TTIP - "Wir müssen die Dinge noch rechtssicherer definieren"
(Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 06.05.2015)

TTIP-Verhandlungen - Musikalischer Protest der Deutschen Orchestervereinigung
(Deutschlandfunk, Kultur heute, 04.05.2015)

Eine zentrale Gefahr durch das Freihandelsabkommen TTIP zwischen Europa und den USA bestehe in der möglichen Aufhebung der Buchpreisbindung, sagte Schulze im DLF. Dort, wo die Preisbindung aufgehoben worden sei, hätten nur große Buchhandelsketten überlebt, so der 52-Jährige Direktor der Sektion Literatur an der Berliner Akademie der Künste. Allein wenn man die Zahl von 2.000 Buchhandlungen in den USA mit den 6.000 Buchhandlungen in Deutschland vergleiche, zeige sich, welcher Standard hierzulande bedroht sei.

Warnung vor "feudaler Kulturförderung"

Ein weiteres Beispiel sei die Kulturförderung. Das in den USA verbreitete private Sponsoring könne keine Alternative zur öffentlichen, demokratisch verfassten Kulturförderung sein. Ersteres komme feudalen Strukturen gleich. Auch sei es ein großes Privileg, dass in Deutschland etwa nicht jeder Radiosender auf Werbung angewiesen sei.

Doch gehe es nicht allein um den Kulturbetrieb. Die noch größere Gefahr sei die geplante Einführung von Schiedsgerichten. Es müsse abgewendet werde, dass neue Gesetze gleichsam vorab von der Wirtschaft abgesegnet werden müssten, sagte Schulze.

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