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StartseiteDeutschland heuteObstbauern profitieren von Hitze09.08.2018

FruchternteObstbauern profitieren von Hitze

Obstbauern freuen sich über die lang anhaltende Wärme, denn Pflaumen, Äpfel, Kirschen und Mirabellen sind durch den Sonnenschein viel früher reif als sonst. Das Geschäft brummt. Trotzdem wird es Zeit für Regen: Die Früchte drohen zu verbrennen - und die Bewässerung geht ins Geld.

Von Felicitas Boeselager

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Hans-Olaf Schröder auf seiner Obstplantage bei Bremen (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)
Hans-Olaf Schröder freut sich über die gute Ernte (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)
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"Ich hab ihr Auto jetzt eben gewogen, den Zettel bekomm ich nachher wieder. Nicht verlieren, hinten steht drauf wie sie die Äpfel pflücken sollen. Rechts  rum Zwetschen und Mirabellen, links rum Zwetschen und Birnen"

Zwischen den Obstplantagen der Schröders ist Stau. So viele Menschen kommen zu Saisonbeginn um Birnen, Äpfel, Mirabellen und Pflaumen zu pflücken. Bevor es losgeht, werden die Autos gewogen, wenn sie mit dem Obst raus fahren, müssen sie wieder auf die große Auto-Waage, und das, was sie dann mehr wiegen, das müssen sie zahlen.

Die Autos parken direkt neben den Plantagen. Noch ist es angenehm kühl zwischen den langen Reihen der Obstbäume, eben hat es kurz geregnet, aber das war tatsächlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, die Wege sind schon wieder staubig. Soweit das Auge reicht, stehen Selbstpflücker zwischen Mirabellen- und Pflaumenbäumen und werfen die Früchte in ihre mitgebrachten Eimer.

"Aber auch alle abpflücken vom Ast. Nicht welche hängen lassen. Richtig sauber abpflücken"

Ganze Familien sind zum Pflücken gekommen und die Kinder umringen die Pflaumenbäume:

"Und habt ihr schon mal eine gegessen Kinder?"- "Ja, süß" - "Sehr fruchtig"

Früher Start der Selbstpflücker-Saison

So früh wie dieses Jahr haben sie noch nie die Tore für die Selbstpflücker geöffnet, erzählt Hans-Olaf Schröder. Er leitet gemeinsam mit seinen zwei Brüdern das Familien-Unternehmen "Schröder Baumschulen" bei Bremen.

"Als ich so elf, zwölf, dreizehn war, und hab hier angefangen in der Obstanlage so meinen Eltern zu helfen, da fingen wir so 7. 8. 9. September mit den Sorten, die wir jetzt heute am 8. August ernten, an."

Das sei der Klimawandel, sagt Schröder. Der hat auch dafür gesorgt, dass dieses Jahr das beste Kirschjahr war, seit er denken kann. Aber nicht nur die Kirschen profitieren von der Sonne.

"Also Zwetschen sind voll. Zwetschen haben nicht so extrem gelitten. Noch nicht."

Pflaumenbäume auf der Obstplantage der "Schröder Baumschulen" bei Bremen (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)Die Pflaumen sind schon reif (Deutschlandradio / Felicitas Boeselager)

Wenn es nicht kühler wird, dann kann es sein, dass auch die Pflaumen noch kaputt gehen. So wie jetzt die Äpfel, die Schröder braun vom Baum pflückt, innen ganz matschig, durchgegart von der Sonne.

"Ich wollt erst noch reinschreiben in die Mail an unsere Kunden. Bringt ein bisschen Marzipan mit, Nüsse und Vanille-Sauce, dann könnt ihr hier Backäpfel vom Baum essen."

Wasser für klimatische Bewässerung fehlt

Um die Äpfel vor Sonnenbrand zu schützen, müssten die Schröders klimatisch bewässern. Das heißt die Äpfel von oben mit hochwertigem Wasser berieseln, sechs Stunden am Tag. So werden Bäume und Äpfel gekühlt und sie bekommen das nötige Wasser, das sie für den Nährstofftransport brauchen. Das geht aber nicht, weil es in dieser Gegend nicht genug Wasser gibt.

"Ja, ich hab das mal so ausgerechnet, wenn ich so ungefähr 30.000 Kubikmeter brauche, dann brauch ich einen Teich von 100 mal 50 und 6 Meter hoch. Aber gerade Kanten. Das ist aber eine Menge, wenn sie ein hundert Meter langes Wasserbecken sehen, 50 Meter breit und 6 Meter hoch und bestes Trinkwasser da drin."

Statt der klimatischen Bewässerung, werden die Bäume hier nun unten am Stamm gegossen. Das kostet viel Geld, nicht nur das Wasser, auch der Strom und der Diesel, den die Maschinen fressen, muss gezahlt werden:

"Und das kann man richtig rechnen, wie das Geld einem durch die Finger rinnt. Aber das muss sein, damit man am Ende sieht: Ich habe sie am Leben gehalten. Dann hat sich's gelohnt."

Schließlich sollen die Bäume auch in den nächsten Jahren noch Früchte tragen. Gleichzeitig denkt Schröder auch über den Anbau neuer Apfelsorten nach:

"Alles was spät reif ist, hat schon mal einen Vorteil. Noch früher geht ja nicht. Da kann ich ja fast mit den Erdbeeren um die Wette anfangen, das ist ja unheimlich."

Prinzip Hoffnung

Aber auf alles, sagt Schröder, kann er sich nicht vorbereiten.

"Hoffnung, das Prinzip Hoffnung lebt hier, ja das ist so. Wenn sie so einen Beruf machen, dann pflanze ich ja einen Baum, den ernte ich sowieso erst in zwei, drei Jahren. Solange muss er erstmal leben, dann hoffe ich noch, dass es die richtige Sorte ist, die den Leuten gefällt und dann müssen noch Leute Lust haben zu pflücken und dann muss noch ein gutes Jahr sein und, und, und."

Heute hatten genug Leute Lust zu pflücken. Kiloweise fahren sie das Obst wieder von den Plantagen auf die Auto-Waagen.

"34 Kilo haben sie. 40 Euro und 80 Cent hätte ich gerne. Super, danke. Tschüss"

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