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StartseiteCorso"Wir müssen unsere Roboter trainieren"24.04.2020

Game-Theater-Stück "Lockdown""Wir müssen unsere Roboter trainieren"

Chats, Video- und Sprachnachrichten sind die Bühne von "Lockdown": In dem Game-Theater-Stück von "machina eX" muss das Publikum eine verschwundene Fahrradkurierin finden. Eine zur Zeit passende Form der Bühne, findet Dramaturgin Clara Ehrenwerth im Dlf, doch das klassische Theater sei nicht tot.

Clara Ehrenwerth im Gespräch mit Susanne Luerweg

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Ein tätowierte Frau sitzt auf einem Sofa links von ihr steht ein Rennrad. (©FFT/ Foto: Clara Marx-Zakowski)
Szene aus "Lockdown" von der Performancegruppe machina eX (©FFT/ Foto: Clara Marx-Zakowski)
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Theater spielen – geht nicht. Games am Computer zocken – geht! - für viele gerade fast zu gut, zu oft. Das eine zu viel, das andere zu wenig ... die perfekte Symbiose bietet die Gruppe "machina eX", die seit Jahren Performance mit Gaming kombiniert. In der Regel werden die Zuschauer*innen in das Geschehen eingebunden, häufig werden dezidiert politsche Themen verhandelt wie der Brexit. Das Bühnenbild erinnert streckenweise an ein Nerdbüro. Theatermacher Matthias Lillienthal hat mal über "machina eX" gesagt, es sei wie Burgtheater mit Hollywood-Pathos.

"Viele Dinge entstehen spontan"

Jetzt hat die Theater-Game-Truppe ganz aktuell auf die Corona-Krise reagiert und für das Forum Freies Theater Düsseldorf ein Stück entwickelt, an dem die Zuschauer nicht live, aber über den Messenger-Dienst Telegram teilnehmen können. "Lockdown", so der zur Situation passende Titel.

Sie hätten erst vor vier Wochen angefangen, das Stück zu entwickeln, wie Dramaturgin Clara Ehrenwerth im Dlf sagte. Normalerweise würden solche Inszenierungen von langer Hand geplant, Förderanträge eineinhalb Jahre vorher gestellt. "Das ist das Tolle an der an sich schrecklichen Situation im Moment, dass viele Dinge ganz spontan entstehen können."

Eine neue Spielart fürs Theater

Bei "Lockdown" muss das Publikum eine Fahrraskurierin aufspüren, die plötzlich verschwunden ist. Die sechs Ensemble-Mitglieder säßen an verschiedenen Orten und seien dann - genauso wie das Publikum - live bei der Suche dazugeschaltet. Große Teile des Stückes seien zwar programmiert, aber es "ist eine Live-Aufführung, weil man gleichzeitig zusammen spielt." Proben könne man das Stück im klassischen Sinne nicht, "wir müssen eher unsere Roboter trainieren und denen beibringen, was sie für uns tun sollen", sagte Ehrenwerth.

Der derzeitige Ausnahmezustand führe dazu, dass viele Phänomene der vergangenen 15 Jahre im digitalen Theater jetzt verstärkt in den Vordergrund träten. "Das ist eine neue Spielart, die jetzt hinzutritt – aber auch nichts, was das althergebrachte Theater abschaffen wird".

Äußerungen unserer Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das Game-Theaterstück "Lockdown" findet am 6. Mai im Vorfelld des Symposiums "ON/LIVE Das Theater der Digital Natives" auf der Messager-App Telegram über diesen Link statt. Ab dem 12.04.2020 kann man sich per E-Mail dafür anmelden.

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