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StartseiteCorsoMit Computerspielen das Virus bekämpfen31.03.2020

Games vs. CoronaMit Computerspielen das Virus bekämpfen

In Zeiten von Ausgangsbeschränkungen boomen Computerspiele. Zum Beispiel das makabre "Plague Inc.", bei dem man ein Virus spielt. Zocken hilft aber nicht nur beim Social Distancing, es kann auch einen Beitrag zur Corona-Forschung leisten.

Von Christian Schiffer

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Ein Screenshot aus dem Computerspiel FoldIT. (Center for Game Science at University of Washington)
Im Computerspiel "Foldit" geht es darum, Proteine möglichst geschickt zu falten (Center for Game Science at University of Washington)
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"Plague Inc" ist ein Strategiespiel aus dem Jahr 2012. Hier steuert man den Verlauf einer Seuche. Das Ziel: Die Menschheit auszurotten bis zum letzten Homo Sapiens. Der Spieler lässt ein Virus mutieren, sodass es ansteckend wird - und tödlich. Aber auch nicht zu tödlich, denn schließlich muss es sich ja verbreiten können und Tote steigen nicht in Flugzeuge und husten niemandem in die Pausenstulle. Schon im Januar, als es mit der Corona-Krise losging, wuchsen auch die Download-Zahlen des Spiels.

Aufgebaut auf einem realistischen epidemischen Modell

Die Macherinnen und Macher sahen sich damals gezwungen, darauf hinzuweisen, dass "Plague Inc." nur ein Spiel sei. Mittlerweile hat die chinesische Regierung "Plague Inc." verboten. Das ist einerseits nachvollziehbar, denn angesichts der vielen Toten wirkt das Spiel geschmacklos. Auf der anderen Seite ist es aber auch schade. Denn das Spiel basiert auf einem recht realistischen epidemischen Modell und zeigt zudem, dass die Menschheit sich gegen Seuchen zur Wehr setzten kann, etwa mit Quarantäne-Maßnahmen. "Plague Inc." kann also helfen, die jetzige Krise zu verstehen und auch, warum beispielsweise Social Disctancing, also die physische Distanzierung von Menschen, so wichtig ist. 

Spieleplattformen verbuchen Rekorde

Computerspiele standen lange im Verdacht genau diese Verhaltensweise des Social Distancing zu fördern und zwar auch dann, wenn eigentlich gerade gar keine Notwendigkeit besteht, eine Infektionskurve abzuflachen. Weitere Vorwürfe: Computerspiele würden Eskapismus also: Weltflucht, fördern und zu viel Zeit rauben. In der aktuellen Situation von Ausgangsperren und Lockdowns entpuppen sich aber genau diese angeblichen Eigenheiten des Computerspielkonsums als vorteilhaft. In Italien vertreiben sich die Menschen mit Fortnite oder Call of Duty die Zeit, in China boomen online-Strategiespiele wie League of Legends. Plattformen verbuchen Zugriffsrekorde und bieten Spiele reduziert oder gleich ganz umsonst an. Pokemon Go, ein Spiel, bei dem man mit Hilfe des Handys an der frischen Luft kleine Monster jagt, wurde so angepasst, dass man es auch von Zuhause spielen kann.

Japanische Schülerinnen und Schüler wiederum haben ihre Schulhalle in dem Aufbauspiel Minecraft nachgebaut – und dort virtuell ihre Abschlussfeier abgehalten. Ja, dank Computerspielen ist man während Corona weniger alleine.

Spielen im Dienste der Wissenschaft

Und dank Computerspielen wird sogar mitgeholfen, das Coronavirus zu bekämpfen. Schon seit zwölf Jahren gibt es "Foldit", ein Knobelspiel mit einem ganz besonderen Clou: Wer es spielt, der hilft zugleich der Wissenschaft. Hier falten die Spielerinnen und Spieler Proteine und wer besonders gute Proteine gefaltet hat, der schafft es möglicherweise nicht nur in die Bestenliste, sondern hilft auch mit, bestimmte Proteine zu entschlüsseln oder ein antivirales Protein zu designen. Gut, das heißt in diesem Fall: Das Protein muss so aufgebaut sein, dass das Coronavirus nicht an den menschlichen Organismus andocken kann. Darum geht es letztlich bei einem aktuellen Projekt der Universität von Washington. Die vielversprechendsten Proteine werden anschließend am "Institute for Protein Design" nachgebaut und getestet.

Vor lauter Nachfragen derzeit nicht zu erreichen

Und auch auf andere Art können Computerspiele zur Corona-Forschung beitragen. Denn Gaming-PCs verfügen über viel Rechenpower. Und diese Rechenpower kann man spenden, um die Wissenschaft im Kampf gegen das Virus zu unterstützen: Folding@home ist ein etwa 30 Megabyte großes Programm. Nach der Installation kann man festlegen, wie viel Rechenkapazität man davon für die Forschung abknapsen möchte. Die fehlt dann natürlich zum Zocken. Aber vielen Spielerinnen und Spielern scheint das egal zu sein. Die Seite von Folding@home war kürzlich nicht zu erreichen. Der Grund: Überlastung.

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