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StartseiteCampus & KarriereEinklassenschulen bei Schülern, Lehrern und Eltern beliebt23.03.2016

Gemeinsames LernenEinklassenschulen bei Schülern, Lehrern und Eltern beliebt

Einklassenschulen oder Zwergschulen nennen sich Grundschulen, in denen es nur eine Klasse oder zwei Klassen gibt – die Kinder lernen hier von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam. Diese kleinen Schulen gibt’s vor allem in ländlichen Bereichen – zum Beispiel im kleinen Ort Techau im östlichen Schleswig-Holstein. Trotz des Altersunterschiedes klappt der gemeinsame Unterricht sehr gut.

Von Astrid Wulf

(Carsten Rehder/dpa)
In "Einklassenschulen" lernen Kinder mehrerer Jahrgänge zusammen. (Carsten Rehder/dpa)

"Guten Morgen!"  - "Guten Morgen, Frau Hargasser!"

Die 21 Kinder starten im Stuhlkreis mit ihrer Lehrerin Maike Hargasser in den Schultag. Eine Erstklässlerin und eine Viertklässlerin sitzen nebeneinander. Sie lernen heute gemeinsam Mathe.

"Hanna, sag' mal: weißt du eine ungerade Zahl?" - "Drei." - "Was meinst du: Die Zahl 3468, ist die gerade oder ungerade?" "Gerade!" - "Richtig!"

Früher war das hier eine ganz normale Grundschule. Die Schülerzahlen gingen mit der Zeit jedoch immer weiter zurück, deshalb wurde vor drei Jahren das Konzept umgestellt. Jetzt teilen sich zwei Lerngruppen mit jeweils etwa 20 Schülern das Gebäude. Das Erdgeschoss gehört der Gruppe 'Wassermänner' und die 'Gespenster' haben das oberste Stockwerk komplett für sich, dazwischen sind Musik-,Kreativ- und Computerräume eingerichtet. Das Konzept bringt es mit sich, dass die Gruppen jahrgangsübergreifend unterrichtet werden. Der elfjährigen Selina Lill gefällt es, nicht nur mit Gleichaltrigen in einer Klasse zu sitzen.

Nicht nur mit Gleichaltrigen lernen und spielen 

"Ich finde es eigentlich ganz gut, so kann man auch lernen, den anderen zu helfen und man kann mit Erst- und Zweitklässlern auch in den Pausen spielen. Ich finde das einfach auch sehr gemütlich."

Die zehnjährige Leana Simonen fühlt sich an ihrer Schule auch richtig wohl. Sie ist froh, dass sie so klein ist: "Ich find's ganz gut, ja. Dann verläuft man sich nicht. Das ist halt toll."

Grundschulen mit maximal zwei Schulklassen sind relativ selten. In Schleswig-Holstein gibt es neben dieser hier in Techau noch andere auf den Halligen, in Nordrhein-Westfalen gibt es 18, in Bayern etwa 55. Von normalen Grundschulen unterscheiden sich Zwergschulen nach Erfahrung der Lehrerin Maike Hargasser nicht nur in der Art und Weise, wie die Kinder unterrichtet werden. Auch die Atmosphäre ist eine andere, sagt sie:

"Wir sagen immer: The Spirit of Techau. Die Türen sind immer auf, Eltern kommen vorbei, "Hallooo!", natürlich gibt es auch mal Streit, aber ich persönlich empfinde es so, dass wir eine Form von Familie leben und das ist mir auch sehr wichtig."

Kuschelige Atmosphäre 

Zu diesem familiären Feeling gehört es auch, dass sich die Eltern einbringen, dass sie für den Osterbasar Kuchen backen oder sich sogar am Nachmittag in ihrer Freizeit mit den Schülern beschäftigen. Andreas Meisbach, Vater der 9-jährigen Clara zum Beispiel leitet die Wissenschafts-AG. Er hat seine Tochter vor zwei Jahren bewusst an dieser Schule angemeldet,  weil er davon überzeugt ist, dass sie im jahrgangsübergreifenden Unterricht besser gefordert wird. Er kommt jeden Tag aus dem benachbarten Lübeck, fühlt sich aber trotzdem mittendrin.

"Wir haben ja nur ein Jahr an der anderen Schule mitgemacht, aber hier ist auch deutlich mehr Gemeinschaft unter den Eltern, das läuft viel besser als auf der anderen Schule. Man erfährt auch voneinander viel mehr, dadurch, dass es so eine kleine Schule ist. Auch wenn wir von außerhalb kommen, sind wir sehr gut eingebunden. Fast schon in die Dorfgemeinschaft."

Das Leben in einer Zwergschule ist schon irgendwie anders, sagt Lehrerin Maike Hargasser. Sie kennt auch den Alltag an normalen Grundschulen, schätzt hier jedoch den besonderen Zusammenhalt mit ihren Kindern und deren Eltern:

"Das fängt mit dem Hausmeister an, mit den Schulclubleuten, dass man sich da wirklich als große Gemeinschaft sieht oder als kleine, enge Gemeinschaft. Viele Besucher sagen immer: Wenn man hier reinkommt, ist es so warm. Und das, finde ich, ist es auch."

 

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