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StartseiteInformationen am MittagDoping-Netzwerk auch im Radsport04.03.2019

GeständnisDoping-Netzwerk auch im Radsport

Die Nordische Ski-WM endete mit einer sportlich erfreulichen Bilanz für den Deutschen Skiverband. Trotzdem bleibt wegen der Doping-Razzia ein bitterer Nachgeschmack. Es gab Verhaftungen in Seefeld und Erfurt, etwa 40 beschlagnahmte Blutbeutel und die Frage: Wie weit reicht dieser aktuelle Doping-Skandal?

Marina Schweizer im Gespräch mit Christiane Kaess

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Die Polizei in Seefeld (Österreich) gibt nach der Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM eine Pressekonferenz.  (imago stock&people / Tairo Lutter)
Die Polizei in Seefeld (Österreich) gibt nach der Doping-Razzia bei der Nordischen Ski-WM eine Pressekonferenz. (imago stock&people / Tairo Lutter)
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Welche weiteren Details kommen inzwischen ans Licht?

Es bestätigt sich das, was sich bereits vergangene Woche angedeutet hat, was von Kennern auch erwartet wurde: Das ist kein reiner nordischer-Ski-Skandal. Mit dem Österreicher Georg Preidler hat jetzt bereits der zweite Radprofi ein Geständnis in diesem Blutdopingskandal abgelegt. Dieser Georg Preidler hat heute zwei österreichischen Zeitungen ein Interview gegeben und sagt dort, er habe die Verwicklung mit dem festgenommenen Erfurter Sportmediziner zugegeben. Er sagt, er habe sich Blut abnehmen lassen, es aber nie zurückgeführt. Dieser Radsportler hat seinem Teamstall seinen sofortigen Rücktritt mitgeteilt.

Außerdem hat der Leiter der Schwerpunktstaatsanwaltschaft München interessante Einblicke in einem Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gegeben. Seiner Einschätzung nach dürften die mutmaßlichen Dopingpraktiken, schon Anfang der 2000er-Jahre begonnen haben.

Welche Hinweise gibt es denn, dass das Ganze lang gewachsene Strukturen sind und das kein "neues Dopingnetzwerk" ist?

Mehrere. Ein weiteres hochinteressantes Detail, das jetzt bekannt wurde: Dieses mutmaßliche Dopingnetzwerk um den festgenommenen Erfurter Arzt bediente sich offenbar aus altbekannten Quellen. Das behauptet einer, der 2010 selbst wegen Blutdopings zu einer Haftstrafe verurteilt wurde: Der ehemalige Sportmanager Stefan Matschiner. Er sagte gegenüber der ARD Dopingredaktion:

"Ich wurde gefragt, ob ich nicht diese Gerätschaften und meine Kontakte so weitergeben könnte."

Und zwar an den jetzt beschuldigten Erfurter Arzt. Er habe sie ihm gegeben und wisse heute aber nicht, was damit passiert sei. Stefan Matschiner ist einer der Akteure im Humanplasma Skandal ab Ende der Nullerjahre. Die in Erfurt konfiszierte Blut-Zentrifuge soll also die von Matschiner sein.

Nun haben die betroffenen Sportverbände einige Zeit gehabt, das Ganze zu verdauen. Wie viel Aufklärungswille zeigt sich da?

Unterschiedlich. Skilanglauf Bundestrainer Peter Schlickenrieder gab sich hier im Deutschlandfunk nachdenklich und regte an, auch die Kultur zu überdenken, die möglicherweise junge Sportler dazu bringt, zu dopen.

Der deutsche Olympische Sportbund sagt er hofft auf baldige Aufklärung, ob deutsche Athleten betroffen sind. Für diesen Fall kündigt man Härte an.

Der Chef des Deutschen Skiverbandes Franz Steinle beklagt, dass auch der Deutsche Skiverband thematisiert wird:

"Ich möchte nochmal ganz klar stellen, dass der deutsche Skiverband in keiner Weise mit diesem Dopingfall betroffen ist. Es gibt auch keine Athleten, die bei diesem Arzt in irgendeiner Betreuung waren. Und es tut mir persönlich mehr als weh und es hat mich auch maßlos geärgert, wie die Berichterstattung gerade aus Österreich kommt und immer von einem deutsch-österreichischen Dopingskandal gesprochen wird."

Im österreichischen Skiverband versucht man eher abzulenken und kritisiert jetzt die Umstände der Razzia.

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