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StartseiteWirtschaft und GesellschaftPsychische Krankheiten besonders im Dienstleistungssektor05.12.2019

Gesundheit am ArbeitsplatzPsychische Krankheiten besonders im Dienstleistungssektor

Immer mehr Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Belastungen. Teils liegt das daran, dass Krankheiten besser diagnostiziert werden können. Vor allem aber ist die Arbeitsbelastung in vielen Berufen enorm. Am stärksten betroffen sind Arbeitnehmer im Dienstleistungsbereich.

Von Johannes Kuhn

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Ein Mann sitzt am Laptop und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. (imago images / Westend61)
Chronischer Stress macht krank: Das bekommen immer mehr Arbeitnehmer zu spüren (imago images / Westend61)
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Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Belastungen mehr als verdoppelt. Inzwischen geht fast jeder sechste Ausfalltag auf Leiden wie Angststress, Überlastung oder Depression zurück, so der aktuelle Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen.

Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands, macht für die Zahlen nicht nur hohen beruflichen Druck verantwortlich – sondern auch ein gewachsenes Bewusstsein:

"Ich erkläre mir den Anstieg von psychischen Erkrankungen auch damit, dass die psychischen Erkrankungen zumindest in den urbanen Ballungsräumen und zumindest in den oberen Schichten der Gesellschaft enttabuisiert worden sind."

Sozialberufe mit am stärksten betroffen

Früher hätten Ärzte zudem Kopfschmerzen, Migräne oder Unwohlsein als Krankheit diagnostiziert, statt sie als Symptome psychischer Probleme zu erkennen.

Die Auswertung der Daten von etwa acht Millionen gesetzlich Versicherten zeigt: Besonders Arbeitnehmer im Dienstleistungssektor sind betroffen. Zum Beispiel im Sicherheitswesen oder auch im Gesundheits- und Sozialbereich, wie Knieps berichtet:

"Extreme Arbeitsverdichtung, Personalmangel, extreme Hierarchien - es gibt ja einen Grund, warum sehr viele Pflegekräfte, aber auch sehr viele Sozialberufe sehr früh aus ihren Arbeitsverhältnissen ausscheiden."

Beschäftigte kämpfen mit konstantem Zeitdruck

Die Arbeitsintentsität in Deutschland bleibt konstant hoch und belastet die Psyche der Beschäftigten. Das ist auch das Fazit, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund in seinem heute veröffentlichten Gute-Arbeit-Index zieht. Viel Arbeit und wenig Zeit: Das sei die Erfahrung der Arbeitnehmer, sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.

"Für viele Beschäftigte ist der Zeitdruck ein Merkmal ihrer Arbeitssituation. Mehr als die Hälfte aller Befragten fühlt sich bei der Arbeit sehr häufig oder oft gehetzt - auch hier ein sein Jahren stabil hoher Wert."

Nur 13 Prozent der Beschäftigten bewerten ihre Arbeitsbedingungen laut DGB-Studie grundsätzlich gut. Der Arbeitgeberverband bezweifelt allerdings die Seriosität solcher Werte und spricht von Effekthascherei.

Vielen Mitarbeitern fehlt die Wertschätzung

Der Versorgungsforscher Holger Pfaff von der Universität Köln blickt differenziert auf das Thema Arbeit und Gesundheit: Dass Arbeitslose deutlich häufiger wegen psychischer Probleme krank seien, zeige den gesundheitlichen Nutzen eines Jobs. Um nicht krank zu machen, sei im Berufsalltag jedoch Abwechslung nötig. Und: Anerkennung.

"Und zwar immaterielle Gratifikation. Es mangelt immer noch an Wertschätzung in Deutschland. Wertschätzung der Mitarbeiter."

Gerade Führungskräfte müssten deshalb geschult werden, auf die psychische Belastung ihrer Mitarbeiter zu achten, so Pfaffs Forderung.

2018 erreichte der Krankenstand mit 18,5 Tagen pro Beschäftigtem einen Höchstwert. Der Grund dafür ist allerdings ein Ausnahmephänomen - nämlich die Grippewelle, die Deutschland vergangenes Jahr heimsuchte. 

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